New York/Paris - Ein Artikel in der aktuellen "New York Review of Books" versetzt derzeit Frankreichs Elite in Aufregung. Denn sie deuten auf eine filmreife politische Verschwörung hin.

© dpa
Das New Yorker Zimmermädchen Nafi Diallo
Die Spekulationen, die der US-Journalist Edward Jay Epstein darin über die Sexaffäre von Dominique Strauss-Kahn (DSK) anstellt, legen eine politische Verschwörung auf höchster Ebene nahe: Wurde der 62-jährige Ex-IWF-Direktor von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy in eine Falle gelockt, um ihn als politischen Gegner auszuschalten? Immerhin galt Strauss-Kahn vor dem Skandal um das New Yorker Zimmermädchen Nafi Diallo als aussichtsreichster Präsidentschaftskandidat der Sozialisten für die Wahl 2012. In Umfragen lag DSK sogar vor Sarkozy.
Epstein rekonstruierte den verhängnisvollen 14. Mai 2011 in Suite 2806 des Hotel Sofitel und stieß bei seinen Recherchen auf zahlreiche Ungereimtheiten:
Die Eindringlinge: Die Auswertung des Türchipkarten-Protokolls ergab, dass Minuten vor dem angeblichen Sexüberfall mehrere Menschen in Strauss-Kahns Suite ein- und ausgingen, während DSK unter der Dusche stand. Eine der benutzten Chipkarten gehörte Diallo! Eine weitere konnte einem Angestellten zugeordnet werden, der sich zu seinem Aufenthalt in der Suite aber nie äußerte.
Der unbekannte Dritte: Um 12.06 Uhr betrat Dienstmädchen Diallo das Hotelzimmer von Strauss-Kahn, um 12.13 Uhr verabredete sich der aber bereits wieder per Handy mit seiner Tochter zum Essen. Sechs Minuten für eine zweifache Vergewaltigung? Nach dem vermeintlichen Überfall ging die 32-Jährige mehrmals in das Hotelzimmer nebenan. Entgegen ihren Angaben war Suite 2820 aber nicht unbewohnt. Welcher Gast sich dort aufhielt, will das Hotel nicht preisgeben. Auf Überwachungsvideos ist mehrmals ein Unbekannter neben Diallo zu sehen. Auf einer Einstellung klatscht sich der Mann mit einem Wachmann ab und führt ein Jubeltänzchen auf.
Das Sicherheitspersonal: Mysteriös ist auch die Tatsache, dass Sofitel-Sicherheitsdirektor John Sheehan erst nach zwei Stunden die Polizei informierte. Davor rief Sheehan seinen Vorgesetzten René-Georges Querry an – der saß zu diesem Zeitpunkt neben Präsident Sarkozy bei einem Fußballspiel! Zufall? Oder wollte Sarkozy mit der Intrige Strauss-Kahn aus dem Weg räumen? Gelungen ist dieses Vorhaben, sofern es denn bestand, nicht: Im August wurde die Anklage gegen Strauss-Kahn aus Mangel an Beweisen fallengelassen. Für Sarkozy dagegen könnte der Schuss am Ende nach hinten losgehen.
ISP



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