München - Die Fotos auf dem Richtertisch zeigen erschreckende Szenen: Eine nackte und offensichtlich betäubte Frau wird von zwei Männern vergewaltigt – teilweise gleichzeitig.

© ebu
Peter M. (v.l.), Robert F. und Ignatz Ö.
Die Verbrecher vergehen sich an dem hilflosen Opfer auf perverse Weise. „Sie wirkt wie ein Puppe“, konstatiert Richter Norbert Riedmann und fragt die drei Angeklagten entsetzt: „Hat sie noch gelebt?“
Zwei Angeklagte sind auf den Fotos eindeutig als die Sex-Verbrecher zu erkennen: Robert F. (29) und Ignatz Ö. (29), schweigen. Peter M. (27), der Dritte im Bunde, der die Szenen mit dem Handy fotografiert hat, redet vor der 2. Strafkammer des Landgerichts zwar, aber bleibt bei vielen Fragen unkonkret. Er eiert herum.
Das Verbrechen kam erst im Zug anderer Ermittlungen gegen das Trio, unter anderem wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, ans Tageslicht. Dabei fiel den Ermittlern das Handy mit den Vergewaltigungs-Szenen in die Hände. Der gelernte Autoglaser Peter M. packte bei den polizeilichen Vernehmungen aus. Er belastet seine Freunde schwer. In einem Punkt kam die Polizei nie weiter: „Liserl“ kennt man bis heute nicht. Vor Gericht bekam Peter M. das Muffensausen. Er behauptete zunächst, die Frau habe freiwillig Drogen konsumiert, sie habe sich ausgezogen, sie habe freiwillig beim Sex mitgemacht. Eine Lüge, wie sich herausstellte. Denn auf einigen Fotos, auf dem ein bereits bewusstloses Opfer zu sehen ist, hat „Liserl“ noch die Kleidung an. Richter Riedmann: „Ich habe den Eindruck, Sie haben Hemmungen in Gegenwart der beiden Angeklagten.“ Dann bestätigt Peter E. seine Aussagen bei der Polizei: „Stimmt schon so.“ Der Vergewaltigungs-Prozess ohne Opfer geht weiter. Eine Frage bleibt vermutlich ungeklärt: Ist Liserl noch am Leben?
Eberhard Unfried
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