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Dieser Priester bringt den Papst in Bedrängnis

Dieser Priester bringt den Papst in Bedrängnis

München - Pfarrer H. wurde trotz Kindesmissbrauchs in München eingesetzt. Der Papst spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle.

Pfarrer H. im Kreise seiner Messdiener – genannt „Minis“: In Garching an der Alz (Kreis Altötting) wussten die Gläubigen nichts von dessen Verurteilung wegen Missbrauchs. Vor zwei Jahren verbot Erzbischof Reinhard Marx ihm jeden Umgang mit Kindern!

Die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Bad Tölz wird saniert, die Gläubigen feiern die Messe darum in der Franziskanerkirche. Das große Gotteshaus bröckelt – so, wie der Glaube in der Stadt. Pfarrer Rupert Frania hält am Sonntag eine ganz merkwürdige Predigt. Er spricht zunächst vom verlorenen Sohn, dann von der Vergebung. Irgendwann reicht es einem Pärchen mit den ganzen Anspielungen. Der Mann steht auf und erhebt die Stimme: „Was ist jetzt los mit Pfarrer H.?“ Der Gottesmann hätte die beiden bald trauen sollen. Den schönsten Tag im Leben muss das junge Paar wohl mit einem anderen Geistlichen feiern.

Pfarrer H. (62) ist derzeit nicht zu sprechen. Am Freitag kam heraus, dass der Gottesmann im Jahr 2008 nicht ohne Grund nach Bad Tölz als Touristenseelsorger kam. Pfarrer H. hat Kinder missbraucht – wurde sogar verurteilt. Über ihn hat Erzbischof Reinhard Marx kurz nach seiner Amtseinführung ein forensisches Gutachten erstellen lassen. Ergebnis: Der Mann darf keine Pfarrei mehr führen! Erzbischof Marx verbot ihm jeden Umgang mit Kindern und Jugendlichen – vor allem mit Messdienern. So konsequent war die Kirche mit Pfarrer H. zuvor nicht.

Das Erzbischöfliche Ordinariat hatte den Geistlichen nach München geholt, obwohl dessen Sünden bekannt waren. Das geschah im Jahr 1980, damals stimmte auch der Erzbischof zu – Kardinal Joseph Ratzinger, heute Papst Benedikt. Das bekennt das Ordinariat heute. Und der Papst gerät in die Schlagzeilen. Auch Reporter der New York Times und der italienischen Zeitung La Stampa haben sich an die Fersen von Pfarrer H. geheftet. Der Geistliche stammt aus dem Ruhrgebiet. 1975 kommt der gebürtige Gelsenkirchner als Kaplan nach Bottrop, wird 1978 aber schon wieder versetzt. Im Jahr darauf leitet er eine Ferienfreizeit in der Eifel, unter seinen Schützlingen ist auch der damals elfjährige Wilfried F.

Der berichtet der SZ, dass der Pfarrer ihn zum Oralverkehr gezwungen habe. Der Geistliche soll ihn mit Alkohol gefügig gemacht haben. Das Ordinariat bestätigt, dass H. daraufhin im Januar 1980 zur Therapie nach München kam. Er sollte in einem Pfarrhaus leben. Auch Ratzinger hob bei der Entscheidung die Hand. Sein damaliger Generalvikar Gerhard Gruber habe daraufhin beschlossen, dass der junge Geistliche doch auch in einer Pfarrei helfen könne. Gruber (81) heute: „Das war ein schwerer Fehler. Ich übernehme die volle Verantwortung.“ Denn der Priester wurde rückfällig. In der Münchner Pfarrei blieb er bis 1982 noch unauffällig. Doch bei seiner Tätigkeit in Grafing missbrauchte er Minderjährige.

Das Amtsgericht Ebersberg verurteilte ihn 1986 zu 18 Monaten auf Bewährung, Therapie und 4000 Mark Strafe. Nach ein paar Monaten als Altenseelsorger in einem Heim durfte der Täter wieder in eine Pfarrei. Das geschah 1987 – zur Amtszeit Kardinal Friedrich Wetters. 21 Jahre blieb Pfarrer H. in Garching an der Alz (Kreis Altötting) und engagierte sich besonders für die Messdiener, genannt „Minis“. Übergriffe wurden nicht bekannt. Die Versetzung von Pfarrer H. im September 2008 traf die Gläubigen in Garching wie aus heiterem Himmel, viele weinten bei seiner letzten Messe. Alle lobten ihn als „Priester zum Anfassen“. Ihnen blieb verborgen, warum Pfarrer H. nach Bad Tölz musste.

Seitdem hat er das Kontaktverbot zu Minderjährigen gebrochen: Im April 2009 hielt er einen Gottesdienst mit Mädchen in Freilassing, im August beim Zeltlager am Starnberger See, und bei der Messe in Garching waren auch Kindergartenkinder beteiligt.

D. Costanzo, A. Steppan

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