615.06.09|Stars|3 Kommentare
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München - Es muss nicht immer DSDS sein. Ganz im Gegenteil. Münchens neue Pop-Hoffnung Ania Jools beweist: Die klassische Musik-Karriere funktioniert auch im Bohlen-Medlock-Plastikpop-Zeitalter noch.

© Sony
22 Jahre jung und in der Eisdiele entdeckt. Ania Jools wird ihre Karriere machen, und das ohne DSDS-Kurzlebigkeit.
Denn entdeckt wurde die 22-Jährige aus Perlach, deren Debüt-Album Bilder von mir am Freitag erscheint, nicht im Fernsehen – sondern in der Eisdiele in der Münchner Innenstadt, in der sie bis heute jobbt. Genauer gesagt: Produzent Gunnar Graewert, der Mann hinter den Erfolgen von Claudia Koreck (Fliang), sah einen Auftritt von Ania mit ihrer Coverband, war begeistert – und traf sie zwei Wochen später zufällig in ihrer Eisdiele wieder.
Die Entschuldige, i kenn di-Begegnung führte jetzt, vier Jahre danach, zu einem sorgfältig geplanten Debütalbum und, vielleicht, zu einer langfristigen Karriere, von der die Synthetik-Superstars von RTL nur träumen können. „Es hat lange gedauert bis zur ersten CD“, meint die Blondine im Gespräch mit der tz – „aber es ist schön, dass es auch langsamer gehen kann und darf. Ich muss ja auch nicht morgen schon bei „Wetten dass..?‘ auf der Bühne stehen.“
Erster großer Schritt ist das Album voller Soul, Pop und Blues, an dem Ania (ihr echter Vorname) Jools (sprich „Dschuls“, Künstlername) und Graewert gut zwei Jahre gewerkelt haben – und nicht zwei Monate, wie im DSDS-Universum üblich. Involviert waren Cracks der bayerischen Musikszene wie Gitarrist Titus Vollmer, Bananafishbones-Drummer Florian Rein oder die Band von Claudia Koreck, die selbst auch zwei Texte beigesteuert hat. Ein Song stammt vom gefeierten Louisan- und Cicero-Autor Frank Ramond. Nach dem Abi vor drei Jahren konzentrierte sich Ania Jools (neben dem Eisverkaufen) ganz auf die Musik.
Sie arbeitete für Graewert als Studiosängerin bei Projekten von Claudia Koreck, den Fishbones, und sang gar ein Duett mit Mario Adorf, für den Soundtrack des Films Es ist ein Elch entsprungen. Ihr erstes Album beschreibt sie als „Mischung aus rot, grün, blau, gelb, aus allen möglichen musikalischen Farben“ – passend zu ihren Vorbildern von Soul bis Blues, von Gladys Night und Stevie Wonder bis John Mayall. Schade eigentlich, dass sie keinen der zwölf Texte selbst geschrieben hat. Die Mehrzahl stammt von Graewert – doch die Münchnerin versichert, dass auf der Platte trotzdem „meine Gedanken“ zu hören sind. „Ich muss Gunnar nur eine halbe Stunde lang erzählen, was mir gerade passiert ist. Und er macht dann einen Text daraus, der genau meine Gefühle ausdrückt. Gunnar hat es geschrieben – aber es sind trotzdem meine Geschichten, mein Leben, meine Bilder. Sonst könnte ich es nicht so überzeugend singen.“ Und das tut Ania Jools ohne jede Frage.
Jörg Heinrich

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