Interview mit Ignaz Streitel, Ex-Chef der Weidegenossenschaft

"Olympia ist einfach eine Nummer zu groß"

328.07.10|München|33 Kommentare
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München - Es geht um Geld – schon auch. Aber: Der eigentliche Grund dafür, dass die Verhandlungen in Garmisch so schwierig sind, liegt viel, viel tiefer. Das geht aus dem tz-Interview mit Ignaz Streitel vor.

Garmisch-Bürgermeister Thomas Schmid (re.) gestern anlässlich des Baubeginns des Kramertunnels neben Ministerpräsident Horst Seehofer: Wer verhandelt eigentlich mit wem?

© dpa

Garmisch-Bürgermeister Thomas Schmid (re.) gestern anlässlich des Baubeginns des Kramertunnels neben Ministerpräsident Horst Seehofer: Wer verhandelt eigentlich mit wem?

Dazu gehört die Idee, dass Landbesitz viel mehr ist als bloß ein Eintrag in irgendeinem Grundbuch. Das ist Gefühl, das ist Heimat. Das ist etwas, das man mit Vertrauen behandeln muss. Dieses Vertrauen, so finden viele, ist missbraucht worden. Wieso? Das erklärt Ignaz Streitel, der ehemalige Vorsitzende der Weidegenossenschaft Garmisch, im tz-Interview:

Herr Streitel, Sie selber haben kein Land, um das es in den derzeitigen Verhandlungen geht…

Streitel: Ich habe schon Land, aber ich habe von vornherein gesagt, dass meine Flächen nicht zur Verfügung stehen.

Und die anderen Grundstückseigentümer? Wie schätzen Sie da die Lage ein?

Streitel: Man kann in die Leute zwar nicht reinschauen – aber so, wie ich die Sache verfolge: Ich glaube nicht, dass sie ihr Land hergeben werden.

Warum nicht?

Streitel: Viele Leute wollen einfach ihre Ruhe. Olympia wäre außerdem der Todesstoß für die Landwirtschaft – die braucht diese Flächen. Und für den Tourismus wäre es auch nicht förderlich.

Die Olympia-Befürworter sehen das anders. Sie sagen: Der Tourismus wird stark von Olympia profitieren. Sie sehen das sogar als eines ihrer wichtigsten Argumente.

Streitel: Die Abfahrten und die Schanze brauchen wir für die Wintersportler, das ist ja alles in Ordnung. Aber: Die Abfahrten und die Schanze haben wir ja sowieso schon. Der Wintersport ist also schon zu seinem Recht gekommen. Und für den Sommer-Tourismus helfen Olympische Winterspiele nicht weiter.

Trotzdem weist die Bewerbungsgesellschaft darauf hin, dass diese Spiele nachhaltig wären…

Streitel: Man muss tatsächlich an die Endauswirkungen für kommende Generationen denken. Und wenn ich zum Beispiel höre, dass Vancouver mit seinen Spielen zuletzt eine Milliarde Dollar Schulden gemacht hat… Es wäre einfach gescheiter, wenn die Leute ehrlich wären.

War Bürgermeister Thomas Schmid bisher nicht ehrlich?

Streitel: Er hat uns nie die Wahrheit gesagt. Er hat Überheblichkeit und Großmannssucht an den Tag gelegt. Ich meine: Olympia ist einfach eine Nummer zu groß für uns. Wir sollten diese Bewerbung zurückgeben. Wir lassen uns die Heimat nicht kaputt machen.

Interview: Uli Heichele

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