München - Der Kandidat soll etwas aus seinem Leben machen, er wolle doch „kein Hartz-IV-Empfänger oder Anstreicher werden“. Mit diesem „guten Rat“ bringt DSDS-Chef-Juror Dieter Bohlen die Münchner Maler in Rage. Ihr offener Brief an den Pop-Titan.

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DSDS-Juror Dieter Bohlen
Zudem sei der Beruf des Malers auch einer mit guten Karriere-Chancen. Roland Keil: „Ein Facharbeiter verdient ohne Zulagen etwa 2400 Euro im Monat. Und wenn er seine Gesellenprüfung geschafft hat, kann er nach zwei Jahren auf die Meisterschule gehen und danach Firmen mit Umsätzen in Millionenhöhe führen. Der Diplom-Ingenieur Keil hat nach dem Tod des Schwiegervaters den Betrieb übernommen und kann nun jährlich ein Umsatzvolumen von durchschnittlich 3,1 Millionen Euro vorweisen. Die Aufträge können sich sehen lassen: Elf U-Bahnhöfen hat die Firma zu neuem Glanz verholfen, zuletzt dem in Moosach. Die Angestellten haben im Nationaltheater die Säulen marmoriert, am Arco-Palais die Fassade aufpoliert und dem Mittelbau von Schloss Schleißheim zu seinem Glanz verholfen. „Ich lade Herr Bohlen gerne ein, mal einen Tag bei uns vorbeizuschauen. Dann wäre er schnell kleinlaut.“
Nina Bautz
„Die Carbonatisierungstiefe wird mit Hilfe von Phenolptha-leinlösung an einer Schadstelle geprüft. Beschreiben Sie die Durchführung dieser Prüfung und erklären Sie das Prüfergebnis.“ Sie verstehen nur Bahnhof, liebe Leser? Das ist eine Aufgabe aus der Gesellenprüfung Sommer 2010 im Ausbildungsberuf Maler und Lackierer, Prüfungsteil B2 „Instandhaltung und Bautenschutz“. „Das beweist wohl, dass es bei diesem Beruf nicht nur darum geht, Wände weiß anzustreichen“, sagt der Leiter des Berufsbildungszentrums der Münchner Malerinnung, Michael Doll. „Ich stelle infrage, ob Herr Bohlen unsere Gesellenprüfung bestehen würde?“ Er führt an, das etwa 25 Prozent der jährlich um 130 Maler-Lehrlinge in München die Gesellenprüfung nicht packen würden. Sie besteht aus zwei Teilen: Fünf Stunden schriftliche Prüfung mit 80 Prozent offenen Fragen aus den Bereichen Wirtschaft- und Sozialkunde sowie Gestaltung und Instandhaltung. „Da sind vor allem chemische, physikalische und fachmathematische Kenntnisse gefragt.“ Dazu kommt eine 24-stündige praktische Prüfung mit bis zu zehn Aufgabenstellungen.



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