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Vom Spaßgas zum Schlager

Vom Spaßgas zum Schlager

Schulterpolster, rote Sakkos, Vokuhila, Alu-Koffer mit Nena-Aufkleber. Das waren die jungen 80er, für die man sich trotz allem nicht schämen muss.

Markus und sein Hit "Ich will Spaß" - der Song gilt als einer der wichtigsten der Neuen Deutschen Welle.

© dpa

Markus und sein Hit "Ich will Spaß" - der Song gilt als einer der wichtigsten der Neuen Deutschen Welle.

Dazu gehört unbedingt die Neue Deutsche Welle. Doch was machen die Stars von damals eigentlich heute? Wir blicken zurück und in die Gegenwart und sagen Ihnen, wie es den Stars heute geht. Viel Spaß!

Sehen Sie das Video:

"Ich will Spaß" bei youtube

Man kann darüber streiten, ob die bahnbrechendste, allumfassende Zeile der Neuen Deutschen Welle (NDW) "Da Da Da" ist oder "Ich will Spaß".

Für Markus, bürgerlich: Markus Mörl, ist das sicher: „Ich will Spaß – auch wenn es viele andere Hits auch verdient hätten. Das bringt das Lebensgefühl der Zeit, dieses Alles-ist-möglich-Feeling, am besten auf den Punkt. So etwas von der Haltung wünsche ich mir auch für heute. Dass man sein Schicksal selbst in die Hand nimmt und nicht jammert.“

Grund zum Jammern, sagt Markus, hat er nie gehabt. Auch nicht, als er noch keine Familie und einen (mittlerweile) neunjährigen Sohn hatte („Die Zeit, wo sich die eigenen Kinder fremdschämen für die Eltern, kommt ja erst noch“). Jammern also nein, obwohl der einstige NDW-Star mittlerweile Schlager singt. „Heute ist die Musik ja ganz anders, ich würde sagen: verinnerlichter. Ich + Ich oder Naidoo singen über Empfindlichkeiten, auch über Philosophie oder Religion.“ Die NDW, meint Markus, war insofern revolutionär, als erstmals deutsche Texte mit echter Popmusik verbunden worden sind. „Das darf sich die Welle an die Brust heften: ungewöhnliche Texte mit ungewöhnlicher Musik verbunden zu haben. Irgendeiner musste ja damit anfangen. Das ist so wie bei einer Polonaise oder wie beim Sex.“

Was war nach dem Wellenhoch – ging es in ein tiefes Tal der Tränen? Ganz so schlimm, meint Markus, sei es nicht gewesen. „Ich habe ja erst mal mit einer englischsprachigen Band weitergemacht, TXT, mit der wir auch einen Hit hatten (Girl’s Got A Brandnew Toy, d. Red.). Musik habe ich immer gemacht, aber schon auch mal bei einer Zeitung gearbeitet.“

Da hat er allerdings nichts mit Musik am Hut gehabt: „Die Zeitung hieß – oder heißt immer noch – Sesselwechsel. Ich habe darüber geschrieben, welche kleineren und mittleren Manager wohin gewechselt haben.“ Da war er bis zum „Ende der New-Economy-Blase“ tätig, bis 2001. Wie er da hin kam? Über einen Professor, „der war ungefähr so alt wie ich. Ich hatte mich in der Zeit, als ich Mitte der 90er Personalwirtschaft und Marketing studiert hatte, mit ihm angefreundet. Der verschaffte mir den Job.“

Zwischen 2000 und 2008 erschien kein Album. Doch dann ging es wieder los – mit zwei Singles, Wir wollten niemals auseinander gehen und Alles kommt wie es kommt, hat sich Markus zumindest in den Schlagersendungen der einschlägigen Hörfunksender zurückgemeldet. „Ich finde es süß, dass die meine Lieder spielen, und bin auch sehr dankbar.“ Derzeit läuft ja die Gib Gas – Ich will Spaß-Tournee, aber auch sonst, sagt Markus, hat er so um die 40 Auftritte im Jahr. Der Aufschwung, meint Markus, kam mit der Wende. „Vor allem im Osten strömte das Publikum, die hatten Nachholbedarf.“

Das Publikum hat sich dabei schon verändert, was ja angesichts des „neuen“ Markus nicht weiter verwunderlich ist: „Nun gut, ein paar jüngere sind schon dabei, die werden anscheinend von ihren Eltern mitgenommen.“ Ansonsten fragt er sich schon, ob die Zeit nicht ein wenig stehengeblieben ist. „Früher sahen wir ja schon cool aus mit diesen Vokuhila-Frisuren, den Schulterpolstern, den Lederjacken. Heute denke ich mir bei Auftritten manchmal: Die tragen die Sachen von früher ja immer noch.“

Hat Markus eigentlich noch Kontakt mit Nena, seiner Taschenlampen- und Filmpartnerin? „Kaum. Wir telefonieren manchmal, und ab und zu schreibt sie eine Weihnachtskarte. Sie ist ein Naturwunder – sehr spontan, emotional. Sie bringt das 1:1 auf der Bühne rüber, das ist faszinierend.“

Songtext Ich will Spaß

Mein Maserati fährt 210,

schwupp, die Polizei hat’s nicht geseh’n,

das macht Spaß. Ich geb Gas, ich geb Gas.

Will nicht sparen, nicht vernünftig sein,

kommt nur das gute Super rein,

ich mach Spaß, ich geb Gas, ich geb Gas.

Ich will Spaß, ich will Spaß, ich will Spaß, ich will Spaß,

ich geb Gas, ich geb Gas, ich will Spaß, ich will Spaß.

Ich schub’s die Enten aus dem Verkehr,

ich jag’ die Opels vor mir her,

ich mach Spaß. Ich mach Spaß, ich mach Spaß.

Und kost’s Benzin auch 3 Mark 10,

scheißegal, es wird schon gehen,

ich will fahrn, ich will fahrn, ich will fahrn.

Ich will Spaß, ich will Spaß, ich will Spaß, ich will Spaß,

ich geb Gas, ich geb Gas, ich will Spaß, ich will Spaß.

Deutschland, Deutschland, spürst du mich?

Heut’ Nacht komm ich über dich,

das macht Spaß. Das macht Spaß, das macht Spaß.

Der Tankwart ist mein bester Freund,

hui, wenn ich komm, wie der sich freut!

Er braucht Spaß, er hat Spaß, er hat Spaß.

Wir wolln Spaß, wollen Spaß, wir wolln Spaß, wollen Spaß,

wir geb’n Gas, geben Gas, wir wolln Spaß, wollen Spaß.

Ich will Spaß, ich will Spaß, ich will Spaß, ich will Spaß.

Ich will fahrn, ich will fahrn, ich will fahrn, ich will fahrn.

Ich mach Spaß, ich mach Spaß, ich geb Gas, ich geb Gas,

ich will fahr’n, ich will fahr’n, ich geb Gas, ich geb Gas.

Ich mach Spaß, ich mach Spaß …

Quelle: tz

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