Rauchverbot in Bayern

Die letzte Zigarette!

430.07.10|München|117 KommentareFacebook
Artikel drucken|Artikel empfehlen|Schrift a / A

München - Das Volk hat entschieden. Am Samstag heißt es genau um Mitternacht in allen Kneipen, Discos und Festzelten: Bitte löschen Sie die Zigaretten und stellen Sie das Rauchen ein!

© dpa

Ab 1. August gilt das neue Rauchverbot.

 Vier Wochen nach dem Volksentscheid tritt das umfassendste Rauchverbot in Kraft, das es jemals auf bayerischem Boden gab. Doch die ersten Wirte suchen nach Lücken im Gesetz! Die Opposition geht in die Luft. Die tz erklärt, was Sie nach Ihrer letzten – aktiv oder passiv – gerauchten Zigarette in den Gaststätten wissen müssen.

Es gab doch vorher schon ein Rauchverbot. Was tut sich denn jetzt?

Verschärfungen gibt es vor allem bei Gaststätten, Kultur- und Freizeiteinrichtungen und Festzelten. Hier heißt es nach dem neuen „Gesetz zum Schutz der Gesundheit“ jetzt: Nichts qualmt mehr! Wirte dürfen auch keine Raucherzimmer mehr anbieten. „Ein klares Gesetz, mit dem sich auch Raucherclubs unterbinden lassen“, freut sich der Chef des Kreisverwaltungsreferats (KVR), Wilfried Blume-Beyerle, der die Regelung mit seinen Inspektoren in München umsetzen muss.

Wen betrifft das neue Verbot?

Zu den Gaststätten gehören nach der Vollzugverordnung des Gesundheitsministeriums alle Wirtschaften, Discos, Cafés, Bars und ähnliche Einrichtungen. Zu Kultur und Freizeit zählt das Ministerium vor allem Kinos, Museen, Theater, Bibliotheken, Vereinsräume und sogar Spielhallen. Die Verschärfung gilt auch in Bier-, Wein- und Festzelten. Alle diese Häuser dürfen keine Nebenzimmer zum Qualmen freigeben – fast ohne Ausnahme …

Also gibt es doch Ausnahmen?

In der Vollzugsverordnung heißt es, für „echte geschlossene Gesellschaften“ in Nebenräumen oder in der ganzen Gaststätte gilt das Rauchverbot nicht. Dazu zählten private Familienfeiern mit im Vorhinein namentlich geladenen Personen – wie bei Hochzeiten, Geburtstagen oder Taufen. Wobei: In Anwesenheit von Kindern verbietet sich das Rauchen eigentlich auch ohne Gesetz.

Ist das ein Schlupfloch im Gesetz?

Das Ministerium meint: Nein, denn für echte geschlossene Gesellschaften gelten sehr strenge Voraussetzungen. Familienfeiern seien Privatsache: „Privat bleibt privat“, sagte eine Sprecherin. „Da entscheidet nach gültiger Rechtsprechung nicht der Staat.“ Die SPD wirft Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) dagegen „Geeiere“ vor! Das Bündnis Ja zum Nichtraucherschutz aus SPD, Grünen, ÖDP, Nichtraucher- und Ärzte-Initiativen warnt: Die Regelung könne den gesamten Nichtraucherschutz aushebeln. In der Praxis sei das Gesetz kaum zu kontrollieren: „Absehbar ist schon heute, dass der seit Jahren andauernde Streit in eine neue Runde geht.“

Wie reagieren die Wirte?

Tatsächlich wollen manche das Gesetz überlisten: So erklärte sich eine Disco in Olching bereits zur dauerhaften geschlossenen Gesellschaft. Und der Wirt einer Keller-Bar im Zentrum Münchens denkt schon laut darüber nach, seine Kneipe zur Wohngemeinschaft der Stammgäste umzudeklarieren und verschickte schon Fest-Einladungen zum Selberausfüllen.

Kann das wirklich durchgehen?

KVR-Chef Blume-Beyerle bleibt gelassen: „Bis vor zwei Jahren wusste doch jeder ganz genau, was eine geschlossene Gesellschaft ist.“ Raucherclubs werde es nicht mehr geben. „Im Zweifelsfall kann ein Inspektor ja auch fragen: Wer ist hier der Jubilar?“ Dann muss der Gastgeber zeigen, ob die vermeintliche Feier zum Namenstag auch alle Anforderungen eines privaten Familienfests erfüllt. Wenn nicht, drohen Strafen.

Wer kontrolliert das Rauchverbot?

In der Stadt erledigen das die 60 Bezirksinspektoren des KVR. Die würden zwar in der Nacht zum Sonntag keine Raucher-Razzia starten, ab dann allerdings bei ihrer Arbeit vor allem die Einhaltung des Verbots überwachen. Im KVR heißt es, die Wirte sollen sich auf Besuch einstellen. Natürlich kann auch die Polizei tätig werden, etwa um einen renitenten Raucher aus einer Kneipe zu werfen.

Welche Bußgelder drohen?

Das Gesetz sieht eine Strafe von 5 bis 1000 Euro vor, das KVR kann Verwarnungsgelder von 5 bis 35 Euro verhängen. Verfolgt werden der Raucher, aber auch der Wirt, der nichts gegen den blauen Dunst unternimmt.

Wie dürfen es die Gaststätten draußen halten?

Da dürfen weiter die Aschenbecher auf den Tischen stehen. Das Gesetz gilt nur in Innenräumen.

