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„Er gibt der Rolle eine Seele“

Der Enkel von John Rabe macht Schauspieler Ulrich Tukur ein großes Kompliment

„Er gibt der Rolle eine Seele“

Berlin - Was für ein Triumph für Oscar-Preisträger Florian Gallenberger: Dauer-Jubel für seinen neuen Film John Rabe bei der Weltpremiere auf der Berlinale am Samstagabend!

John-Rabe-Regisseur und Oscar-Preisträger Florian Gallenberger (li.) mit Daniel Brühl.

© Babirad

John-Rabe-Regisseur und Oscar-Preisträger Florian Gallenberger (li.) mit Daniel Brühl.

Von 1800 Menschen im größten Kino der Stadt, nachdem in diesem Jahr zum ersten Mal der legendäre Friedrichstadtpalast zum Lichtspieltheater umfunktioniert wurde. Was für ein Triumph! Nach monatelangen Dreharbeiten in China, die von so vielen schlechten Umständen begleitet waren, dass die Vollendung des Films bisweilen auf der Kippe stand, hätte nicht Produzent Jan Mojito immer wieder Geld nachgelegt – zuletzt kamen 17 Millionen Euro an Kosten zusammen. Schneechaos, undurchdringbare Bürokratie-Dschungel, dauernde Drehverzögerungen – es war ein Bangen und Hoffen, für jeden der Beteiligten ein Grenzgang, physisch wie psychisch.

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John Rabe – das ist großes Ausstattungskino, und es ist die Geschichte des „guten Deutschen von Nanking“, Chinas „Schindler“, der 250 000 Menschen vor dem japanischen Massaker 1937/38 in der damaligen Hauptstadt Nanking gerettet hatte. John Rabe, das war der Siemens-Statthalter von Nanking, der das Hitler-Regime aus der Ferne kannte – und ja, verehrte – und nach seiner Rückkehr in die Heimat kurzzeitig von der Gestapo verhaftet wurde, weil er öffentlich auf die Gräueltaten der japanischen Verbündeten aufmerksam gemacht hatte.

In Deutschland vergessen, wird John Rabe in China immer noch als großer Held verehrt. Erst als Erwin Wickert – der Vater von Nachrichtenmoderator ­Ulrich Wickert – die Tagebücher John Rabes 1996 herausgegeben hatte, begann John Rabe, der 1950 verarmt in Berlin gestorben war, wieder ins Bewusstsein zu rücken, und Filmproduzent Mischa Hofmann entdeckte ihn als Filmstoff. Florian Gallenberger sollte das Drehbuch schreiben und Regie führen – übrigens mit der Assistenz von David Dietl (Sohn von Helmut Dietl).

Die Besetzung ist ein Traum: Ulrich Tukur als John Rabe, Dagmar Manzel als dessen Frau, Daniel Brühl als Diplomat jüdischer Herkunft, Hollywoodstar Steve Buscemi (The Big Lebowski) als verbitterter Arzt und die französische Schauspielerin Anne Consigny als Internatsleiterin. Ihnen gelingt es, in Nanking eine Sicherheitszone aufzubauen und so tausende Menschen zu retten. Trotzdem werden 300 000 Opfer des Massakers, tausende Mädchen und Frauen systematisch vergewaltigt. Der Film zeigt die Brutalität, vor allem aber John Rabes Wandlung vom pflichtbewussten und herrschaftlichen Werksleiter zum Menschenfreund. Eine Meisterleistung von Ulrich Tukur. „Ich wollte keinen Helden spielen“, erzählt er bei der mitternächtlichen Premierenfeier in der Bar Tausend der tz, „ich wollte einen Durchschnittsbürger der damaligen Zeit darstellen, er war ja auch ein typisches Kind seiner Zeit: Er war ziemlich autoritär drauf, aber in dem Moment, wo der Terror losging, hat er was getan, was ungewöhnlich war, was die meisten nicht getan hätten: Er setzte sich unter Lebensgefahr für seine Mitarbeiter und Mitmenschen ein.“

Auch Ulrich Tukur hatte nie zuvor von John Rabe gehört. „Man hat den ja auch ganz gerne vergessen. Es passte nicht ins Bild, dass ein Unterstützer des Regimes auch Gutes tun konnte.“ Und es sollte ja auch nie der Eindruck entstehen, es habe gute Nazis gegeben – das war Florian Gallenberger besonders wichtig. Nein, es geht ausschließlich um diese eine Tat, so viele Menschen vor dem sicheren Tod gerettet zu haben.

Wie das gelungen ist? Der Enkel John Rabes, Prof. Dr. Thomas Rabe, Frauenheilkundler in Heidelberg, sagt: „Sehr! Der Film ist hervorragend, und die Figur wird vom Aussehen und von der Seele her perfekt von Ulrich Tukur getragen. Mein Großvater sah wirklich so aus.“

Rabe kennt Rabe nur von Bildern, er starb ein Jahr vor der Geburt des Enkels, doch über die Erzählungen seines Vaters weiß Thomas Rabe, dass John sehr traurig gestorben ist, und nach 27 Jahren in Nanking am Ende in Berlin feststellen musste: „Da kann man das Heimweh verlernen.“ Geblieben sind in der Familie die Erinnerungen, die Tagebücher und die Liebe zu Asien, weshalb auch Thomas Rabe dort 20 Jahre lang als Entwicklungshelfer gearbeitet hat.

Sein Vater hat das Massaker als Jugendlicher übrigens nicht miterlebt: Die Eltern schickten ihn mit 14 Jahren ins oberbayerische Internat Schloss Neubeuern. Aber auch er hat später die Geschichte vom „guten Deutschen in Nanking“ weitergetragen. Und jetzt tut es Florian Gallenberger – ab 2. April im Kino!

Ulrike Schmidt

Quelle: tz

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