Spielplatz hinter Gittern

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126.05.09|MünchenFacebook
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München - Klettergerüste, Wickeltische und Kinderlachen hinter dicken Mauern: Im gestern eröffneten Frauentrakt des Gefängnisses Stadelheim können Mütter ihre Strafe absitzen, ohne von ihren Kindern getrennt zu sein.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das große rote Gebäude an der Schwarzenbergstraße nicht von anderen Häusern. Keine hohe Mauer versperrt den Blick und den Weg aus dem neuen Gefängnistrakt. Für eine Mauer wäre auch gar kein Platz gewesen, sagte die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU). Stattdessen müsse nun das Gebäude selbst unüberwindbar sein. Deshalb sind alle Zellen zum Innenhof hin angeordnet. „Die inhaftierten Frauen müssten also vom Innenhof aus über die Fassade auf das Dach und von dort wieder nach unten klettern“, sagte Merk.

Das neue Frauengefängnis in München

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Bis zu 160 straffällig gewordene Frauen und 60 Jugendliche, die einen Arrest absitzen müssen, sollen ab Juni im unüberwindbaren Gebäude einziehen. Wann der Umzug aus dem bisherigen Frauengefängnis Am Neudeck genau stattfindet, ist aus Sicherheitsgründen streng geheim.

Im Innern ist das Gebäude überraschend farbenfroh. Überall gibt es gelbe und orange Wände. Zehn Zellen haben ein kleines abgetrenntes Kinderzimmer und eine eigene Dusche. Hier werden Mütter untergebracht, bei denen das Jugendamt befürwortet, dass sie durch ihre Haftstrafe nicht von ihrem kleinen Kind getrennt werden. Auch einen eigenen Spielplatz auf dem Dach und ein Spielzimmer mit Rutsche gibt es in der Anstalt. Grundsätzlich soll alles getan werden, dass die Kinder sich nicht eingesperrt fühlen.

Bislang gibt es die Mutter-Kind-Zellen in Bayern nur in Aichach. Weil sich die Zahl der inhaftierten Frauen in den vergangenen 17 Jahren verdoppelt hat, werden immer mehr Zellen im Freistaat benötigt. Der neue Trakt in Stadelheim wird rund hundert Insassinnen mehr aufnehmen können als das Frauengefängnis Am Neudeck. Außerdem war die Anstalt in der Au veraltet und baufällig.

Damit der neue Trakt möglichst schnell fertiggestellt werden konnte, wurde er in einer so genannten „Public Privat Partnership“ gebaut – einer Kooperation der öffentlichen Hand und privater Unternehmen. Die Zusammenarbeit wird nun auch nach Fertigstellung des Baus fortgeführt. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern bleibt der Strafvollzug selbst aber komplett in öffentlicher Hand, private Unternehmen werden nur die Hausmeistertätigkeiten übernehmen, so Merk.

Philipp Vetter

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