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Michaelas feiger Mörder ist immer noch frei

Michaelas feiger Mörder ist immer noch frei

Das Leben muss ja weitergehen. Man kann es sich nicht vorstellen, aber es geht weiter.“ Das sind die Worte einer Frau, der das Schlimmste geschah, was einer Mutter geschehen kann.

Betroffene Gesichter bei Polizisten und Bestattern. Michaelas Leiche wird auf einer Trage aus dem Bahngelände zum Wagen getragen. Die Schülerin war von ihrem Mörder vergewaltigt und wie Müll weggeworfen worden

© Kurzendörfer

Betroffene Gesichter bei Polizisten und Bestattern. Michaelas Leiche wird auf einer Trage aus dem Bahngelände zum Wagen getragen. Die Schülerin war von ihrem Mörder vergewaltigt und wie Müll weggeworfen worden

Die Münchner Kellnerin Helga Eisch war 28 Jahre alt, als ihre kleine Tochter Michaela (8)verschwand. Einen Monat lang lebte die Frau wie in Trance, bevor am 14. Juni 1985 schließlich das Schlimmste Gewissheit wurde. Michaela – ihr liebes, kleines „Mickymäuschen“ – war tot. Ermordet von einem Sexualverbrecher, der dieses arme Kind missbrauchte und wegwarf wie Dreck.

Immer wieder hat die Münchner Mordkommission in den Jahren danach versucht, mit großangelegten Öffentlichkeitsfahndungen neue Hinweise zu bekommen. Rund 1600 Männer – Anwohner, Kleingärtner, Stadtstreicher, Jogger – wurden vernommen. Tatsächlich fügten sich im Laufe der Jahre immer wieder neue Puzzleteile ein. Doch ein komplettes Bild ergab sich nie. Und auch die technischen Möglichkeiten führten bis heute zu keiner Festnahme. Und so kommt der Kindermörder jetzt schon seit 23 Jahren davon ...

Rückblende: Die geschiedene Kellnerin Helga Eisch arbeitete 1985 im Frühstücksservice des „Alpenhotel“ in der Kolpingstraße nahe des Hauptbahnhofs. Jeden Morgen um 5 Uhr verließ sie die Wohnung in der Bad-Schachener-Straße (Ramersdorf), wo sie allein mit ihrer Tochter lebte. Vorher machte sie dem Kind stets das Frühstück: Marmeladen-Brot mit Milch. Weil Michaela so ein liebes und zutrauliches Kind war, schärfte ihr die Mutter wieder und wieder ein: „Du darfst nie mit Fremden gehen!“ Da kicherte Michaela immer und ­sagte: „Weiß ich doch, Mami!“

Neben den Frühstücks-Teller legte die Mutter morgens stets die rote Lederbörse mit dem Wohnungsschlüssel und etwas Geld.

So war es auch am Morgen des 17. Mai 1985. Michaela stand um 8 Uhr auf. Um 12 Uhr wollte sie ihre Mutter im Hotel abholen. Zum ersten Mal durfte sie an diesem Tag allein mit der U-Bahn vom Innsbrucker Ring zum Hauptbahnhof fahren. