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Mächtig Gas gegeben - Linkin Park in Riem

Mächtig Gas gegeben - Linkin Park in Riem

Die sechs Jungs von Linkin Park saßen vermutlich noch in klimatisierten Hotelzimmern, als ihren Fans im Reitstadion allgemein und besonders auf der Tribüne der Schweiß bereits in nicht endenwollenden Rinnsalen den Rücken hinablief.

Shouter Chester Bennington

© dpa

Shouter Chester Bennington

Dazu bedurfte es bei 30 Grad im Schatten keinerlei Bewegung zu nur einer der vier Vorbands beim „Projekt Revolution“ überschriebenen Konzert der Hohepriester des Nu-Metall genannten Crossovers aus Rock und HipHop. Die Sonne brannte, Sanitäter gaben Wasser und Kopfschmerztabletten umsonst aus. Klug, wer an Sonnencreme und eine Kopfbedeckung gedacht hatte.

So nahm es sich fast wie ein Akt der Nächstenliebe aus, dass Sänger Bert McCracken, dessen Band The Used nach Blackout als zweite spielte, Getränke ins Publikum spuckte. Gleichwohl kultivierter, weil auch frei von (gewiss liebevoll gemeinten) Zuhörerbeschimpfungen ging es anschließend bei N.E.R.D. zu. Das Funk-Rock-Projekt des R&B-Produzenten-Duos Pharrell Williams und Chad Hugo hinterließ eine feine Stimmung, die die finnischen Dark-Rocker HIM um Frontmann Ville Valo (kettenrauchend, mit Wollmütze!) trotz eines durchaus druckvollen Auftritts aber nicht halten konnten. Selbst ihr Tophit „Join Me“ zündete nur mühsam im schon recht prall gefüllten Halbrund.

Keine Mühen, sofort zu begeistern, hatten dann freilich die Headliner. Schon zum Opener „One Step Closer“ reckten sich dem gut gelaunten Frontmann Mike Shinoda die Hände entgegen. Weniger scharfkantig als auf ihren Platten kommen Linkin Park an diesem Abend daher, wirkt „Something I Belong“ gar etwas kraftlos. Doch zum Marschrhythmus der Bush-Anklage „No More Sorrows“ blitzt das Licht auf wie Artillerieeinschläge, gibt Shouter Chester Bennington nicht allein bei „Given Up“ alles, was Körper wie Stimme hergeben.

Als die Sonne über der Stadt unterzugehen beginnt, wird es kurz ruhiger. Die aktuelle Single „Leave Out All The Rest“ gerät zwar ein Stück zu massig, dafür entschädigt ein erstaunlich sanftes „Numb“ mit herrlichem E-Piano-Epilog, ehe die Amerikaner wieder mächtig Gas geben.

Zur Zugabe kredenzen Shinoda (allein am Keyboard) und Bennington schließlich ein aufs halbe Tempo reduziertes, intensives „Pushing Me Away“ – als echtes Heilmittel gegen jeden Sonnenbrand.

Quelle: tz

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