924.10.08|München|14 Kommentare
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Wird der Flughafen jetzt zum FKK-Bereich? Die EU-Pläne zur Zulassung der Nackt-Scanner an Flughäfen haben eine große Welle der Empörung ausgelöst.

© dpa
Die Passagiere müssen nur die Arme hochnehmen. Das "Ausziehen" übernimmt dann der sogenannte Nackt-Scanner.
Viele Bürger haben einfach Angst, vor dem Abflug künftig mit Nackt-Scannern bis auf die Haut durchleuchtet zu werden. „Die Bilder zeigen jeden körperlichen Makel. Damit fällt auch das letzte Stück Intimsphäre für Fluggäste weg“, schimpft der luftfahrtpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Jan Mücke. Die Regierung von Oberbayern gibt zumindest für den Münchner Flughafen vorerst Entwarnung: Für die Genehmigungsbehörde sind die Bilder aus dem Nackt-Scanner nicht scharf genug! „Die Technik der Geräte ist aus unserer Sicht noch nicht so weit, dass ihr Einsatz eine Verbesserung darstellt“, sagte Regierungssprecher Heinrich Schuster zur tz.
Ab Ende des Jahres will die Bundespolizei die Scanner im Labor testen. Sollten die Geräte irgendwann in München zum Einsatz kommen, müssen Fluggäste laut Schuster aber nicht befürchten, dass die Sicherheitskräfte „alles“ sehen: „Ich würde nicht sagen, dass die Geräte so detailgetreu sind.“ Nach Meinung der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) bleibe die Intimsphäre gewahrt: Der Kontrolleur am Bildschirm werde die zu überprüfende Person nicht direkt sehen können. „Damit wird ausgeschlossen, dass das Bild der Person direkt zugeordnet werden kann“, erklärte Geschäftsführer Ralph Beisel.
Im Bundestag hingegen warnten gestern SPD, FDP, Grüne und Linke vor einer grundgesetzwidrigen Verletzung der Intimsphäre: „Ein Flughafen ist kein FKK-Strand, und Flugpassagiere sind nicht Akteure einer Peepshow“, kommentierte Linke-Specherin Ulla Jelpke. Grünen-Chefin Claudia Roth erklärte: „Der Kontrollwahn, der beim Thema Body-Scanner sichtbar wird, nimmt krankhafte Züge an.“
In München werden die Fluggäste also bis auf Weiteres nur abgetastet. Zudem sucht das Sicherheitspersonal mit Scannern nach Metall, das Gepäck wird mit Röntgenstrahlen überprüft. Meist finden die Kontrolleure nur Sachen des alltäglichen Gebrauchs wie Taschenmesser oder Nagelscheren, die in Handgepäck oder Hosentasche nichts verloren haben. Für Kopfschütteln sorgte jüngst ein Reisender, der in seinem Rucksack eine zerlegte Harpune mit in die Maschine nehmen wollte.
Woran viele auch nicht denken, ist, dass größere Mengen an Flüssigkeiten nicht ins Handgepäck dürfen. Schuster hat ein hochprozentiges Beispiel von einer Kontrolle parat: Ein Fluggast kippte seine Wodka-Flasche schnell runter und brach dann zehn Meter weiter zusammen. René Seebacher
Quelle: tz

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