Polnische Medien empört über Festnahme von Rokita

Polnische Medien empört über Festnahme von Rokita

1012.02.09|München|145 Kommentare
Artikel drucken|Artikel empfehlen|Schrift  a /  A||

München/Warschau - Die Festnahme des polnischen Politikers Jan Maria Rokita am Münchner Flughafen hat in seinem Heimatland am Donnerstag einen Aufschrei der Empörung ausgelöst.

Der polnische Politiker Jan Maria Rokita

© dpa

Der polnische Politiker Jan Maria Rokita

Nach einem Streit mit einer Stewardess hatten Polizeibeamte den Politiker am Dienstagabend in Handschellen aus einer startbereiten Lufthansa- Maschine geführt. Nach der Rückkehr warf Rokita (49) den deutschen Behörden rechtswidriges Vorgehen und eine antipolnische Einstellung vor. Sie hätten ihn “wie einen Hund“ behandelt, sagte er der Zeitung “Gazeta Wyborcza“. Rokita war vor der Parlamentswahl 2007 auch im Gespräch als möglicher Regierungschef oder Außenminister.

Der Zwischenfall rief bei einem Teil der polnischen Medien antideutsche Ressentiments hervor. “Aggressive Deutsche, woher kennen wir das?“, sagte ein Radiomoderator in Anspielung auf die schwierige deutsch-polnische Vergangenheit. Die Tageszeitung “Dziennik“ sprach von “Rüpelei“ und “Gewalt“. Die konservative Opposition forderte, das Parlament einzuschalten.

Die Staatsanwaltschaft Landshut hat die Ermittlungen gegen Rokita aufgenommen. Gegen den ehemaligen Abgeordneten der Partei “Bürgerplattform“ (PO) von Ministerpräsident Donald Tusk werde wegen Verdachts auf Körperverletzung, Hausfriedensbruch sowie Verstoß gegen das Luftverkehrsgesetz ermittelt, sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern-Nord in Ingolstadt, Hans-Peter Kammerer, am Donnerstag.

Zugleich habe seine Frau Nelly Rokita einen Polizeibeamten wegen Beleidigung angezeigt. Auch in diesem Fall werde ermittelt. Die Ex- Beraterin des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski, die das Flugzeug freiwillig mit ihrem Gatten verlassen hatte, spricht nach polnischen Medienberichten von einem “Überfall“ auf ihren Mann.

Auslöser für den Streit zwischen Rokita und der Stewardess sei der Sitzplatz des Politikers gewesen. “Als er dann auf dem Platz saß, auf dem er sitzen sollte, wollte er sich nicht anschnallen - stattdessen hat er die Stewardess beiseite geschubst“, schilderte Kammerer den Vorfall nach dem bisherigen Ermittlungsstand. Die Stewardess habe weiterfliegen können, aber über Schmerzen geklagt. Alkohol sei bei dem Vorfall nicht im Spiel gewesen.

Da Rokita nicht freiwillig das Flugzeug verlassen wollte, habe der Pilot die Polizei gerufen. “Der Pilot hatte ihn aufgefordert, das Flugzeug zu verlassen, weil er ihn als Sicherheitsrisiko eingestuft hat“, erläuterte Kammerer. Das Hausrecht in der Maschine habe stets der Flugzeugführer. Als Rokita eine Sicherheitsleistung von mehreren Tausend Euro nicht erbringen konnte, sei das Konsulat eingeschaltet worden. Am Mittwoch in den frühen Morgenstunden sei er aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden.

Quelle: DPA

zurück zur Übersicht: München

Schliessen

Artikel empfehlen

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!

Fehleranzeige ausblenden

Es sind Fehler aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.

Fehleranzeige ausblenden

Schwere Fehler sind aufgetreten!

  • Fehlertext

Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.

  • Fehlertext

Achtung!

  • Fehlertext

Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.

Lesen Sie auch:

S-Bahn München: Verspätungen im gesamten Netz

München|7 Kommentare|0

S-Bahn: Verspätungen im gesamten Netz

München - Wegen verschiedener Störungen kommt es derzeit im gesamten S-Bahn-Netz zu Verzögerungen von bis zu zehn Minuten. In den nächsten Tagen ist weiterhin mit einzelnen Ausfällen zu rechnen.Mehr...

Kommentare

Top Artikel aus München:

  • Meist gelesen
  • Meist kommentiert
Bluttat im Gerichtssaal: Staatsanwalt (31) stirbt

Dachau - Bluttat im Gerichtssaal: Am Mittwochnachmittag hat im Dachauer Amtsgericht ein Mann bei seiner Verhandlung auf mehrere Menschen geschossen. Ein junger Staatsanwalt wurde getötet.Mehr...

Die tz-App für das iPad ist da!

München - Die tz lesen wann und wo Sie wollen - das bietet die neue tz-ePaper-App für das iPad. Was die digitale Zeitung alles kann und wie Sie an die App rankommen, erfahren Sie hier:Mehr...

Immer mehr Zuagroaste! Wo die echten Münchner wohnen

München - In München gibt es immer mehr Zuagroaste! Die echten Münchner Kindl machen nur noch einen Bruchteil der Einwohner aus. Wir zeigen Ihnen, in welchen Stadtteilen sie leben.Mehr...

RTL hat ihn aufgespürt: Das macht "Mehmet" heute

München - Unter dem Pseudonym "Mehmet" erlangte der Münchner Muhlis Ari (27) traurige Berühmtheit: Der Intensivtäter (über 100 Delikte) wurde mit 14 Jahren in die Türkei abgeschoben. Dort hat RTL ihn nun aufgespürt. Das macht Mehmet heute:Mehr...

Memo-Spiel Münchner Promis

Weitere Artikel aus München:

Dürer-Streit: Riss verhindert Transport
Dürer-Streit: Wie kommt der Riss ins Bild?

München/Nürnberg - Dürers Selbstbildnis im Pelzrock aus dem Jahr 1500 macht den Riss zwischen Nürnberg und München immer größer – und das im Wortsinn. Wer hat das Bild beschädigt?Mehr...

Wegen Dauerfrost: Wasservögel in Not
Wegen Dauerfrost: Wasservögel in Not

München - Auf der Suche nach einem eisfreien Teich ist am Dienstag ein Blässhuhn in die kleine Postfiliale des Münchner Ladenbesitzers Heiko Fischer in der Ohlmüllerstraße (Au) eingezogen – und wollte gar nicht mehr gehen.Mehr...

Aktuelle Videos

300-cQsQSjKe1q6Y14uLo3ivuElQ2zsPqi5W8XyhmnDpmk./static/tz-online/img/videohttp://www.tz-online.de/video/19114162371755456930window

AktuellesSportVideoLebenServiceAnzeigenAboÜber unsMedia

Artikel lizenziert durch © tz-online
Weitere Lizenzierungen exklusiv über http://www.tz-online.de