"Ach Du liebe Güte“ – das hätte Vermieterin Elisabeth Holzer (81) ja nie gedacht. Der nette Helg Sgarbi – ein so gemeiner Mensch?

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Sie schenkte ihr Herz dem falschen Mann: Susanne Klatten, milliardenschwere BMW-Erbin, büßte hart für ein paar schwache Stunden.
Wer also ist dieser Mann? Wie ist es ihm gelungen, die überaus misstrauische und streng abgeschottete Milliarden-Erbin Susanne Klatten (46) derart in seinen Bann zu schlagen? Dass sie am Ende nur noch ihrem Herzen folgte und alle Vorsicht über Bord warf? Helg Sgarbi (41; den Nachnamen übernahm er von seiner Frau) stammt aus der gut situierten Familie R. in Winterthur. Er hat eine jüngere Schwester, die im Ausland lebt. Sein Vater war Direktor einer Maschinenbau-Firma mit 1100 Angestellten. Die Familie besitzt ein Haus in Davos. Die Eltern reisen viel. Helg studierte Jura, arbeitete als Prokurist bei der Schweizerischen Kreditanstalt Zürich, wurde Offizier in der Schweizer Armee. Immer schon wickelte er die schönsten Mädchen mit links um den kleinen Finger.
2003 jedoch der Bruch: Da fiel der smarte Schweizer erstmals der Polizei auf. Beim Schäferstündchen mit einer Deutschen ließ er heimlich die Kamera mitlaufen und versuchte sie zu erpressen. Das brachte ihm eine Verurteilung wegen Nötigung ein.
Schon damals gehörten Helg Sgarbi und seine Frau zu einem Kreis um den selbsternannten Guru Ernano Barretta (63) – ein „Wunderheiler und „Bote Gottes“, der in den 90er-Jahren junge Züricher Juristen um sich scharte. Sie alle wurden seine Werkzeuge, die er für krumme Geschäfte wie fingierte Spendenaktionen und Erpressungen einspannte. Auch der sehr religiöse Helg Sgarbi – seine Vermieterin glaubte, er sein Zeuge Jehova – war wahrscheinlich solch ein Werkzeug. Jedenfalls landete ein Großteil der 17,5 Millionen von Susanne Klatten und ihrer Freundinnen beim Barretta-Clan.
Fortan lauerte Helg Sgarbi also in den teuersten und schönsten Hotels und Bars Europas auf Opfer: Reiche Frauen mit viel Zeit und noch mehr Geld. Dabei entwickelte er ein geradezu bösartiges Geschick, die jeweilige Seelenverfassung seiner Opfer auszuloten. Susanne Klatten jedenfalls fiel sofort auf den „Melancholie-Trick“ herein.
Der charmante Mann an der Bar nämlich schien ein schweres Problem mit sich herumzutragen, über dass er nicht sprach. „Er vermittelte mir damit, dass wir eine Gemeinsamkeit haben,“ sagte die Milliardärin später bei der Polizei aus. Auch sie schien damals im August 2007 unter Melancholie zu leiden und sich nach einer verwandten Seele zu sehnen. Da war Helg Sgarbi gleich zur Stelle. Schon nach den ersten heimlichen Treffen in wechselnden Hotels entlockte er ihr 7,5 Millionen Euro – angeblich bestimmt für einen Mafiosi, der ihm nach dem Leben trachtete. Und nie merkte Susanne Klatten, dass Barretta im Nebenzimmer alles filmte.
Im Oktober 2007 ließ Helg Sgarbi die Maske fallen, zeigte sein wahres Gesicht. Susanne Klatten beendete die Beziehung sofort. Aber Helg schickte ihr immer neue kompromittierende Fotos und Filme, verlangte 40 Millionen Euro Schweigegeld. Da zeigte sie ihn an.
Am 12. Januar 2008 wurde Sgarbi er in Tirol festgenommen. Barretta floh auf seinen Landsitz. Die italienische Polizei schnitt ein Telefongespräch mit, als er einem Freund berichtete: „Weißt Du, wer sie ist? Die reichste Frau Deutschlands! Sie hat eine enorme Macht! Leibwächter, wenn Du Dich ihr näherst, Adressen, Telefonnummern, Fotos – alles habe ich verbrannt. Ich habe den größten Fehler meines Lebens begangen.“
Der gesamte Barretta-Clan (siehe unten) sitzt seit Juni in Italien in Haft. Sgarbi wartet derzeit in München auf seinen Prozess. Noch in diesem Jahr wird die Münchner Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn erheben.
Kurz nach Sgarbis Festnahme sagte Susanne Klatten dem Staatsanwalt: „Er war nicht der Mann, für den ich ihn hielt.“ Es sind die Worte einer zutiefst gedemütigten Frau.
Ernano Barretta (63) - der Guru
Er drehte die Videos, mit denen Susanne Klatten und ihre Freundinnen erpresst wurden. In den 90er-Jahren köderte er junge Juristen in Zürich mit angeblichen Wundern: „Wenn er heilt, erhält er von Gott die Wundmale Christi. Er zittert und blutet“, berichteten Anhänger. Die Polizei ermittelte, weil er Spenden veruntreute.
Marcello Barretta (32) - der Sohn
Er war der Chauffeur der Erpresserbande. Auf dem Anwesen seiner Familien in den Abruzzen beschlagnahmten die Beamten vier Mercedes, einen Audi Q7, einen Lamborghini Diablo, einen Rolls Royce Silver Shadow und einen Ferrari. Der junge Mann fuhr auch gerne mit seinem teuren AMG-Mercedes bei seinen Verwandten in Pfäffikon vor.
Beatrice Barretta (60) - die Ehefrau
Wuchs in Pfäffikon (Kanton Zürich) auf. Schon als Teenager lernte sie ihren Mann kennen, zog mit dem Sekten-Guru nach Rüti und später nach Italien. Trotzdem blieb das Band zu Pfäffikon stark: Der Erpresser-Clan ließ im Haus von Beatrice Barrettas Mutter die Buchhaltung für seine krummen Geschäfte machen.
Clelia Barretta (35) - die Tochter
Sie führte das noble Landhotel der Familie in Pescosansonesco in den Abruzzen – das äußerst luxuriös ausgestattete „Rifugio Valle Grande“. Die Familie behauptete, dort „Partys für einflussreiche Politiker“ zu geben. Außerdem soll das Hotel auch der Sitz der Sekte von Vater Barretta sein. Das Landhaus sowie alle anderen Immobilien der Gigolo-Bande wurden mittlerweile von der Polizei beschlagnahmt.
Franziska Sgarbi (39) - die Hartnäckige
Als ihr Mann Helg Sgarbi schon in München in U-Haft saß, übernahm sie die Abwicklung der Erpressung. Sie beauftragte ihren Anwalt in der Schweiz, Kontakt zu Susanne Klatten aufzunehmen und ihr klar zu machen, sie „habe sehr viel Material“, das „sehr schaden“ könne.Jetzt sitzt die 39-Jährige auch in U-Haft.
Dorita Plange
Quelle: tz



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