1022.03.09|München|81 Kommentare
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Tausende Berufspendler im Freistaat können nach der Beilegung des Tarifkonflikts im öffentlichen Nahverkehr Bayerns aufatmen.

© Schlaf
Die Streik-Plakate können wieder eingerollt werden.
Die für diese Woche geplanten Streiks bei U-Bahnen, Bussen und Straßenbahnen in mehreren großen Städten sind abgewendet. Die Gewerkschaft ver.di, die dbb-Tarifunion und der Kommunale Arbeitgeberverband KAV erzielten am Samstag überraschend eine Einigung. Grundlage sei ein kurzfristig vorgelegtes verbessertes Angebot der Arbeitgeberseite gewesen, teilte ver.di mit. “Wir Arbeitgeber hatten auch an die Fahrgäste zu denken“, begründete KAV- Geschäftsführer Armin Augat das Einlenken.
Die Beschäftigten sollen der Einigung zufolge rückwirkend ab Januar eine Erhöhung des Sockelbetrags um 40 Euro und von 1. Mai an 3,1 Prozent mehr Geld erhalten. Die Schichtzulage soll von 97,15 Euro auf 130,00 Euro, die Wechselschichtzulage von 153,39 Euro auf 200,00 Euro erhöht werden. Zudem sieht der Abschluss weitere monatliche Zulagen von je 50 Euro von 01. Januar bis 30. Juni 2010 vor. “Wir gehen davon aus, dass dieser Tarifvertrag eine Lohnerhöhung von real 5 Prozent bringt“, rechnete ver.di-Verhandlungsführer Frank Riegler vor.
Die Tür für die Einigung sei geöffnet worden, nachdem die Arbeitgeber auf eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit verzichtet hätten, sagte der Verhandlungsführer der dbb-Tarifunion, Willi Russ. Der KAV hatte zunächst eine Erhöhung um eine halbe auf 39 Stunden verlangt. “Die Verlängerung der Arbeitszeit ist für die Laufzeit des Vertrags vom Tisch“, sagte Riegler. Der neue Tarifvertrag für die 6500 Beschäftigten soll eine Laufzeit von 18 Monaten bis zum 30. Juni 2010 haben.
Die Arbeitgeber sprachen von einem Kompromiss, der an die Belastungsgrenze der kommunalen Verkehrsbetriebe gehe. “Es wird überall zähneknirschend akzeptiert“, sagte der KAV-Verhandlungsführer Reinhard Büttner. Auch nach der Einigung sei das Thema Arbeitszeitverlängerung aber lediglich aufgeschoben. “Die Wochenarbeitszeit bleibt ein Thema“, sagte Augat - eines, das bei den nächsten Tarifverhandlungen wieder aufgegriffen werde.
Dem Ergebnis vom Samstag müssen die Gewerkschaftsmitglieder bei einer erneuten Urabstimmung nun noch zustimmen. Dieses Votum endet am kommenden Freitag. Nach den von Gewerkschaftsseite zunächst für gescheitert erklärten Tarifverhandlungen hatte sich in einer ersten Urabstimmung eine große Mehrheit der Mitglieder zunächst für unbefristete Streiks entschieden. Zum Auftakt hatten daraufhin am Freitag und Samstag Beschäftigte des kommunalen Nahverkehrs in Augsburg ihre Arbeit niedergelegt. Weitere Streiks waren ursprünglich in der kommenden Woche für München, den Großraum Nürnberg und für Regensburg geplant.
Ver.di hatte zunächst für die rund 6500 Beschäftigten der kommunalen Nahverkehrsbetriebe im laufenden Jahr 9,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 250 Euro gefordert. Der KAV bot zunächst vom 1. April an eine auf zwei Jahre verteilte Erhöhung um insgesamt 6,95 Prozent, dazu eine Einmalzahlung von 120 Euro im Januar 2011 sowie eine Erhöhung der Schichtzulage von 130 auf 200 Euro. Im Gegenzug hatten die Arbeitgeber aber vom 1. Juli 2010 an eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit um eine halbe Stunde auf 39 Stunden verlangt.

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