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Das sind Münchens Problem-Plätze

Das sind Münchens Problem-Plätze

Am Dienstag wird im Stadtrat über Münchens Problem-Plätze diskutiert. Als Grundlage dient eine Einschätzung von KVR und Polizei. Wo die häufig in Gruppen auftretenden Trinker, Obdachlosen und Junkies am meisten stören:

© Kurzendörfer

Auch der Orleansplatz gehört zu den Problem-Stellen

München bleibt die sicherste Millionenstadt Europas, darauf verweist Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer in seiner Bilanz für das vergangene Jahr. Vor allem die Straßenkriminalität liegt auf dem niedrigsten Stand seit Erfassung dieser Verbrechen wie Raub, Körperverletzung oder Vergewaltigung. Dennoch diskutiert der Stadtrat am Dienstag über die Brennpunkte Münchens: Wo treffen sich Trinker und Junkies?

SPD-Stadtrat Christian Müller hatte das gefordert. „Vor allem auf Plätzen außerhalb des Zentrums wie in Pasing oder Neuperlach gab es immer wieder Beschwerden von Bürgern“, sagt Müller. Anwohner und Geschäftsleute berichteten von Problemen mit Gruppen, die kräftig bechern. Die Menschen verbreiteten Angst und ließen ihren Müll liegen – nicht nur an Sendlinger Tor oder Hauptbahnhof.

Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle will am Dienstag seinen Bericht vorstellen: Demnach gäbe es Konflikte, die Polizei verzeichne aktuell 27 Plätze in der Stadt, an denen sich die Szene trifft. An fast der Hälfte seien regelmäßig mehr als zehn Leute anzutreffen. Dazu gehörten überwiegend Junkies, Obdachlose und sogenannte Wohnungsflüchter. Vor allem sind das (ältere) Männer, die zwar eine Wohnung und manchmal auch einen Job haben, sich aber vor Einsamkeit auf der Straße treffen, um mehr als ein Feierabend-Bierchen zu trinken.

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Nach einer Studie im Auftrag der Stadt von 2008 unterscheide sich das Publikum jeweils: Viele Gruppen haben ihre Stammplätze – und wenn sie sich begegnen, gehen sie sich fast überall aus dem Weg. Während die Trinker eher ihre Nachbarschaft belagern, fahren die Junkies durch die ganze Stadt. Frauen sind überall die Ausnahme.

Nicht immer bleibt da alles friedlich. Die Stadt will neben Prävention auch die Muskeln spielen lassen. Verwaltung und Polizei tauschen sich im Sicherheits- und Aktionsbündnis ständig aus. Das KVR will abgestuft vorgehen: Fruchten bei Alkoholikern und Pöblern Einsätze der Polizei und Bußgelder nicht, hagelt es Aufenthaltsverbote. Bei Junkies reicht dafür schon ein zweiter Verstoß. „Wir wollen eine Verfestigung der Szene vermeiden“, sagt KVR-Sprecherin Daniela Schlegel. Allein Gegenden rund um Hauptbahnhof, Sendlinger Tor und Orleansplatz dürfen sich derzeit 150 Münchner nicht nähern.

David Costanzo

Alkohol, Drogen und Obdachlose: Die Einschätzung von Stadt und Polizei

Laut Polizei gelten derzeit 27 Orte als Treffpunkte von Problemgruppen. KVR-Chef Blume-Beyerle verweist auf eine Studie, in der das Sine-Institut 2008 für die Stadt 20 Plätze auf ihr Publikum untersucht hat. Allerdings könne sich die aktuelle Situation auch ändern, sagt KVR-Sprecherin Daniela Schlegel – siehe Orleansplatz. Die Ergebnisse der Studie:

- Hauptbahnhof: Auch wenn in der Schützenstraße die Drogenszene verdrängt werden konnte, bleibt der Hauptbahnhof aus Sicht von KVR und Polizei einer der kritischen Brennpunkte. Hier liegt auch der Schwerpunkt der Streetworker der Stadt. Im Umfeld treten wie in der Fußgängerzone Bettlerbanden auf.

