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Freimanner Politiker laufen Sturm gegen geplantes Großbordell

Sex-Burg im Wohnviertel?

Aufruhr im Münchner Norden: Ein Investor will eine ehemalige Fabrik in ein Hotel mit Bordell umbauen.

Das größte Bordell Europas soll in Freimann enstehen.

© dpa

Das größte Bordell Europas soll in Freimann enstehen.

In einer ehemaligen Medikamentenfabrik an der Freisinger Landstraße (Freimann) sollen 20 Bordell- sowie 160 „Hotel“-Zimmer eingerichtet werden. Der Freimanner Bezirksausschuss (BA 12) ist sich sicher: „Hier soll ein Riesen-Bordell entstehen. Die einhellige Meinung der Stadtteilpolitiker: „In unserem Wohnviertel hat so etwas nichts zu suchen.“

Heute Abend wird sich der Unterausschuss des BA12 mit folgendem Tagesordnungspunkt befassen müssen: „Freisinger Landstraße 74; Nutzungsänderung bestehender Büro- und Produktionsgebäude in ein Bordell und ein Hotel – Antrag auf Vorbescheid“. Der BA-Chef Werner Lederer-Piloty (SPD) befürchtet: „Der Investor wird hier kaum ein völlig normales Hotel planen, in dem nebenbei noch ein Bordell läuft.“ Zumal der Investor schon einmal einen Antrag gestellt habe, in dem von einem einzigen Großbordell die Rede war. Der neue Bauantrag würde demnach nur eine kosmetische Änderung beinhalten.

Ein Großbordell mit 180 Zimmern? So etwas dürfte in Europa einmalig sein. Das "Pascha" in Köln wirbt, mit seinen 126 Liebesdamen-Apartments, das „größte Laufhaus Europas“ zu sein.

Die Freimanner Stadtteil-Politiker sind entsetzt: „So eine Institution hat hier in unmittelbarer Nachbarschaft unseres Wohngebiet nichts zu suchen“, empört sich Lederer-Piloty.

Und der für die CSU im Unterausschuss Bauen des BA 12 sitzende Gerd Schäffler schimpft: „Genau gegenüber dieses geplanten Hauses befindet sich eine Schulbushaltestelle. Ein Bordell ist nicht gerade der Anblick, den man seinen Kindern täglich bieten will.“ BA-Chef Lederer-Piloty findet: „Wir haben in unserem Stadtteil ähnliche Einrichtungen. Warum werden sie nicht besser in der Stadt verteilt? In Bogenhausen oder Solln fehlen solche Betriebe noch.“

Die Frage ist, was die bereits bestehenden Etablissements des horizontalen Gewerbes von der künftigen Konkurrenz halten. Michael H. (43), Manager des „Pascha“ München mit Sitz in Trudering zur tz: „Die Pläne sind mir völlig neu. Unsere Gruppe hat mit diesem Projekt nichts zu tun.“

Branchenkenner glauben jedoch, dass der Markt für die käufliche Liebe in München gesättigt ist. „Wo soll die Kundschaft für 180 Damen rund um die Uhr auf einmal herkommen?“, sinniert der Besitzer eines Laufhauses im Euro-Industriepark. „Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein Laufhaus in in dieser Größe genehmigt wird.“

Johannes Welte

Rotlicht-Szene in der Krise

In Münchens größtem Laufhaus, dem "Caesar's World" am Stahlgruberring, haben sich die Pläne für das Mega-Bordell in Freimann längst herumgesprochen. „Wir sind aber sehr gelassen und warten erstmal ab, ob das alles auch so durchgeht“, sagt Geschäftsführer Wolfi. Das Laufhaus in Trudering ist drei Stockwerke hoch, hat 33 Liebeszimmer und steht in einem Gewerbegebiet. In unmittelbarer Nachbarschaft gibt es viele andere Sex-Clubs wie das Pascha oder das Hunter exclusive.

Das Sex-Gewerbe ist ein hartes Geschäft. Mehr als 200 legale Bordelle, Sex-Clubs und Laufhäuser kämpfen in München um Kundschaft. Konkurrenz bekommen die Etablissements zunehmend von Escort-Damen, die ihre Liebesdienste vor allem im Sperrbezirk anbieten. Die Damen haben keine hohen Kosten durch Gebäude-Pacht oder Wohnungsmiete, weil sie ihre Freier im Hotelzimmer oder in Wohnhäusern besuchen.

Das Geschäft mit der käuflichen Liebe läuft derzeit nicht mehr rund. Die Finanzkrise hat auch die Münchner Rotlichtszene erwischt. Der Euro sitzt längst nicht mehr so locker wie vor einem Jahr. Deshalb zahlen auch einige Sex-Clubs Prämien bis zu 100 Euro an Taxifahrer, damit sie ihre Fahrgäste zu ihnen bringen.

In Zeiten der Finanzkrise fährt das "Caesar‘s World" aber eine andere Strategie – Werben auf Teufel komm raus, ob im Internet oder Zeitung. „Wer nicht wirbt, stirbt“, sagt der Geschäftsführer. „Deshalb spüren wir die Krise noch nicht so sehr – fünf bis zehn Prozent weniger Kunden sind es aber schon.“

In München dürfen sich Sex-Clubs und Bordelle nur außerhalb des Sperrbezirks niederlassen. Schwerpunkte sind deshalb meist Gewerbegebiete, in denen Handwerksbetriebe, Bürogebäude und Firmen stehen – wie in Obersendling, in der Hansastraße, in der Landsberger Straße, dem Euro­industriepark oder der Dachauer Straße.

Käuflicher Sex ist in München aber nicht nur in Bordellen und Clubs zu haben – auch auf dem Straßenstrich bieten sich Prostituierte an. Wie an der Ingolstädter Straße, der äußeren Freisinger Land- oder der Zamdorfer Straße.

Jeden Tag bieten in München rund 700 Liebesdamen ihre Dienste an. „Der Markt in München ist eigentlich gesättigt. Ob ein Mega-Hotel Erfolg haben würde, wage ich sehr zu bezweifeln“, sagt ein Branchenkenner.

Jacob Mell

Quelle: tz

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