731.12.08|München|19 Kommentare
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Genau 36 Jahre lang von der Gründung des MVV 1972 bis 2008 hatte der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund für eine einheitliche Beschriftung aller Fahrkarten-Automaten im gesamten MVV-Bereich gesorgt.

© Jantz
Der neue Aushang (siehe unten) an den Automaten verwirrt viele Fahrgäste.
„Die alte Beschriftung hatte sich bewährt“, sagt MVV-Sprecherin Beate Brennauer. Unkompliziert war die alte Beschriftung zwar auch nicht, der Kunde fand das Wesentliche aber zumindest auf einen Blick: Die Info, wie weit die Kurzstrecke gilt, welche Tickets man für Ziele in München braucht und eine alphabetische Auflistung aller MVV-Bahnhöfe in der Region. Umgekehrt fanden die Reisenden an den S-Bahnhöfen der Region ebenfalls das Wichtigste im Überblick: Was die Fahrt nach München kostet und bis zu welchen Stationen die Kurzstrecke vom Ausgangsbahnhof reicht. Diese Infos fehlen jetzt.
Pikanterweise ist mit MVG-Chef Herbert König ausgerechnet der Vizepräsident des VDV für die neuen Pläne verantwortlich. Und der findet seine Tableaus besser als das VDV-System. König: „Die neue Benutzerführung sorgt für Übersichtlichkeit. Der überwiegende Teil unserer Kunden nutzt Zeitkarten oder Abos und braucht sich daher ohnehin nicht mit dem Fahrscheinautomaten zu befassen.“ König räumt aber ein: „Die Informationsdichte auf dem neuen Tableau nimmt zwangsläufig zu.“ König hat die neuen Aushänge mit 500 Kunden getestet. Das Echo war angeblich positiv.
So funktioniert der Kartenkauf mit neuem Plan
Die neuen Aushänge der MVG, die seit Fahrplanwechsel Mitte Dezember an allen Fahrkartenautomaten in der Stadt München sowie im gesamten S-Bahn-Netz hängen, können weniger routinierte oder gar eilige Fahrgäste vor Probleme stellen. Denn die neuen Tariferklärungen machen es mitunter erheblich schwerer, an das richtige Ticket zu kommen, als bisher.
Beispiel 1:Ein Kunde will vom Böhmerwaldplatz (U4) nach Niederroth bei Dachau an der S-Bahn Linie A fahren. Wie viele Tarifzonen braucht er? Während früher der Aushang am Automaten informierte, dass alle Orte innerhalb Münchens in der „Stadtzone“ liegen und der Zielbahnhof einfach unter N im Haltestellenverzeichnis (das es nicht mehr gibt) zu finden war, muss man jetzt auf dem farbigen Plan suchen. Der Böhmerwaldplatz an der U 4 liegt in der weißen Zone, Niederroth in der gelben Zone. Dazwischen liegt die grüne Zone. Macht also zusammen drei Zonen. Man liest dann oben unter der Rubrik „eine Fahrt“, dass man die Taste „3“ drücken oder sechs Streifen der Streifenkarte entwerten muss.
Beispiel 2:Der Fahrgast will mit der S 8 von Grafrath zum Ostbahnhof. Bisher fand er in der Region neben dem Ortsverzeichnis mit allen Stationen einen extra Infokasten auf den Automaten. Darin standen die für ihn wesentlichen Informationen, weil die meisten Gelegenheitsfahrer in die Landeshauptstadt wollen: „Nach München drei Zonen oder sechs Streifen“ und auch der Hinweis, dass bis Buchenau oder Geltendorf nur eine Kurzstrecke zu lösen ist.
Auf dem neuen, von Marketing- und nicht mehr Tarifexperten der Münchner Verkehrsgesellschaft entwickelten Automaten-Tableau fehlt dieser einfache, aber wichtige Hinweis jetzt. Wer als Gelegenheitsfahrer wissen will, was die Fahrt nach München kostet, muss jetzt erst in der Übersichtskarte die Zonen zählen (gelb, grün, weiß – also drei). Und wer wissen will, wie weit die Kurzstrecke geht, muss jetzt erst den Hinweis unter „1 Fahrt“ lesen: „Sie gilt vier Stationen, davon zwei mit S-Bahn oder U-Bahn.“ Mit diesem Wissen, muss der Kunde wieder auf den Liniennetzplan schauen, um die Stationen abzuzählen. Als einzige „Erleichterung“ sind die Abfahrtsstationen bei der S-Bahn mit einem kleinen roten Kreis eingekringelt. Dieser ist leider so unauffällig, dass der Fahrgast schon wissen muss, wo er zu suchen hat. Ein weiteres Manko: Gerade im Dunkeln und für ältere Menschen ist die teilweise weiße, winzige Schrift auf blauem Grund kaum lesbar.
Karl-Heinz Dix
Quelle: tz

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