Messerstich als Notwehr: Student bekommt neuen Prozess!

Messerstich als Notwehr: Student bekommt neuen Prozess!

2311.09.09|MünchenFacebook
Artikel drucken|Artikel empfehlen|Schrift a / A

München - Eineinhalb Jahre sitzt Sven G. (31) nun schon in Haft, verurteilt zu fast vier Jahren. Er war in Garching angegriffen worden, hatte sich verteidigt – und dabei übertrieben.

© ebu

Sven G. übte Notwehr - und ging in Haft

Seinem Schläger stach er in den Hals, der überlebte nur knapp.

Eineinhalb Jahre ist Sven G. hinter Gittern, jetzt darf er hoffen. Der Bundesgerichtshof überprüfte sein Urteil, die höchsten Richter in Karlsruhe tadelten die Münchner Kollegen. Der Fall müsse neu verhandelt werden.

Bis zu jenem Tag hatte Sven G. ein beschauliches Leben geführt. Er studierte Informatik, angelte hin und wieder gerne. Mit dem Gesetz war der Mann nie in Konflikt gekommen, 30 Jahre war er damals alt.

Doch dann kam der 14. März 2008. Sven G. feierte den Geburtstag seines jüngeren Bruders in Garching. Gegen Mitternacht brachen er und drei Freunde zur U-Bahn auf, stark angetrunken. Sie wollten in einem Wirtshaus weiter zechen – da stellten sich ihnen fünf junge Serben in den Weg. Besoffen und aggressiv bauten sie sich auf. Sie waren eben aus einem Freizeitheim geflogen, weil sie geschlägert hatten. „Was schaust du so?“, fragte Mergim S., damals 17 Jahre alt, und hieb einem der Freunde von Sven G. die Faust ins Gesicht, dass der zu Boden ging. Als nächsten schubste er Sven G., Mergim holte aus.

Der Fall der Münchner U-Bahn-Schläger war damals wenige Wochen alt. Sven G. sagte später vor Gericht: „Ich habe in meinem Leben noch nie so viel Angst gehabt.“ Also ergriff er ein kleines Messer, das er an einem Riemen um den Hals trug, und stach seinem Schläger in den Hals. Die Ärzte mussten Mergim S. in einer Not-OP das Leben retten.

Versuchter Totschlag, urteilte das Münchner Schwurgericht, drei Jahre und neun Monate Haft! Der Staatsanwalt hatte sogar viereinhalb Jahre gefordert. Der Stich sei für die Notwehr nicht notwendig gewesen.

Svens Verteidiger legte Revision ein. Der Bundesgerichtshof wertet die Tat zwar auch als versuchten Totschlag. Das Münchner Schwurgericht sei „aber den besonderen Umständen des Falles nicht in vollem Umfang gerecht geworden“. Sven G. habe dem Opfer 12 500 Euro gezahlt, sich entschuldigt, der Schläger habe die Entschuldigung angenommen. Für Juristen ein „Täter-Opfer-Ausgleich“.

Außerdem revidieren die höchsten Richter einen entscheidenden Punkt: Das Schwurgericht hatte die Strafe nicht gemildert, weil sich Sven G. mehrfach als unschuldiges Opfer dargestellt habe. Ist doch menschlich! – so urteilt der Bundesgerichtshof. Sven G. sei ja tatsächlich angegriffen worden. Jetzt muss eine andere Strafkammer den Fall neu verhandeln. Fällt das zweite Urteil milder aus, könnten die Richter Sven G. sogar vorzeitig aus der Haft entlassen. Er darf hoffen.

David Costanzo

zurück zur Übersicht: München

  • BlinkList
  • del.icio.us
  • Folkd
  • Furl
  • Google
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • oneview
  • Yahoo MyWeb
  • YiGG
  • Webnews
Diese Seite bookmarken bei...
Die Kommentarfunktion ist bei diesem Artikel nicht aktiviert. Sie haben aber die Möglichkeit uns Ihre Meinung über das Kontaktformular zu senden.
Schliessen

Artikel empfehlen!

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fotostrecken aus München

München|0

Karl Valentins Foto-Sammlung vom alten München

Karl Valentins Foto-Sammlung vom alten München

Mehr Sport|4

Kickbox-Weltmeisterin Christine Theiss: Schön, klug und knallhart

Christine Theiss: Schön, klug und knallhart

München|1

Partybilder vom Wochenende

Partybilder vom Wochenende

Top Artikel aus München:

  • Meist gelesen
  • Meist kommentiert
Tag 2 nach dem absoluten Rauchverbot in der Gastronomie: Zwei Bezirksinspektoren besuchen ein ehemaliges Raucherlokal an der Geyerstraße. Hier ist alles in Ordnung, die Aschenbecher sind weggeräumt
Hier kommt die Raucher-Polizei!

München - Seit Sonntag sind in München 172 Raucherkneipen besucht worden. Für zwölf Wirte wird’s jetzt teuer. Gegen sie wurde je ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Ihnen droht jetzt eine Strafe bis zu 1000 Euro.Mehr...

Der Fußball-Krieg in der Kreisklasse

München - Nach einer Schiedsrichterentscheidung eskalierte die Kreisklassen-Partie zwischen dem SFV Newros und dem FC Alemannia München. Es kam zu einer Massenschlägerei. Die unglaublichen Details.Mehr...

Tag 2 nach dem absoluten Rauchverbot in der Gastronomie: Zwei Bezirksinspektoren besuchen ein ehemaliges Raucherlokal an der Geyerstraße. Hier ist alles in Ordnung, die Aschenbecher sind weggeräumt
Hier kommt die Raucher-Polizei!

München - Seit Sonntag sind in München 172 Raucherkneipen besucht worden. Für zwölf Wirte wird’s jetzt teuer. Gegen sie wurde je ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Ihnen droht jetzt eine Strafe bis zu 1000 Euro.Mehr...

Sarrazin-Lesung: Drohungen gegen Münchner Literaturhaus

München - Nach Droh-Mails wegen einer Veranstaltung mit Thilo Sarrazin hat das Literaturhaus in München reagiert: Die geplante Lesung wird nun ein Diskussion.Mehr...

Firmenlauf 2010 - Alle Bilder und Infos

Dreißigtausend Leute haben beim Münchner Firmenlauf B2RUN mitgemacht: Erst 6,38 knackige Kilometer durch den Olympiapark, dann der Einlauf durchs Marathon-Tor! Hier finden Sie alle Infos zu dem Event und die Bilder vom Zieleinlauf aller Teilnehmer.

Memo-Spiel Münchner Promis

Weitere Artikel aus München:

T ierquäler-Video: Mädchen unter Polizeischutz
T ierquäler-Video: Mädchen unter Polizeischutz

Aying - Katja aus Aying ist zum Hassobjekt der Internet-Gemeinde geworden. Dabei hat sich die 19-Jährige rein gar nichts zu Schulden kommen lassen. Lesen Sie hier die unfassbare Geschichte.Mehr...

Kirchheim: Jogger wankt mit blutüberströmtem Gesicht nach Hause
Jogger wankt mit blutüberströmtem Gesicht nach Hause

Kirchheim - Einen Riesenschrecken hat eine Kirchheimerin bekommen, als ihr Mann nach dem Joggen plötzlich mit blutüberströmtem Gesicht vor der Tür stand.Mehr...

Aktuelle Videos

AktuellesSportCommunityFreizeitServiceAnzeigenAbo

Artikel lizenziert durch © tz-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.tz-online.de