Was ist mit der Wiesn?

Rauchen verboten! „Das Volk hat entschieden und jetzt setzen wir das auch so um“, sagte Wirte-Sprecher Toni Roiderer. Rauchern soll im Extremfall die Maß verweigert werden. „Wenn die Wirte alles unternehmen, um das Rauchen zu verhindern, haben sie nichts zu befürchten“, sagt Blume-Beyerle. Spannend werde es im kommenden Jahr, wenn die Wirte Rauchbereiche vor den Zelten einrichten können. Dann will das KVR beim Qualmen in der Halle härter durchgreifen.

Wo gilt das Rauchverbot noch?

Wie bereits jetzt schon in Behörden von Freistaat oder Gemeinden und in Gerichten. Die Chefs können aber abgetrennte Raucherräume anordnen. Das gleiche gilt für Universitäten, Heime, Krankenhäuser und Flughäfen. Völlig ausnahmslos gilt das Gesetz in allen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche – Schulen, Landheimen, Herbergen, Kitas und auf Spielplätzen.

Gibt es da keine Ausnahmen?

Doch. Nicht nur in privat genutzen Räumen darf gepafft werden, sondern auch in Vernehmungszimmern von Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichten. Bei künstlerischen Darbietungen könne Rauchen auch Ausdruck der Kunstfreiheit und damit erlaubt sein. Das raucherfreundliche Aktionsbündnis für Freiheit und Toleranz hat bereits ein angeblich nicht ernst gemeintes Theaterstück für Kneipen auf seine Internet-Seite gestellt – in dem alle Gäste möglichst zu rauchenden Darstellern werden sollen …

David Costanzo

zurück zur Übersicht: München

  • BlinkList
  • del.icio.us
  • Folkd
  • Furl
  • Google
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • oneview
  • Yahoo MyWeb
  • YiGG
  • Webnews
Diese Seite bookmarken bei...
Schliessen

Artikel empfehlen!

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fotostrecken aus München

München|0

Karl Valentins Foto-Sammlung vom alten München

Karl Valentins Foto-Sammlung vom alten München

Mehr Sport|4

Kickbox-Weltmeisterin Christine Theiss: Schön, klug und knallhart

Christine Theiss: Schön, klug und knallhart

München|1

Partybilder vom Wochenende

Partybilder vom Wochenende

Top Artikel aus München:

  • Meist gelesen
  • Meist kommentiert
Tag 2 nach dem absoluten Rauchverbot in der Gastronomie: Zwei Bezirksinspektoren besuchen ein ehemaliges Raucherlokal an der Geyerstraße. Hier ist alles in Ordnung, die Aschenbecher sind weggeräumt
Hier kommt die Raucher-Polizei!

München - Seit Sonntag sind in München 172 Raucherkneipen besucht worden. Für zwölf Wirte wird’s jetzt teuer. Gegen sie wurde je ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Ihnen droht jetzt eine Strafe bis zu 1000 Euro.Mehr...

Der Fußball-Krieg in der Kreisklasse

München - Nach einer Schiedsrichterentscheidung eskalierte die Kreisklassen-Partie zwischen dem SFV Newros und dem FC Alemannia München. Es kam zu einer Massenschlägerei. Die unglaublichen Details.Mehr...

Tag 2 nach dem absoluten Rauchverbot in der Gastronomie: Zwei Bezirksinspektoren besuchen ein ehemaliges Raucherlokal an der Geyerstraße. Hier ist alles in Ordnung, die Aschenbecher sind weggeräumt
Hier kommt die Raucher-Polizei!

München - Seit Sonntag sind in München 172 Raucherkneipen besucht worden. Für zwölf Wirte wird’s jetzt teuer. Gegen sie wurde je ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Ihnen droht jetzt eine Strafe bis zu 1000 Euro.Mehr...

Sarrazin-Lesung: Drohungen gegen Münchner Literaturhaus

München - Nach Droh-Mails wegen einer Veranstaltung mit Thilo Sarrazin hat das Literaturhaus in München reagiert: Die geplante Lesung wird nun ein Diskussion.Mehr...

Firmenlauf 2010 - Alle Bilder und Infos

Dreißigtausend Leute haben beim Münchner Firmenlauf B2RUN mitgemacht: Erst 6,38 knackige Kilometer durch den Olympiapark, dann der Einlauf durchs Marathon-Tor! Hier finden Sie alle Infos zu dem Event und die Bilder vom Zieleinlauf aller Teilnehmer.

Memo-Spiel Münchner Promis

Weitere Artikel aus München:

T ierquäler-Video: Mädchen unter Polizeischutz
T ierquäler-Video: Mädchen unter Polizeischutz

Aying - Katja aus Aying ist zum Hassobjekt der Internet-Gemeinde geworden. Dabei hat sich die 19-Jährige rein gar nichts zu Schulden kommen lassen. Lesen Sie hier die unfassbare Geschichte.Mehr...

Kirchheim: Jogger wankt mit blutüberströmtem Gesicht nach Hause
Jogger wankt mit blutüberströmtem Gesicht nach Hause

Kirchheim - Einen Riesenschrecken hat eine Kirchheimerin bekommen, als ihr Mann nach dem Joggen plötzlich mit blutüberströmtem Gesicht vor der Tür stand.Mehr...

Aktuelle Videos

AktuellesSportCommunityFreizeitServiceAnzeigenAbo

Artikel lizenziert durch © tz-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.tz-online.de