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Schweinegrippe: Die Alarmpläne der Münchner Firmen

H1N1: Die Alarmpläne der Münchner Firmen

München - Die Behörden und Unternehmen der Stadt bereiten sich auf die Pandemie vor: Wenn die Schweinegrippe weiter um sich greift und hunderte Mitarbeiter mit Fieber im Bett liegen, drohen den Konzernen Schäden in Millionenhöhe!

© dpa

Schutz vor der Virenattacke: Gerade in Firmen und Betrieben mit vielen Mitarbeitern könnte sich die Schweinegrippe rasant ausbreiten.

Ganz zu schweigen vom Leben in München : Die Verwaltung muss sicherstellen, dass die Stadt im Notfall weiter funktioniert – dass Notarzt, Feuerwehr und Müllabfuhr weiter funktionieren... 1,6 Millionen Euro hat die Stadt darum schon für Atemmasken und Schutzanzüge in die Hand genommen, weitere Bestellungen folgen. Im Rathaus selbst hat man jedoch nicht eigens Medikamente eingelagert. Dafür ist der Freistaat zuständig: Im Notfall sollen die Präparate Tamiflu und Relenza für jeden dritten Bürger reichen. Auch die Unternehmen bereiten sich mit Mitarbeiterschulungen und Plänen vor. Fast alle haben eigene Bestände an Arzneimitteln und Atemmasken, die vor einer Ansteckung schützen sollen.

„Wir haben alle notwendigen Vorkehrungen getroffen“, sagt BMW -Sprecher Michael Rebstock. Notfallpläne gebe es im Konzern schon lange: „Das Unternehmen hat eine Fürsorgepflicht den Mitarbeitern gegenüber.“ Auch Siemens hat den Tamiflu-Vorrat aufgestockt. Sprecher Georg Haux: „Die Gesundheit der Mitarbeiter hat Priorität.“ Spezielle Anweisungen gibt es in ganz Bayern: Bei adidas in Herzogenaurach bekommen alle IT-Mitarbeiter Laptops, damit sie notfalls von zu Hause aus arbeiten können. Und in den Urlaubsfliegern von ­Tuifly räumen die Flugbegleiter die Essenstabletts mit Handschuhen ab. Ausgerechnet zwei Unternehmen mit wichtigen Funktionen haben zwar Pläne erstellt, nicht aber Medikamente oder Schutzkleidung gelagert: Der Flughafen und die Stadtwerke mit MVG. „Wir können jederzeit reagieren“, heißt es beim Flughafen.

Ähnlich bei den Stadtwerken: Der Werkarzt beobachte die Situation, man könne kurzfristig reagieren. Zumindest für Bus-, Tram- und U-Bahnfahrer stünden Desinfektionsmittel bereit. Beide Unternehmen verlassen sich ansonsten offenbar auf die Vorsorge des Freistaats. Damit sind sie nicht allein: Eine Umfrage des Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung unter 200 Führungskräften zeigt, dass ein Viertel der Firmen in Deutschland keine Vorbereitungen für eine Pandemie getroffen hat!

Ganz besonders wichtig sind die Notfallpläne in den Pharmakonzernen, die den Impfstoff gegen die Schweinegrippe herstellen. Nicht auszudenken: Die Produktion steht still, weil alle Mitarbeiter krank sind! Alle Beschäftigten der in München ansässigen GlaxoSmithKline bekommen zum Beispiel Medizin-Päckchen für die ganze Familie nach Hause geschickt. Das Unternehmen produziert den Impfstoff im Sächsischen Serumwerk in Dresden. Die Mitarbeiter dort sollen ganz oben auf der Impfliste stehen, fordert das Unternehmen. Sprecherin Daria Munsel: „Wir stellen den Impfstoff zwar her, können ihn aber nicht an unsere Beschäftigten ausgeben.“

Die Firmen sollten das Virus nicht unterschätzen. Zwar verläuft die Schweinegrippe in Deutschland bislang recht harmlos. Trotzdem: Wer krank ist, liegt flach – und kann auch nicht arbeiten. Im Extremfall wären also ganze Abteilungen außer Gefecht gesetzt! Dr. Ulrich Kastenbauer , Assistenzarzt der Infektionsambulanz der Medizinischen Poliklinik: „Die Aufklärung der Mitarbeiter ist jetzt besonders wichtig.“ Unwahrscheinlich ist jedoch, dass Unternehmen im Extremfall wie Schulen oder Kindergärten dichtgemacht werden. „Nach dem Infektionsschutzgesetz ist das zwar theoretisch möglich, wird aber in der Praxis nicht passieren“, sagt Christopher Habl , Sprecher im Kreisverwaltungsreferat (KVR). „Bei Kindern und Jugendlichen gelten strengere Regelungen als bei Privatpersonen in Unternehmen. Die Firmen haben eigene Notfallpläne.“

D. Costanzo, C. Schmelzer

Erste Impfungen Ende September?

Die Bundesregierung rechnet ab Ende September/Anfang Oktober mit der Auslieferung erster Impfstoffdosen gegen Schweinegrippe. Der Beginn der Impfung hänge von den weiteren Fortschritten der Entwicklung und dem Zeitpunkt der Zulassung ab, heißt es in der Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs im Gesundheitsministerium , Rolf Schwanitz ( SPD ), auf eine Anfrage der Grünen. Wie die Passauer Neue Presse berichtet, sei im Rahmen der Impfung vorgesehen, „zunächst Beschäftigten eine Impfung anzubieten, die aus Gründen des Arbeitsschutzes geimpft werden müssen“. Dazu zählten Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts, Laborkräfte in zentralen Instituten oder des ärztlichen Dienstes.“ Sukzessive solle zusätzliches „Schlüsselpersonal der Bundesverwaltung“, insbesondere das der Krisenstäbe, geimpft werden. Entwarnung hingegen in Nordrhein-Westfalen: Bis gestern hat sich das Gesundheitsministerium mit dem Gedanken getragen, wegen der Schweinegrippe die am Montag endenden Ferien zu verlängern. Nach Beratungen einer Expertenkommission sind diese Pläne jetzt aber verworfen worden. Damit beginnt das neue Schuljahr für die 2,8 Millionen Schüler und 192 000 Lehrer in NRW planmäßig.

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