Pöbel-Terror am Sendlinger Tor

Unterschriftenliste gegen immer mehr Junkies und Obdachlose

Pöbel-Terror am Sendlinger Tor

910.06.08|München|39 Kommentare
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München - Sobald es um die Junkies und Alkoholiker geht, will keiner mehr reden. „Ich sage lieber nichts“, murmelt eine Standlbesitzerin. „Wer weiß, was die sich dann als Rache einfallen lassen.“

Sendlinger-Tor-Platz: Solche Ansammlungen machen vielen Münchnern Angst.

© Westermann

Sendlinger-Tor-Platz: Solche Ansammlungen machen vielen Münchnern Angst.

So wie sie denken viele Geschäftsleute, Anwohner und Passanten rund ums Sendlinger Tor: Seit Monaten beklagen sie sich immer wieder über Belästigungen oder Bedrohungen.

Der Pöbel-Terror beginnt oft schon in der Früh und dauert manchmal bis mitten in die Nacht: Bis zu 60 Drogensüchtige und Obdachlose hängen bei schönem Wetter am Sendlinger-Tor-Platz, im Herzog-Wilhelm-Park und im Nußbaumpark herum. Es gibt Raufereien im Suff und Beschimpfungen gegenüber Passanten. Menschen wie Hunde verrichten ihre großen und kleinen Geschäfte auf Gehwegen oder an der Mauer der Matthäus-Kirche, Flaschen werden achtlos auf Wege geworfen. Einige Geschäftsleute schieben auch Überfälle und Diebstähle der vergangenen Wochen auf die Szene. „Ich habe vor kurzem ein benutztes Fixerbesteck gefunden“, sagt ein Geschäftsmann – auch er will seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen. Andere wollen gesehen haben, wie im Herzog-Wilhelm-Park mehr oder weniger offen mit Drogen gedealt wurde.

Der Polizei ist das Problem hinlänglich bekannt. Sobald es draußen warm wird, ist der Herzog-Wilhelm-Park Treffpunkt zahlreicher Junkies. Polizeisprecher Peter Reichl: „Im Umkreis befinden sich mehrere Substitutions-Praxen für die Methadon-Ausgabe.“ Die Altstadt-Inspektion schickt regelmäßig Streifen. Zuweilen kontrolliert auch die Einsatzhundertschaft. Viele Möglichkeiten hat die Polizei aber nicht: „Am wirksamsten ist noch immer der Platzverweis. Erst neulich haben wir 15 Personen weggeschickt, die dort gegrillt haben.“ Doch nach einigen Stunden sind halt alle wieder da.

Die Kriminalität am Sendlinger Tor sei nicht angestiegen, Kameras seien derzeit nicht in der Planung. Und auch die Trinker vom Ostbahnhof seien nicht dabei. „Diese Klientel bleibt unter sich und hält sich eher auf der anderen Seite im Nußbaum-Park auf“, so Reichl. Damit widerspricht die Polizei Vermutungen, die Szene hätte sich von dort ans Sendlinger Tor verlagert, seit vor etwas mehr als einem Jahr am Orleansplatz die Videoüberwachung installiert wurde.

Den Betroffenen reicht es jetzt trotzdem: Mit einer Unterschriftenliste – bisher haben mehr als 400 Bürger unterzeichnet – wollen sie die Stadt zum Handeln zwingen – damit endlich wieder Ruhe einkehrt. Unterstützt werden sie von den CSU-Stadträten Richard Quaas und Elisabeth Schmucker: Sie wollen von OB Christian Ude wissen, wie die Stadt der Drogen- und Pennerszene beizukommen gedenkt. „Stadt und Polizei müssen ein Konzept entwickeln, mit dem man die Szene auflöst und den Menschen gleichzeitig helfen kann“, so Quaas. „Es kann nicht sein, dass dieser Zustand in der Altstadt so bleibt.“

Damit sind sich die Politiker sogar mit vielen Junkies vor Ort einig: „Ich kann den Ärger der Menschen gut verstehen“, sagt eine Ex-Drogenabhängige. „Wir bräuchten einen Platz, wo wir hinkönnen, ohne andere zu stören.“

fla/dop

Quelle: tz

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