Der Radfahrer, der gegen Radwege ist

    • aHR0cDovL3d3dy50ei1vbmxpbmUuZGUvYWt0dWVsbGVzL211ZW5jaGVuL3JhZGZhaHJlci1nZWdlbi1yYWR3ZWdlLXR6LTI2MDEyMzcuaHRtbA==2601237Radfahrer klagt gegen Radweg0true
    • 07.11.12
    • Region
    • 79
    • Drucken
Gemeinde muss Schilder abnehmen

Radfahrer klagt gegen Radweg

Dachau - Im ganzen Landkreis werden seit Jahren Radwege gebaut, um die Sicherheit der Radfahrer zu erhöhen. Doch nun hat ein Dachauer dagegen geklagt, diese Radwege benutzen zu müssen. Und: Im Grunde genommen Recht bekommen.

Das Problemschild: Diese Schilder werden bis Ende November verschwinden.

Das Problemschild: Diese Schilder werden bis Ende November verschwinden.

Jeden Tag fährt er von Dachau über Bergkirchen nach Olching. Auf dem Fahrrad, und zwar auf der Fahrbahn. Genau so etwas wollte die Gemeinde Bergkirchen verhindern, und hat deshalb Schilder aufgestellt: Die Zeichen Nummer 240, gemeinsamer Fuß- und Radweg. Was besagt: Radfahrer müssen diese Sonderwege benutzen. Der Dachauer wollte aber nicht. Und hat deshalb die Gemeinde verklagt. Sie soll die Radwegebenutzungspflicht entlang der Gadastraße, der Kreuzackerstraße und der Fürstenfelder Straße aufheben.

Nun trafen sich alle Beteiligten bei einer mündlichen Verhandlung des Bayerischen Verwaltungsgerichts im Rathaus Bergkirchen. Bei der die Vorsitzende Richterin zunächst einmal erklärte, dass die Aufstellung der Zeichen sowieso rechtswidrig ist. Denn die Gemeinde hatte vorher keine verkehrsrechtliche Anordnung getroffen. Somit wurde das Verfahren eingestellt, und die Gemeinde verpflichtete sich, die Schilder bis Ende November wieder abzunehmen.

Doch das Thema ist noch nicht durch: Denn Bürgermeister Simon Landmann und Hauptamtsleiter Siegfried Ketterl machten während der Verhandlung deutlich, dass sie auf jeden Fall planen, die fehlende Anordnung demnächst zu beschließen und die Schilder danach wieder aufzustellen. Und der Dachauer Kläger machte deutlich, dass er dann wieder vor Gericht ziehen würde.

Zusammen mit seinem Rechtsanwalt Dietmar Kettler, spezialisiert auf das „Recht für Radfahrer“, der sich bundesweit mit genau solche Fällen auseinandersetzt. Und der hat ein klare Meinung: Radwege sind riskant. Besonders solche, die von Ausfahrten gekreuzt werden - wie es eben im Gada-Gebiet der Fall ist. „Solche Verkehrsanlagen sind für Radfahrer gefährlich“, wetterte Kettler. „Da werden die Radfahrer einfach umgenietet.“ Bürgermeister Landmann urteilte er schnell ab: „Wenn sie sich mit dem Thema beschäftigt hätten, hätten sie die Schilder weggenommen.“

Doch die Gemeinde hat sich mit dem Thema beschäftigt. Laut Landmann wollen die Bürger Radwege - für ihre Sicherheit. So ließ die Gemeinde ein Verkehrsgutachten erstellen, und war mit Richard Wacht, dem Verkehrsexperten der Dachauer Polizei, vor Ort. „Die Verkehrssicherheit sollte mit den Beschilderungen verbessert werden“, betonte die Rechtsanwältin der Gemeinde.

Nur: Die Experten sind sich bundesweit leider nicht einig, ob Radfahrer auf einem Radweg wirklich sicherer sind oder sogar ein größeres Risiko eingehen als auf der Fahrbahn. „Es geht mir ja nicht um die gefühlte Sicherheit“, sagte der Dachauer Kläger. „Sondern um die tatsächliche.“ Tatsächlich hat die Bundesanstalt für Straßenwesen in einer Studie festgestellt, dass die mittlere Unfallrate bei Radwegen etwas höher liegt als bei Straßen mit Radfahrstreifen oder Schutzstreifen.

Das hat auch das Bundesverwaltungsgericht festgestellt. Und so legte es 2010 fest, dass eine Radwegebenutzungspflicht nur angeordnet werden darf, wenn wegen besonderen örtlichen Verhältnisse eine Gefahrenlage besteht, die das allgemeine Risiko erheblich übersteigt - darauf wies die Vorsitzende Richterin in der Verhandlung mehrmals hin. „Man darf nichts Gefährlicheres schaffen.“

Mit genau diesem Problem wird sich Bergkirchen nun auseinander setzen müssen. Wenn sie keine überzeugende Lösung findet, wird wieder eine Klage ins Haus flattern. Vielleicht auch in anderen Gemeinden.

(np)

zurück zur Übersicht: Region

Kommentare

Stadtkarte

Regionkarte tz-onlineMünchen NordMünchen OstMünchen WestMünchen ZentrumMünchen Süd

Wetter für München und Bayern

Nachrichten aus dem Stadtgebiet

16-jährige Paulina rettet Prügel-Opfer - Mut wird mit 200 Euro belohnt

Paulina schmiss sich vor die Schläger

München - Ohne über ihr eigenes Schicksal nachzudenken, rettete die Paulina Martin S. wahrscheinlich das Leben. Sie schmiss sich vor die Schläger und erhält für ihren Mut jetzt 200 Euro.Mehr...

Memo-Spiel Münchner Promis

Die tz-App für das iPad ist da!

Die tz lesen wann und wo Sie wollen - das bietet die neue tz-ePaper-App für das iPad. Was die digitale Zeitung alles kann und wie Sie an die App rankommen, erfahren Sie hierMehr...

Aktuelle Fotostrecken

Bauarbeiten bei der U6 angelaufen - Bilder

weitere Fotostrecken:
Brand Hochhaus Riesstraße

Neues Passwort zusenden

Bitte geben Sie ihre E-Mail Adresse an, wir senden Ihnen ein neues Passwort zu.

Bitte warten

Es wird etwas gemacht.

  • recommendbutton_count100
Schließen

Druckvorschau

Artikel:

Schließen

Artikel Empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.