Lisa Loch: "Ich ging durch die Hölle"

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907.03.09|Stars|42 Kommentare
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Wenn Stefan Raab nächste Woche in TV total den zehnjährigen Geburtstag seiner Pro7-Show feiert, dann wird eine junge Frau sicherlich nicht vor dem Fernseher sitzen und gratulieren: Lisa Loch.

So sieht Lisa Loch heute aus, acht Jahre, nachdem Stefan Raab sie übelst verhöhnte. Es geht ihr wieder gut, eine Therapie hat ihr aus der Krise geholfen.

© Privat

So sieht Lisa Loch heute aus, acht Jahre, nachdem Stefan Raab sie übelst verhöhnte. Es geht ihr wieder gut, eine Therapie hat ihr aus der Krise geholfen.

Die heute 23-Jährige hat unter Stefan Raab und den unerträglich anzüglichen „Witzen“, die er über ihren Namen gemacht hat, so gelitten, wie sie es nicht ihrem ärgsten Feind wünschen würde. „Wenn ich an das Jahr 2001 denke und an die Monate danach, dann ist das für mich immer noch wahnsinnig schlimm“, sagt Lisa im Gespräch mit der tz. Es ist das erste Mal, dass sie sich in einer Zeitung äußert und erzählt, wie es ihr heute geht.

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Rückblende: Vor acht Jahren, da hatte sich Lisa Loch, ein schönes, blondes 16-jähriges Mädchen aus Nordrhein-Westfalen, bei einer Miss-Wahl in ihrer Heimat beworben. RTL drehte für das Magazin Explosiv einen Beitrag über den Schönheitswettbewerb und filmte auch Lisa. „Hallo, ich heiße Lisa Loch und bin 16 Jahre alt“, sagte sie in die RTL-Kamera. Mehr nicht.

Dieser Ausschnitt landete bei TV total. Das ist ja das Prinzip der Pro7-Sendung. Stefan Raab zeigt Ausschnitte aus verschiedensten Sendungen und amüsiert sich drüber. So auch über Lisa. In vier Sendungen in Folge machte Raab versaute Witze über ihren Namen – Lisa Loch.

Ob Raab damals bewusst war, was er mit seinen Sprüchen anrichten würde, ist schwer zu sagen. Für Lisa Loch war es nichts weniger als die Hölle.

„Der Weg zur Schule war am Anfang das Schlimmste“, erinnert sie sich. Einige Mitschüler hatten TV total gesehen und die, die es nicht selbst gesehen hatten, wussten binnen kürzester Zeit natürlich Bescheid. So etwas spricht sich rum. Und – pubertierende Teenager können böse sein – Lisa hörte die Raabschen Witze Hunderte Male im Schulbus. Ein paar Freundinnen standen ihr zur Seite. Von den meisten wurde sie aber gehänselt, jeden Tag aufs Neue. Über Wochen war sie das Gesprächsthema.

Zeitungen riefen bei ihr an und wollten Interviews. In Fernsehsendungen sollte sie erzählen, wie es ihr geht und wie es sich so lebt, wenn man Lisa Loch heißt. „Dabei hat sich vor Stefan Raab niemand über meinen Namen lustig gemacht“, sagt sie heute. „Raab war der Erste.“ Sie bekam anonyme Anrufe. Obszöne Post.

Wenn Lisa in die Apotheke ging, um ein Rezept einzulösen, merkte sie, wie die Damen am anderen Ende des Tresens auf ihren Namen reagierten, viele Male wurde sie auf Raabs Beleidigungen angesprochen. Dasselbe, wenn sie beim Shoppen mit EC-Karte bezahlte. „Ich habe immer gemerkt, dass die Leute komisch geschaut haben. Das war einfach nur schrecklich.“

Sie litt, war nah dran an einer Depression und machte schließlich eine Psychotherapie. „Die Therapie hat mir geholfen, besser mit dem Thema umzugehen. Ich musste den Kopf einfach wieder freikriegen. Es war hart, aber am Ende habe ich es geschafft.“

Eine Entschuldigung von Stefan Raab hat sie bis heute nicht bekommen. Dafür aber Geld. Lisa klagte und bekam in zweiter Instanz 70 000 Euro Schadenersatz. Wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte. Es war das erste Mal, dass einer der Öffentlichkeit unbekannten Person eine so hohe Summe zugesprochen wurde.

Heute, acht Jahre danach, geht es Lisa Loch gut. Sie hat einen Freund, studiert BWL an der Uni in Essen. In zwei Semestern will sie fertig sein. „Danach würde ich gerne noch ein bisschen als Model arbeiten“, sagt sie und fügt lachend hinzu: „Solange es noch geht …“ Und dann? Marketing macht ihr Spaß. Wenn es in diesem Bereich etwas gäbe, wäre sie glücklich.

Ab und zu wird sie von Universitäten eingeladen, um ihre Geschichte zu erzählen. Ihr „Fall“ wird in juristischen, soziologischen und medienethischen Fachbüchern behandelt. Lisa selbst schreibt gerade auch ein Buch über das, was sie erlebt hat. Wenn es gut läuft, ist es im Sommer fertig. „Das Schreiben hilft mir, die Geschehnisse zu verarbeiten.“

Gibt es irgendetwas Positives, das sie der Geschichte abgewinnen kann? „Sie hat mich stärker gemacht“, sagt Lisa. „Aber wenn ich die Wahl hätte – nie im Leben wollte ich das noch einmal durchmachen.“ Das Geld, was sie bekommen hat, liegt übrigens immer noch auf ihrem Konto. Was sie damit machen wird, weiß sie noch nicht. „In jedem Fall wird es etwas ganz Besonderes sein.“

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Quelle: tz

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