Die große Glaubensfrage im Biergarten: Mass oder Halbe?

Immer mehr Münchner trinken aus kleinen Krügen

Die große Glaubensfrage im Biergarten: Mass oder Halbe?

323.05.09|München|50 KommentareFacebook
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Ja, samma denn bei den Preißn? In den Biergärten setzt sich ein neuer Trend durch: das Bier im Halbliterglas!

© Sigi Jantz

Traditionskrug oder praktische Halbe? Bei Ramona Hecht (25) und Cathleen Kutter (24) scheiden sich im Hofbräukeller-Biergarten die Geister

Im Augustinerkeller, am Chinesischen Turm oder im Seehaus etwa jedes zweite Bierglas, das aus den Schänken geht, ist schon eine Halbe. Stirbt der Masskrug langsam aus?

„Wir reagieren damit nur auf Gästewünsche, die gerade mittags und an heißen Tagen lieber eine Halbe wollen“, erklärt Chinaturm-Biergartenleiter Ralf Sagroske. „Die Halbe-Trinker werden von Jahr zu Jahr mehr!“ Neuerdings sei die Nachfrage so groß, dass ein zusätzlicher Angestellter sich nur um die kleinen Krüge kümmert. An Spitzentagen trinken die Besucher zum Beispiel im Seehaus bis zu 1500 Halbe, genauso viele wie Massen – in größeren Biergärten wie dem Hirschgarten sind es vermutlich noch um einiges mehr. Denn es sind bei Weitem nicht mehr nur Frauen, die aus kleinen Gläsern trinken. Für Traditions-Liebhaber ein Skandal.

„Die Mass ist ohnehin schon vom Aussterben bedroht: In vielen Traditions-Gaststätten schenken die Wirte nur noch Halbe aus, weil da die Bierpreiserhöhung nicht so auffällt“, klagt Jan-Ulrich Bittlinger, der mit seinem Verein gegen betrügerisches Einschenken auch um den Erhalt der Krug-Tradition kämpft. Wie wenig sich München darum kümmere, zeige auch die Tatsache, dass auf städtischen Veranstaltungen wie dem Tollwood-Festival keine Krüge angeboten werden. „Das ist peinlich für München!“ Auch Biergarten-Wirte trügen hier eine Verantwortung, damit dieses „Stück bayerische Identität“ nicht ganz verschwinde. Diese Verantwortung weist Stefan Kuffler vom Seehaus weit von sich: „Glücklich sind wir über diese Entwicklung auch nicht. Schließlich bedeutet der Halbe-Ausschank für uns doppelt so viel Arbeit.“

Außerdem: Die Besucher stehen länger in der Schlange. Auch deshalb ist er sich sicher: „Die Mass wird es immer geben – keine Sorge!“ Und zur Beruhigung sei auch gesagt: In einigen Biergärten gibt es die Halbe nur auf ausdrücklichen Wunsch oder – wie etwa im Hofbräukeller – nur bis 15 Uhr. Für Traditions-Verfechter wie Bittlinger aber hört beim Bier der Spaß auf – da geht es um eine Glaubensfrage. Er hat auch schon einen weiteren Feind im Auge: die 0,33-Liter-Flasche Helles, die vereinzelt auch von Brauereien wie Augustiner angeboten wird. Er klagt: „Bald unterscheidet sich unsere Bierkultur gar nimmer von der der Preißn…“

Nina Bautz

Wohin am Wochenende? 100 Biergärten auf 100 Klicks

Phänomen Masskrug

Wie kommt es eigentlich, dass wir Bayern Masskrüge haben? Was wiegt ein Krug und wo kommt er her? Die tz hat sich auf die Suche nach Antworten zum Phänomen Masskrug gemacht.

Die Mass stammt vom früheren Schankmaß, das wohl schon auf das 16. Jahrhundert zurückgeht: Eine Mass waren 1,069 Liter. Diese Menge hat man mit einem Masskrug oder einer -kanne abgemessen. In der Zeit vor 1800 glich dem Buch Hydraulica Augustana zufolge kaum ein Maß oder Gewicht einer Stadt dem einer anderen, 1809 erließ die bayerische Regierung dann eine Verordnung, wonach die Münchner Maße zur gesamtbayerischen Norm erhoben wurden.

In diesen Schenkeimern wurden im Mittelalter auch die Angestellten bezahlt, so Manfred Newrzella vom Verein Münchner Brauereien. So habe die Magd beispielsweise drei Massen erhalten, der Haushofmeister rund 25. „Man bekam damals Bier, weil es durch den Sterilisationsprozess das reinste Getränk war, sogar reiner als das Wasser zu dieser Zeit.“ Erst später ging man dazu über, das Bier in genau 1,0 Liter großen Behältern auszuschenken. Erst waren hauptsächlich tönerne Masskrüge üblich, Ende des 19. Jahrhunderts kamen die gläsernen auf. Diese wiegen heute je rund 1,2 Kilogramm.

Und woher kommen die zigtausend Krüge, die wir in den Münchner Biergärten finden? Allein im Seehaus etwa sind stets rund 1000 Krüge im Umlauf… Nicht aus Bayern, wie man vermuten mag: Laut Bayerischem Brauereiverband gibt es in Deutschland drei Glasbedrucker, in Bayern ist das die Firma Franz Herb GmbH in Puchheim. Und die bezieht ihre Masskrüge allesamt von einer Firma aus Österreich.

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