Deutsches Theater in München: Der große Baustellen-Report

Deutsches Theater: Der große Baustellen-Report

310.02.10|München|2 KommentareFacebook
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München - Nach langen Diskussionen um die Zukunft des Deutschen Theaters ist jetzt die Sanierung in der Schwanthalerstraße angelaufen. Die tz warf einen Blick hinter die Kulissen an der Schwanthalerstraße.

© Kurzendörfer

Die Sanierungsarbeiten im Deutschen Theater haben begonnen – momentan liegen im Zuschauerraum die nackten Stahlbetonwände frei.

Statt Kronleuchtern und bunten Wandverkleidungen liegen die nackten Stahlbetonwände frei – zurzeit kann man sich kaum vorstellen, dass hier jemals ein Schauspieler die Bühne betreten hat. Seit Dezember ist die Rohbaufirma auf der Baustelle. „Momentan befinden sich die Arbeiten größtenteils noch in der Vorbereitungsphase“, berichtet Rainer Gebhart von der Deutsches Theater Grund- und Hausbesitz GmbH, „wir sind aber zuversichtlich, dass wir den Zeitplan einhalten können.“

Bis zum Frühjahr 2012 soll das 79,5 Millionen Euro teure Mammutprojekt abgeschlossen sein. Ursprünglich waren für die Sanierung sogar 140 Millionen Euro veranschlagt. Rainer Gebhart erklärt, wie man die Kosten gering hält: „Wir versuchen, möglichst viele technische Einrichtungen des früheren Theaterbetriebs zu erhalten. Im Mittelpunkt steht nicht die Neuausstattung, sondern Statik und moderner Brandschutz.“ Schließlich waren es Mängel in diesen beiden Bereichen, die eine Sanierung des Deutschen Theaters notwendig machten.

Die tz warf einen Bick hinter die Kulissen der Sanierung:

Am deutlichsten sind die Veränderungen im Foyer zu sehen. Hier wurde die ganze Inneneinrichtung samt Deckenverkleidung und nicht tragender Wände entfernt. Aus den engen Gängen des früheren Eingangsbereichs ist so ein einziger großer Raum geworden. Auch nach der Sanierung soll daran im Prinzip nichts geändert werden. Das heißt: ­Höhere Decken und kaum Trennwände, die das Foyer unnötig verkleinern würden. Um den Brandschutz zu gewährleisten werden im gesamten Eingangsbereich Brandmelder und ein flächen­deckendes Sprinklersystem installiert. Die Treppenhäuser zum Zuschauersaal werden zwar nicht abgerissen, aber in Sachen Brandschutz ebenfalls auf den neuesten Stand gebracht.

© KurzendörferDie abgedeckte Bühne: Herzstück der Sanierung ist der Bühnenturm.Der Bühnenturm ist das Herzstück des Deutschen Theaters. Von der aufwändigen Bühnentechnik ist hier im Moment aber wenig zu sehen: Die Bühne ist abgedeckt und das große Verbindungsportal zum Zuschauersaal mit einer massiven Brandschutztür versperrt. Das Haupt­augen­merk der Sanierung liegt auf dem Neubau des Dachs. Dazu muss der gesamte Turm von ­einem statischen Raumgerüst getragen werden. Ohne die stützende Verbindung durch die Dachkonstruktion würden die Wände sonst einfach zusammenkrachen. Zusätzlich werden die Stützpfeiler in den Seitenwänden des Bühnenturms per Edelstahl-Vernadelung verstärkt. Dabei ummantelt man die alten Pfeiler mit Spezialbeton, anschließend werden beide Materialien durch lange Stahlstifte miteinander verbunden.

