Schüler stellen Willi-Graf-Gymnasium unter Quarantäne

Schüler stellen Gymnasium unter Quarantäne

016.06.09|München|13 Kommentare
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München - "Schule macht krank", behaupten die Veranstalter des bundesweiten Bildungsstreiks am Mittwoch - und haben das Willi-Graf-Gymnasium um 7.30 Uhr heute morgen unter Quarantäne gestellt.

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"Schule macht krank", behaupten die Veranstalter des bundesweiten Bildungsstreiks am Mittwoch - und haben das Willi-Graf-Gymnasium um 7.30 Uhr heute morgen unter Quarantäne gestellt.

„Achtung, Achtung!“, brüllt Christopher Rochow, 19, durch sein Mefafon. „An der Schule ist eine Seuche ausgebrochen! Desinfiziert Euch! Zieht Euch einen Mundschutz an!“ Doch die ersten Kinder, vielleicht zehn oder elf Jahre alt, huschen an den vermummten Typen vorbei, die sich vor ihnen aufgestellt haben. Sie schlüpfen unter dem rot-weißen Absperrband durch und rennen in das Willi-Graf-Gymnasium. Wäre das „SMK-Virus“ ein echtes, wäre das eine Katastrophe.

Doch die Schule am Schwabinger Scheidplatz steht nicht wirklich unter Quarantäne. Und die Typen in Maleranzügen sind keine Mediziner, sondern Aktivisten, die auf den bundesweiten Bildungsstreik am Mittwoch hinweisen wollen.

Rochow, als einziger in Anzug und Krawatte, steht unter der Regendusche und drückt auf den Knopf seines Apparats. „Fühlt Ihr Euch gerade müde?“, ruft er. „Fühlt Ihr Euch schlapp?“ Oliver Donsbach und Aurel Eschmann, beide 18, gähnen nicht – aber sie verstehen die Botschaft: „Schule macht krank“ – SMK. „Ich stehe hinter den Forderungen gegen das G 8 und das dreigliedrige Schulsystem“, sagt Donsbach. Die Schüler aus seiner alten Klasse, die durchgefallen und aus dem neun- in das achtjährige Gymnasium gerutscht sind, „die berichten von einem enormen Druck, der da plötzlich auf ihnen lastet“. Und darum sei es nun „legitim“, während der Schulzeit zu demonstrieren, sagt Eschmann.

So sehen das auch viele Lehrer. Einer, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, steht unter einem Regenschirm und begutachtet den Zettel, den die Aktivisten ihm ausgeteilt haben. „Das G 8 ist ein Verbrechen an der Jugend“, sagt er. „Ich weiß nicht, was ich hier noch machen soll – und ich bin prinzipiell gerne Lehrer.“

Constanze F., 15, reißt sich die Stöpsel aus dem Ohr, als sie es aus dem Megafon knarzen hört. „Die könnten das auch machen ohne Panik zu verbreiten“, sagt sie und rollt die Augen. Steiken will sie am Mittwoch nicht, obwohl auch sie das G 8 am liebsten abschaffen würde. „Es ist ein Unsinn, das am Vormittag zu tun, wenn Schule ist.“

Und die geht bald los. Dem Abiturienten Fabian Dennewitz, 19, ist es Wurscht, sein Schuljahr ist vorbei. Der Sprecher des Aktionsbündnisses zieht seinen Mundschutz aus dem Gesicht und zieht Bilanz: „Schön, dass wir noch mehr Leute erreichen konnten“, sagt er. „Keiner hat versucht, uns zu verjagen. Vielleicht hat das ja auch damit zu tun, dass die Lehrer verstehen, unter was für einem Druck die Schüler leiden.“

Thierry Backes

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