302.12.08|München|6 Kommentare
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Wenn Thomas W. (44) eine Kurzmitteilung auf dem Handy bekommt, antwortet er nicht mehr. Egal, von wem die Nachricht ist.

© Michael Westermann
Thomas W. (44) hat eine MMS geöffnet – jetzt soll er 149 Euro bezahlen
„Ich weiß gar nicht mehr, wem ich noch trauen soll“, sagt der Industriekaufmann. Er ist Opfer besonders dreister SMS-Betrüger und ihrer neuen Masche geworden. Der unbescholtene Mann soll 149 Euro bezahlen – für eine Porno-Flatrate, die er nie bestellt hat!
Als bei Thomas W. vergangene Woche abends das Handy piepst, freut er sich. Er erwartet eine MMS (ähnlich einer SMS, kann auch Videos und Bilder enthalten) seiner Tochter. In der Kurzmitteilung steht: „Sie haben eine Nachricht per MMS erhalten. Um diese abzurufen, antworten Sie mit START an 0162/3623029.“ Thomas W. denkt nicht lange nach, drückt auf Antworten. „Warum hätte ich auch misstrauisch sein sollen? Das war ja eine normale Nummer, keine 0190er-Nummer. Ich dachte, die sei von einem Freund …“
Falsch gedacht: Eine Minute später piepst es erneut. „Willkommen bei der geilen Adult-Flatrate (…) zum Festpreis von 149 Euro (www.sexmsflat.com)“. Der Münchner ist geschockt. Was habe ich denn da bestellt? Das wollte ich nicht! Er schreibt eine SMS zurück: „Storno“. Die einzige Reaktion kommt lediglich von seinem Netzanbieter: „Diese Nummer ist nicht gültig.“
In den darauffolgenden Stunden bekommt Thomas W. immer wieder Kurzmitteilungen der Betrüger: Ob er ein sexy Bildchen wolle? Nein! Thomas W. ist genervt.
Aber es kommt noch schlimmer: Am nächsten Tag erhält der 44-Jährige einen Anruf am Handy. Die Dame sagt, sie sei von einem Berliner Radiosender. Thomas’ Handynummer sei zufällig gezogen worden, er habe gewonnen und bekäme Konzert- oder Musical-Karten. Überrumpelt gibt Thomas W. seine Adresse an.
Als er auflegt, hat er ein komisches Gefühl. Drei Tage später wird das Misstrauen zur Gewissheit: Er erhält einen Brief – eine Rechnung über 149 Euro. Von einem Inkasso-Unternehmen. Thomas W. ahnt übles: Der SMS-Anbieter und die Anruferin stecken unter eine Decke!
Thomas W. hat Recht, sagt Petra von Rhein von der Verbraucherzentrale Bayern. Seit knapp einem Jahr melden sich bei ihr immer mehr Opfer dieser neuesten Generation von SMS-Betrüger-Banden, die oft – wie in diesem Fall – in Osteuropa sitzen. „Die Betrüger handeln in zwei Schritten“, so die Juristin. „Sie können nur etwas für den MMS-Dienst verlangen, wenn sie eine Adresse haben. Deshalb rufen sie unter fadenscheinigen Gründen an, um sie zu bekommen.“ Besonders fies sei, dass die Absender unverdächtige Handynummern haben. „Da kann jeder drauf reinfallen“, so Juristin von Rhein. Weil der Betrag meist bei um die 100 Euro liege und ein Inkasso-Unternehmen schnell einschüchtert, zahlen leider immer noch zu viele Opfer.
Thomas W. schläft noch immer unruhig. Er hat zwar sofort Anzeige wegen Betrugs bei der Polizei erstattet und auch nicht mehr auf die Kurzmitteilungen geantwortet. Aber dass er, wie ihm geraten wurde, nicht gezahlt hat, bereitet ihm Unbehagen: „Am Ende habe ich einen Eintrag bei der Schufa – und alles nur, weil ich auf eine SMS geantwortet habe.“ Juristin Rhein kann den Münchner beruhigen: „Die Schufa darf nur unstrittige Forderungen eintragen – wenn Sie also Einspruch einlegen und Anzeige erstatten, müssten Sie auf der sicheren Seite sein.“ Auch für alle anderen hat die Juristin wertvolle Tipps, um nicht in die Falle zu tappen.
So verhalten Sie sich richtig:
Quelle: tz

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