Im Zuschauersaal wurden bereits alle Stühle, Wandverkleidungen und elektrischen Installationen demontiert. Jetzt liegt das Beton- und Stahlskelett blank – und damit der größte Mangel des Deutschen Theaters. Rainer Gebhart sagt: „Das Dach ist ein Provisorium aus der Nachkriegszeit. Es muss komplett neu gebaut werden.“ Die Balken des Dachstuhls ruhen nämlich nicht auf den Pfeilern der Wand, sondern genau dazwischen. So verteilt sich das Gewicht der Dachkonstruktion ungleichmäßig und macht den ganzen Saal instabil. Bevor die Arbeiten am Dach beginnen, müssen die Pfeiler rundum verstärkt werden. Die sind seit dem Wiederaufbau in den 50er Jahren ausgehöhlt, weil in den Freiräumen elektrische Leitungen und Lüftungskanäle verlegt waren.

© KurzendörferIm denkmalgeschützten Silbersaal wird sich möglichst wenig verändern.Möglichst wenig soll sich im denkmalgeschützten Silbersaal verändern. Dieses neubarocke Schmuckstück ist als einziger Raum des Deutschen Theaters noch im Originalzustand erhalten. „Trotzdem müssen auch hier moderne Richtlinien für Brandschutz und Statik umgesetzt werden“, erklärt Rainer Gebhart. Bevor der eigentliche Umbau begann, wurde das Deckengemälde abgenommen und in der Mitte des Raumes in einem Holzverschlag vor Staub und Mauerresten geschützt. Die prunkvolle Barockverkleidung wurde angebohrt, um einen Blick auf das dahinterliegende Mauerwerk zu werfen.

© KurzendörferDer ­Boden in der Durch­fahrt zum Hinterhof muss verstärkt ­werden.Nicht nur das Gebäude des Deutschen Theaters, auch die Durchfahrt im Hinterhof wird grundlegend verändert. Sie muss den Belastungen von tonnenschweren LKW standhalten, die Requisiten anliefern. Dazu wird der Untergrund mit einer speziellen Betonmischung verstärkt. Bis die Arbeiter hier loslegen können, müssen aber noch ein paar Wochen vergehen: Für Bodenarbeiten ist es im Moment zu kalt.

Das Requisitenhaus, ein wurmstichiger Nachkriegsbau, wird abgerissen und nach modernen Richtlinien neu gebaut. Das Gebäude in der Schwanthalerstraße 23 wurde bereits abgebrochen – die Lücke dient den schweren Lastern als Zufahrt zur Baustelle. Nach Abschluss der Bauarbeiten wird das Gebäude wieder neu errichtet.

Auch das Gaststättengebäude soll generalüberholt werden. Auch hier werden Brandschutz und Statik auf den neuesten Stand gebracht.

Christoph Lang

Chronologie:

1894 wurde das Deutsche Theater von dem Architektenduo Alexander Blum und Karl Stöhr erbaut. In der Urversion erstrahlte das gesamte Theater im prunkvollen Stil des Neubarocks. Der Silbersaal gibt auch heute noch einen Eindruck von diesem Glanz der Vergangenheit.

Zum ersten Mal wurde das Theater im Jahr 1939 umgebaut. Die Einzellogen im Zuschauersaal mussten einer durchgehenden Bestuhlung weichen. Ein direkter Bombentreffer zerstörte 1943 den gesamten Zuschauerraum des Deutschen Theaters. 1951 begann der Wiederaufbau des Gebäudekomplexes im schlichten Stil der Fünfzigerjahre. Damals entschied man sich, den zuvor von Säulen gestützten Balkon und Rang freitragend zu konstruieren. Die Arbeiten dauerten neun Jahre.

Die letzte Sanierung des Deutschen Theaters wurde zwischen 1978 und 1982 durchgeführt und kostete 54 Millionen Mark. Im Jahr 2000 wurden bei einer Überprüfung gravierende Mängel in der Bausubstanz festgestellt. Am 1. Juni 2008 fiel zum letzten Mal der Vorhang in der Schwanthalerstraße. Der Theaterbetrieb wurde nach Fröttmaning verlegt. Im Dezember 2009 begann die Arbeit an den Gebäuden des Deutschen Theaters. Die Baumaßnahmen werden voraussichtlich bis zum Frühjahr 2012 abgeschlossen sein.

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