Parken ohne Abzocke: Fürstenfeldbruck führt München vor

Parken ohne Abzocke: FFB führt München vor

104.07.10|München|24 Kommentare
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München - Die Wechselgeld-Abzocke an den Münchner Parkscheinautomaten wird immer peinlicher. 3900 Stück stehen in der Stadt – und keiner davon kann Wechselgeld herausgeben. Angeblich. Wir beweisen das Gegenteil.

Melody Herter freut sich in Fürstenfeldbruck über den Parkschein und das Wechselgeld

© Welte

Melody Herter freut sich in Fürstenfeldbruck über den Parkschein und das Wechselgeld

Die Stadt behauptet, solche Automaten gibt es nicht. Doch die tz hat etwas anderes herausgefunden.

Am Donnerstag berichtete die tz über die Wechselgeld-Misere an den Münchner Parkautomaten. Noch am gleichen Tag ließ die zuständige Baureferentin Rosemarie Hingerl in der Rathaus-Umschau erklären, „dass es derzeit keinen Hersteller in diesem Bereich gibt, der derartige Geräte mit Wechselautomatik für öffentliche Parkraumbewirtschaftung anbietet“.

Doch jetzt wird es peinlich: Nur 14 Kilometer westlich der Münchner Stadtgrenze stehen Parkscheinautomaten, die Geld wechseln können– in der Innenstadt von Fürstenfeldbruck! tz-Reporterin Melody Herter machte dort in der Schöngeisinger Straße die Probe aufs Exempel: Sie löste einen Parkschein für eineinhalb Stunden. Der kostet 25 Cent – weil die erste Stunde gratis ist.

Herter fütterte den Automaten mit einem Zwei-Euro-Stück. Nach einem Bruchteil von Sekunden kam der Parkschein – und genau 1,75 Euro Wechselgeld in den Ausgabeschacht geklimpert. Die Automaten lieferte die Firma WSA electronic in Altendambach (Thüringen). „Unsere Automaten geben schon seit 1992 Wechselgeld heraus“, berichtet WSA-Sprecherin Christel Mehlitz. Damals hatte München die ersten Parkscheinautomaten angeschafft – ohne Wechselgeldfunktion.

Die WSA hat schon über 10 000 Parkscheingeräte in 350 Kommunen aufgestellt, unter anderem auch in Schliersee und Bad Wiessee. Und auch dort gibt’s Geld zurück.

Das sagen die Autofahrer

Passend bezahlen

Es ist schon sehr praktisch, wenn man beim Einkaufen sich einen Parkschein lösen kann nur für die Zeit, die man wirklich braucht. In München ist das natürlich nicht so. Da muss man immer einen Haufen Kleingeld dabei haben.

Anja Wiesner (25), Ergo-Therapeutin aus Jesenwang

Nicht zu viel zahlen

Das mit dem Wechselgeld ist super. Man hat ja nicht immer passendes Kleingeld dabei, und es wäre schon dumm, wenn man einen Parkschein lösen muss, der viel länger gültig ist, als man ihn braucht. Das wäre ja dann herausgeworfenes Geld.

Lydia Winkler (32), Zahnarzthelferin aus Jesenwang

Abzocke typisch Minga

Dass man in München am Parkautomaten mehr bezahlen muss, als man braucht, ist mal wieder typisch Minga – Abzocke! Hier in Bruck parkt man sogar noch die erste Stunde kostenlos, und bekommt danach auch noch Wechselgeld!

Peter Braun (34), Musiklehrer aus Fürstenfeldbruck

Die peinlichen Ausflüchte der Stadt

Erst lässt Baureferentin Rosemarie Hingerl erklären, dass es keine Wechselgeld-Parkscheinautomaten gibt, dann erfährt das Baureferat, dass sie es sehr wohl gibt (siehe oben). Lesen Sie die Ausflüchte des Baureferates und was die tz dazu herausfand:

Ausflucht 1: „Die Aussage in der Pressemeldung des Baureferates, dass es derzeit keinen Hersteller gibt, der derartige Geräte mit Wechselautomatik für öffentliche Parkraumbewirtschaftung anbietet, bezieht sich selbstverständlich auf die Verhältnisse einer Großstadt.“ WSA-Wechselgeldgeräte stehen auch in Bremen, Stuttgart, Dresden, Budapest, Oslo, Istanbul, Tel Aviv, Vancouver, Amman und Medellin. n

Ausflucht 2: „Die unter diesen Einsatzbedingungen zu stellenden sicherheitstechnischen Anforderungen und die Ansprüche an einen störungsfreien und wartungsfreundlichen Betrieb können von den Herstellern dieser Automaten mit Geldwechselfunktion bis dato nicht erfüllt werden.“ Der Fürstenfeldbrucker Rathaus-Sprecher Florian Illing berichtet: „Es gibt keinerlei Beschwerden. Die Wechselgeld-Geräte arbeiten zu unserer vollsten Zufriedenheit.“

Ausflucht 3: „Ein einbruchsicherer Schutz der Wechselgeldautomatik ist nicht möglich.“ WSA-Sprecherin Mehlitz sagt zwar, dass Wechselgeldautomaten in der Vergangenheit nicht vollständig aufbruchsicher gewesen seien. Man könne diese aber nachrüsten. Die aktuellen Modelle mit der Bezeichung PSA 5 seien mit einem elektronischen Schloss gesichert und mit Verstärkungen im Gehäuse versehen. Mehlitz: „Bisher ist uns kein Parkscheinautomat PSA 5 bekannt, der komplett aufgebrochen wurde und bei dem die Geldkassette entwendet wurde.“

Ausflucht 4: „Die Großanbieter Siemens und Parkeon, welche als Ergebnis europaweiter Ausschreibungen in München die Automaten aufgestellt haben, bieten aus den oben genannten Gründen auch keine Geräte mit Wechselgeldfunktion an.“ Siemens-Sprecherin Angelika Holtkamp erklärt: „Man kann das durchaus. Die Leistungsmerkmale der Parkscheinautomaten sind abhängig von den Anforderungen der Betreiber.“ Automaten mit Wechselgeldfunktion würden von den Kommunen nicht nachgefragt.

Ausflucht 5: „Deshalb hat die Stadt Köln in den letzten Jahren aufgrund der schlechten Erfahrungen bei ihren Automaten die Wechselgeldfunktion wieder entfernt.“ Das ist schlichtweg falsch, denn der Kölner Stadt-Sprecher Jörg Wehner erklärt: „In Köln gab es zu keinem Zeitpunkt Parkscheinautomaten, die Wechselgeld herausgeben.“ Die Wechselgeld-Falle des Baureferats wird Thema im Rathaus: CSU-Fraktionschef Josef Schmid will prüfen lassen, ob die Stadt Wechselgeldautomaten aufstellen oder das Bezahlen per Handy ermöglichen kann.

J. Welte

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