625.07.08|München|41 Kommentare
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München - Toter Winkel. Schon wieder ist ein Radfahrer ums Leben gekommen, der sich im nicht einsehbaren Bereich eines Lkw befand.

© Bodmer
In der Offenbachstraße ist eine Radfahrerin tödlich verunglückt.
Der 42-jährige Ingenieur aus Johanneskirchen wurde am Mittwoch gegen 18.25 Uhr in der Baumkirchner- /Ecke Truderinger Straße von einem Sattelzug erfasst, überrollt und einige Meter unter dem Führerhaus mitgeschleift. Der Lkw-Fahrer (30) aus Halle wollte nach rechts abbiegen und hatte den Radler nicht gesehen.
Ingenieur Frank B. hatte keinen Helm getragen. Er starb wenig später im Krankenhaus. Seine Ehefrau hatte am Donnerstag die traurige Pflicht, ihren toten Mann in der Gerichtsmedizin zu identifizieren. Frank B. hatte Vorfahrt gehabt. Aber das half ihm nichts. „Rechnet mit den Fehlern anderer“, appelliert daher Hans-Jürgen Notka, Polizeidirektor und Leiter der Verkehrsabteilung eindringlich an alle Radler.
Erst vor einer Woche kam eine Radfahrerin (47) in einer ähnlichen Situation ums Leben. Auch die Ehefrau und Mutter zweier Kinder befand sich im toten Winkel eines Lkw, als dieser sie beim rechts Abbiegen erfasste. Auch sie hatte Vorfahrt gehabt.
Bereits Anfang Juli war ein Lehrer (61) von einem Bus erfasst und tödlich verletzt worden, der Pädagoge war bei Rot über die Straße geradelt.
Drei tote, ein schwer verletzter Radfahrer. Das ist die traurige Bilanz der Münchner Polizei im Monat Juli. „Radler müssen viel defensiver fahren“, sagt Polizeidirektor Hans-Jürgen Notka. „Wenn ein Radler sieht, dass ein 30-Tonner abbiegt, warum wartet er nicht zu seiner eigenen Sicherheit? Unter einen Kran, der eine 50 Tonnen schwere Last trägt, stellen wir uns instinktiv doch auch nicht drunter.“
Radler sollten seinen Appell nicht falsch verstehen, bittet Notka. Er wolle keine Schuld umverteilen. „Aber der Radler bezahlt seine Vorfahrt unter Umständen mit dem Leben.“
Leider gibt es auch unzählige Radler, die sich selbst in Gefahr begeben. Allein von Jahresbeginn bis Ende Mai hat die Polizei 1699 Radler beim Fahren über Rot ertappt. Notka: „Das sind Suizidenten“, also potenzielle Selbstmörder. 2007 wurden in der gleichen Zeit 1480 radelnde Rotlicht-Sünder erwischt.
Laut Unfallstatistik für das erste Halbjahr 2008 sind die Unfälle mit Beteiligung von Radlern zwar um 11,4 Prozent zurückgegangen – allerdings geht die Statistik nur bis 30. Juni, die vier schweren Unfälle im Juli sind nicht eingerechnet. Auffällig: Von den 1210 Radler-Unfällen sind 60,9 Prozent auch von Radlern verursacht wurden. „Normal pendelt sich die Schuld bei 50 Prozent ein“, sagt Notka. Aber um die Schuldfrage geht es ihm gar nicht. Sondern darum, dass die Radler besser aufpassen.
Simone Herzner
Quelle: tz

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