2712.12.08|München|355 Kommentare
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Neufahrn/Freising - Durcheinander an den Bushaltestellen, überfüllte Schulbusse: Die Nerven bei Schülern und Fahrern liegen oft blank.
In Neufahrn (Kreis Freising) eskalierte diese Situation. Der Fahrer sperrte die Kinder 20 Minuten lang ein – er war mit einer Mandarinenschale beworfen worden.
Wie jeden Mittag verließ der Bus eines privaten Unternehmens, der im Auftrag des MVV unterwegs ist, am Mittwoch die Haltestelle „Hallenbad“ am Oskar-Maria-Graf-Gymnasium und der Hauptschule. Fahrtrichtung: von Neufahrn nach Hallbergmoos. Der Bus der Linie 691 war voll besetzt. Doch die Fahrt endete abrupt und nach nur wenigen hundert Metern. Weil eine Mandarinenschale durch den Bus flog und, so die übereinstimmenden Schilderungen von Kindern, an die Scheibe des Busses geprallt war.
Das Geschoss erboste den Fahrzeugführer derart, dass er den Bus am Straßenrand anhielt. Die nächste Haltestelle war nur 20 Meter entfernt. Der Fahrer forderte den Mandarinenschalen-Werfer auf, sich zu stellen – sonst würde er nicht weiterfahren. Nach 20 Minuten waren die Kinder so eingeschüchtert, dass Joshua B. (12) sich zu seiner Tat bekannte. Der Bub ist nicht als Störenfried bekannt, er ist Klassensprecher und Sportler. Die Mandarinenschale war ihm zuvor selbst zugeworfen worden, erzählte er seinen Eltern später. Der Busfahrer nahm Joshua zur Strafe das Jahresticket ab!
Während des Zwangshalts hatten einige Schüler per Handy ihre Eltern alarmiert. Verschiedene Kinder berichteten von Einschüchterungen und Drohungen des Busfahrers. Nach dem Anruf ihrer weinenden Tochter hatte sich eine Mutter aus Hallbergmoos ins Auto gesetzt und den immer noch im Neufahrner Ortsteil Mintraching abgestellten Bus erreicht.
Als die Mutter den Fahrer durchs Busfenster bat, die Tochter herauszulassen, habe der Fahrer sie angeschrieen: „Ich lass mich doch nicht beschmeißen! Hier kommt keiner raus!“, erinnert sich die Mutter. Der Busfahrer gab Gas – und öffnete erst an der übernächsten Haltestelle die Türen. Endlich durften die Kinder aussteigen.
Joshua B. ging vor dem Busfahrer auf die Knie und bat ihn – vor den Augen der anderen Kinder und einer zufällig anwesenden Polizeistreife – um Verzeihung. Der Fahrer soll sich laut Zeugen wortlos abgewendet haben.
In Hallbergmoos, dort wohnt ein Großteil der Kinder aus dem Bus, schlug der Vorfall hohe Wellen. Im Rathaus beschwerten sich Eltern, deren Kinder verstört von der Schule heimkamen, reihenweise über das unangemessene Verhalten des Busfahrers. „Unsere Tochter hat Angst, wieder in den Bus zu steigen“, berichtete eine Mutter. Ein Elternteil hat bereits Strafanzeige wegen Nötigung und Freiheitsberaubung gestellt. Die Eltern sind sich einig: „Dieser Mann darf nie wieder Kinder befördern.“
Der Münchner Verkehrsverbund (MVV) hingegen ist der Ansicht, der Fahrer habe vorbildlich reagiert. Die Schüler hätten Scheibenvorhänge heruntergerissen und die Mandarinenschale „gezielt“ auf den Mann geworfen. Durch sein Verhalten habe er eine Verkehrsgefährdung verhindert. Der Busfahrer klärt nun, ob er Anzeige erstattet. Auf der Linie 691 will er allerdings keine Fahrten mehr übernehmen.
Eva Oestereich
Quelle: tz

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