123.02.09|Welt|42 Kommentare
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Von wegen gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Männer und Frauen werden in Deutschland nicht nur weiter ungleich bezahlt: Die Differenz wächst.

© dpa
Frauen werden im Vergleich zu Männern oft unterbezahlt.
Nur in Österreich, den Niederlanden, Zypern, Tschechien und Estland sind die Unterschiede noch größer, erklärte der Kommissar und ehemalige tschechische Ministerpräsident.
Im EU-Durchschnitt erhalten Frauen 17,4 Prozent weniger Lohn und Gehalt als Männer. Nach einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die der DGB in einem Positionspapier zur Entgeltdifferenz bei Männern und Frauen veröffentlicht hat, verzeichnen unter den 17 OECD-Ländern nur Japan und Korea einen größeren Lohnabstand zwischen den Geschlechtern.
Wer was verdient
| frauenspezifischeBranchen | unterste LohngruppeMonatslohn in Euro | männerspezifische Branchen | unterste LohngruppeMonatslohn in Euro |
| Arzthelferin | 1309 | Bäcker | 1839 |
| Bäckereiverkäuferin | 1395 | Dachdecker | 1689 |
| Florist/in | 1004 | Holz- und Kunststoffind. | 1823 |
| Friseur/in | 793 | Maler- und Lackierer | 1422 |
| Hotel-/Gaststätten | 1275 | Metallindustrie Bayern | 1653 |
(Quelle: Wirtschafts- und Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung. Angenommen wurde die unterste Arbeiter-, bzw. Angestelltenlohngruppe der aufgeführten Tarifverträge. Teilweise sind es länderspezifische Verträge, die nicht in jedem Fall für Bayern Gültigkeit haben)
Der EU-Kommissar forderte die Arbeitgeber auf, das Prinzip „gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit“ auch wirklich anzuwenden und qualifizierten Frauen den Zugang zu Führungspositionen zu ermöglichen. Laut Spidla haben Frauen in der EU im Durchschnitt eine bessere Ausbildung als Männer. Auch die Mehrzahl von Universitätsabschlüssen werden von Frauen gemacht.
Als Ursache für die Benachteiligung sieht der EU-Kommissar die hohe Teilzeitarbeits-Quote bei Frauen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund nennt weitere Ursachen. Claudia Falk, Sprecherin des DGB-Bundesvorstands, zur tz: „Es beginnt bei der Berufswahl. Mädchen wählen immer noch überwiegend schlechter bezahlte, sogenannte Frauenberufe. Dabei werden Ausbildungen unterschiedlich bewertet. Obwohl etwa eine Einzelhandelskauffrau ebenso lange Ausbildungszeiten hat wie ein Facharbeiter in der Industrie, fällt ihr Lohn in der Regel deutlich geringer aus.“
Ein tz-Vergleich der Lohnabschlüsse im Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung belegt dies - siehe Tabelle. So verdient beispielsweise auch ein Maler deutlich mehr als eine Floristin.
Der DGB nennt aber noch weitere Ursachen. Claudia Falk: „Frauen haben Nachteile durch Kindererziehung. Häufig fällt der Wiedereinstieg ins Berufsleben schwer. Für gleiche oder vergleichbare Tätigkeiten werden Frauen häufig schlechter eingruppiert als Männer.“ Eine Erfahrung, die Hans Sterr, Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in Bayern, nur teilen kann. Sterr zur tz: „Das passiert auch in Bayern immer noch relativ oft. Da wird exakt dieselbe Tätigkeit anders benannt und schlechter bezahlt.“
K.H. Dix
Quelle: tz

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