- Sendlinger Tor: Laut KVR und Polizei der zweite kritische Platz. Am Sendlinger Tor mischen sich Junkies, Obdachlose und Trinker. Allerdings habe sich die harte Szene laut Polizei dank Videoüberwachung weitgehend aufgelöst. Die Zahl der Straftaten sank in den ersten sechs Monaten von Juli bis Dezember 2010 auf 131 – ein Minus von 42 Verbrechen zum Vorjahr!

- Party-Meilen: Hier muss die Polizei immer wieder einschreiten. Neben der Kultfabrik (Optimolgelände) im Osten der Stadt bildeten Maximiliansplatz und Sonnenstraße im Zentrum aktuelle Schwerpunkte. Am Gärtnerplatz sind zusätzlich regelmäßig Streetworker für Obdachlose unterwegs. Jetzt in Frühling und Sommer gesellten sich auch Grillplätze in Ostpark, Westpark und an der Isar dazu.

- Michaelibad: Hier treffen sich nach einer Studie der Stadt vor allem Wohnungsflüchter aus der Nachbarschaft, die zwar oft beschäftigt oder in Rente sind, sich aber nach Feierabend zum Trinken treffen.

- Kolumbusplatz: Hierher kommen Obdachlose und Trinker.

- Orleansplatz: Am Süchtigen- und Trinker-Brennpunkt hat sich nach Einschätzung der Polizei die Situation deutlich verbessert, darum habe die Videoüberwachung wieder abgebaut werden können. Die Zahl der Straftaten sank von 165 im Jahr 2006 auf 57 im Jahr 2009.

- Plettzentrum (Neuperlach): Hier trafen sich lange bis zu 20 Süchtige. Behörden, Sozialarbeiter, Nachbarn und die Gruppe konnten einen neuen Platz in der Nähe finden, an dem es nun ruhiger zugeht.

- Goetheplatz: Zur Szene gehören Obdachlose und Wohnungsflüchter, die wie am Michaelibad oft erwerbstätig sind, hier aber nicht aus der Nachbarschaft stammen.

- Vater-Rhein-Brunnen an der Isar, Herzog-Wilhelm-Park im Zentrum und Alramstraße in Sendling gelten als Treffpunkte von Wohnungsflüchtern und Obdachlosen.

- Westend: Auf Heimeran-, Georg-Freundorfer- und Gollierplatz treffen sich neben Wohnungsflüchtern nach einer Studie der Stadt vorwiegend auswärtige Drogenkonsumenten, was wohl an der nahen Suchtambulanz liegt.

- Zum Rotkreuzplatz und in Pasing an Bahnhof und Marienplatz kommen vor allem Wohnungsflüchter.

- Münchner Freiheit: Einer der wenigen Plätze, an denen Drogenabhängige, Obdachlose und Wohnungsflüchter gleichermaßen vertreten sind. Schwerpunktgebiet der Streetworker. Anders als an allen anderen Plätzen sind Frauen hier keine Ausnahme, sondern treten sogar in Gruppen auf.

- Hohenzollernplatz: Junkies sind anzutreffen und Wohnungsflüchter, die in der Mehrheit in der Nachbarschaft wohnen.

- Hasenbergl: Arbeitslose Hasenbergler treffen sich laut Studie der Stadt besonders an Rosengarten, Pavillon und Pfarrer-Steiner-Platz – oft zum Trinken. Dazu gesellen sich auch Drogenkonsumenten.

Die Untersuchung

Die Plätze ließ die Stadt auf ihr Publikum untersuchen. Das Süddeutsche Institut für empirische Sozialforschung (Sine) fand 2008 sehr unterschiedliche Zusammensetzungen von Obdachlosen, Drogenkonsumenten und Wohnungsflüchtern. Letztere haben zwar eine Wohnung, treffen sich aber aus Einsamkeit auf der Straße. Quelle: Sine-Institut, „Stadtweite Situationsanalyse an öffentlichen Plätzen“, KVR

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