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Heidenreich: Unser Fernsehen ist arm, verblödet, lächerlich

Elke Heidenreich unterstützt Reich-Ranicki – und schämt sich fürs ZDF

Heidenreich: Unser Fernsehen ist arm, verblödet, lächerlich

Hamburg/Frankfurt/Main - Ja, er hat es ernst gemeint. Nach seiner Wutrede bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises hat Marcel Reich-Ranicki seine Kritik noch einmal untermauert

Marcel Reich-Ranicki hatte den Preis für sein Lebenswerk abgelehnt.

© dpa

Marcel Reich-Ranicki hatte den Preis für sein Lebenswerk abgelehnt.

„Der Preis war eine Beleidigung“, sagte der 88-Jährige, der die Annahme des Stifterpreises verweigert hatte, gestern auf Radio Bayern 3. „Da waren lauter miserable Sachen preisgekrönt. Da gehörte ich nicht hin.“

Der Deutsche Fernsehpreis - Über diese Verleihung lästerte Reich-Ranicki

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Rückendeckung bekommt Reich-Ranicki nun von seiner Literatur-Kollegin Elke Heidenreich (65): „Ich dachte, was für eine Zumutung diese armselige, grottendumme Veranstaltung für ihn sein muss“, sagt die Moderatorin des ZDF-Literaturmagazins Lesen. Und dann schießt Heidenreich volles Rohr gegen ihren eigenen Sender:

„Wo waren die Programmdirektoren und Intendanten in diesem Augenblick, warum kam keiner von ihnen auf die Bühne, um etwas zu sagen?“, poltert Elke Heidenreich in ihrem Beitrag für die FAZ. „Weil es verknöcherte Bürokarrieristen sind, die das Spontane längst verlernt haben, das Menschliche auch, Kultur schon sowieso.“ Gnadenlos auch die Abrechnung mit ihrem Senderkollegen Thomas Gottschalk, der die Preisverleihung moderiert hatte: Dieser sei „routiniert und ohne einen Funken von Witz oder Geist“ aufgetreten.

Elke Heidenreich schlägt sich auf Reich-Ranickis Seite.© dpaElke Heidenreich schlägt sich auf Reich-Ranickis Seite.

Sie schäme sich, „in so einem Sender überhaupt noch zu arbeiten“, provoziert Heidenreich. „Von mir aus schmeißt mich jetzt raus, ich bin des Kampfes eh müde.“ In diesem Jahr wird die Autorin und Kabarettistin noch drei Ausgaben von Lesen moderieren, die nächste am 31. Oktober mit Campino, dem Sänger der Toten Hosen. Derzeit verhandelt das ZDF mit Heidenreich über weitere Folgen fürs nächste Jahr. ZDF-Sprecher Thomas ­Hagedorn meinte gestern vielsagend zur tz: „Wir haben die Kritik zur Kenntnis genommen.“ Die von Heidenreich angesprochenen Themen würden nun in die Gespräche mit einfließen …

Heidenreichs Rundumschlag aus Anlass der Fernsehpreis-Verleihung trifft nicht nur das ZDF, sondern die gesamte deutsche TV-Landschaft: „Wie jämmerlich die dargebotenen Produkte und Arbeiten in der Mehrzahl waren, wie jämmerlich unser Fernsehen ist, wie arm, wie verblödet, wie kulturlos, wie lächerlich.“

Bleibt die Frage: Wo landete Reich-Ranickis Fernsehpreis-Trophäe, die er bei der Verleihung nicht anfassen wollte. Den Plexiglas-Obelisken verwahrt nun die ­TV-Produzentin Katharina Trebitsch, die während der Gala neben Reich-Ranicki gesessen war und die für die Verfilmung seiner Lebensgeschichte verantwortlich zeichnet. Wo Trebitsch die Trophäe nun aufbewahrt, darüber mutmaßte Reich-Ranicki gestern voller Spott: „Das weiß ich nicht. Vielleicht auf ihrem Klo.“

IW.

Quelle: tz

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