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Der Viktualienmarkt München: Eine echte Goldgrube

Der Viktualienmarkt: Eine echte Goldgrube

Gute Geschäftsleute – und das sind die Standlverkäufer am Viktualienmarkt – lassen sich normal nicht so leicht in die Kasse schauen. Doch derzeit kursiert eine Liste über eine Standlgebühr.

© Haag

Es rumort im „Bauch der Stadt“: Marktleute wehren sich gegen eine Standlgebühr.

Ein paar Marktkaufleute regen sich nämlich über die Mini-Abgabe an die Stadt auf – und offenbaren dabei ganz nebenbei ihre Maxi-Umsätze! Wir bilanzieren das Millionengeschäft am Markt.

Die besagte Liste kommt unscheinbar daher: Darin stehen die Ausgaben der Stadt für Werbung rund um den Markt – unterm Strich für 2008 rund 100 000 Euro. Davon gingen fast 28 000 Euro an eine Werbeagentur für die 850-Jahr-Feier der Stadt, 8000 Euro kassierte die Gema für die Musik, 4000 Euro kosteten die Toiletten und so weiter. Das Geld holt sich die Stadt bei den Standlleuten. „Wir wehren uns nicht gegen die Gebühr, wir wollten nur wissen, wie das Geld verwendet wird“, sagt Christl Hirschauer, Sprecherin der Marktkaufleute.

München, seine Straßen, ihre Namen

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Diese berappen 0,25 Prozent ihres Umsatzes, so steht es in der Markthallen-Gebührensatzung in Anhang 2, Punkt A – zur „Verbesserung der Attraktivität“ der Märkte. Aus der Liste lässt sich aber noch mehr herauslesen: Wenn 100 000 Euro nämlich 0,25 Prozent des Jahresumsatzes am Viktualienmarkt entsprechen, liegt der Erlös des ganzen Marktes nur einen Dreisatz entfernt. Die 140 Standlhändler nahmen 2008 rund 40 Millionen Euro ein. Kenner bestätigten uns die Berechnung und gehen mittlerweile von noch höheren Einnahmen aus.

So wertvoll ist der Viktualienmarkt!

Und er wird für die Händler immer lukrativer: Einmal hatte die Stadt den Umsatz veröffentlicht, im Februar 2007 anlässlich des 200. Markt-Geburtstags. Da sprach Kommunalreferentin Gabriele Friderich von 33 Millionen Euro. Damit wäre der Umsatz in zwei Jahren um sieben Millionen Euro gestiegen – plus 21 Prozent. Ein Gemüsemarkt als Wirtschaftsturbo!

Die Händler dürften nicht allzu schlecht dastehen: Jeder einzelne hatte im Schnitt rund 286 000 Euro in der Kasse, pro Monat fast 24 000 Euro! Das ist nur der Schnitt: Manch ein Metzger macht eine Million Euro Umsatz im Jahr. Der ein oder andere Gemüsetandler trägt eine halbe Million zur Bank, wie wir von Insidern erfuhren. „Die Warteliste ist lang, wir haben über 40 Dauerbewerber“, heißt es bei den Markthallen München, dem zuständigen Eigenbetrieb der Stadt. Wobei der Umsatz natürlich nicht dem Gewinn entspricht.

Die Händler müssen für Karotten, Blumen und Wein erstmal Geld vorstrecken, Personal und Miete zahlen. Aber auch über die Miete können sich die Geschäftsleute kaum beschweren. Die Standlgebühr orientiert sich nämlich wiederum am Umsatz und am Sortiment. Lebensmittelhändler kommen am günstigsten weg: Laut Satzung zahlen sie je nach Stand zwischen 1,5 und 2,5 Prozent, Blumenverkäufer müssen 4 bis 5 Prozent zusammenkratzen. Für die Standlbetreiber ein sicheres Geschäft: Kommt wenig Geld in die Kasse, fällt wenig Miete oder nur eine Mindestgebühr an – der Stadtsäckel bleibt schmal. Das Nachsehen hat der Steuerzahler.

So viel verdienen Münchens Bosse

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Mal rein theoretisch gerechnet: Der durchschnittliche Gemüsemann berappt heuer für ein gutes Standl im Monat rund 600 Euro – bei einem mittleren Umsatz von 24 000 Euro! Wer noch einen alten Mietvertrag sein Eigen nennt, zahlt viel weniger. „Es gibt Händler, die 15 Euro pro Quadratmeter zahlen – im Jahr!“, sagt ein Kenner der tz. Die Stadt denkt bereits über eine Mieterhöhung nach. „Die Durchschnittsmiete für einen sehr guten Platz in einem festen Häuserl liegt bei 350 Euro, für ein kleines Schirmstanderl sind es 80 Euro im Monat.“ Da dürften ein paar Euro übrig bleiben – trotz der durchschnittlich 60 Euro für die Werbung.

David Costanzo, Simone Herzner

Und so geht’s mit den Markthallen weiter

Die Großmarkthalle bleibt, wo sie ist – im Bauch Münchens. Das entschied der Stadtrat mit großer Mehrheit im Oktober 2009 und gab gleichzeitig einen Businessplan in Auftrag. Diese Studie soll die innere Organisation und das Umfeld des Unternehmens analysieren. Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken offenlegen. Im Februar oder März wird der Stadtrat über die Ergebnisse informiert.

Derzeit befindet sich die Vorlage in der Abstimmung zwischen den beteiligten Referaten und mit der Stadtspitze. Bisher waren zirka 125 Millionen Euro Kosten für Sanierung und/oder Neubau der Hallen im Gespräch, diese Schätzung soll nun etwas konkreter werden. Außerdem steht die Frage zur Debatte, welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge stattfinden sollen. Ewig darf es wegen der statischen Mängel nicht dauern. 300 Händler haben dort Büros, Stände oder Lagerräume gemietet.

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