AC/DC Konzert in München in der Kritik

AC/DC:

Wie man aus einem Konzert einen Zustand macht

1729.03.09|München|10 Kommentare
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Am Tag nach dem Konzert hat es einen noch immer im Griff. Na, was hören wir wohl Samstagvormittag beim Rumwursteln zu Hause? Natürlich AC/DC.

© dpa

DJ Straylight: Brian Johnson von AC/DC.

Zum Beispiel die Platte Powerage (1978), noch mit Bon Scott am Mikro. Den großartigen Down Payment Blues zum Beispiel – schade, dass sie das nicht mehr im Live-Repertoire haben. Aber was soll man überhaupt rummaulen an ­­­AC/DC, diesem Geschenk des Himmels, das nach wie vor aus einem Konzert einen Zustand macht. Einen, in dem alle abgehen wie Lucy und einfach nur glücklich sind, dass sie dabei sein dürfen. Abrocken, Bier trinken, Luftgitarre spielen, mitgrölen: Mehr wollen wir absolut nicht von Rockmusik (Olympiahalle).

Energie pur!

In diese Art Trance kommt das Publikum auch dadurch, dass hier eine Band spielt, für die es nur eines gibt: immer weiter, immer nach vorne, und das mit vollster Konzentration. Fast vor jedem Song bilden die anderen vier einen Kreis vor Phil Rudds Schlagzeug, als würden sie sich noch mit Energie vollpumpen, um dann das bestmögliche Stück Filigranarbeit ohne jeden noch so kleinen Fehler abzuliefern. Denn das ist das Geheimnis von AC/DC: Die Grundstruktur der Songs mag noch so einfach sein, aber sie werden ja sooo exakt gespielt.

Hinten malocht die wahrscheinlich beste Rhythmusgruppe der Welt mit Akkord-Arbeiter Malcolm Young (Gitarre), Rudd und Cliff Williams am Bass, der synchron mit Rudds Bass Drum fast immer nur auf dem Grundton rumbrummelt – einer der vielen Tricks der Aust­ralier. Wenn man einfache Dinge perfekt macht und ihnen damit Würde gibt, dann ist das Resultat immer gut – wie beim Kochen.

Vorne dürfen sich Shouter Brian Johnson und Gitarren-Teufelchen Angus Young austoben. Das klappt immer, ob bei Thunderstruck, For ­Those About To Rock, Dirty Deeds Done Dirt Cheap, Let There Be Rock oder Highway To Hell. Dass Angus auch ein sensationeller Bluesgitarrist ist, beweist er im zum Niederknien guten The Jack, und Hell’s Bells nimmt Sänger Johnson als Gelegenheit, um vorzuführen, dass er trotz vorgerückter Trinkerstimme noch ganz passabel am Seil herumschwingen kann.

Und nicht zuletzt zeigt Angus allen Mittfünfzigern im Publikum, die sich zum größten Teil blinkende Teufelshörnchen aufgesetzt haben, dass man auch in diesem Alter fit wie ein Turnschuh sein kann. Er reißt sich bei Let There Be Rock das Hemd vom ­schmalen Leib, rast auf eine Plexiglas-Hebebühne mitten im Saal und kreiselt dort, die Gitarre überm Kopf, wie ein Käfer, der auf den Rücken gefallen ist. Wieder zurück auf der Bühne, spielt er mit den Fans ein Zehn-Minuten-Solo. Jeder normale Mensch läge spätestens jetzt unterm Sauerstoffzelt.

Aber was ist schon normal bei AC/DC? Nur eines: Dass sie tatsächlich die normalste Band der Welt sind. Keine Allüren. Sie machen ihre Arbeit ohne großes Gehabe und wollen sie gut machen, sie wollen Spaß haben und lieben Rock’n’Roll. Wie ihre Fans.

lux

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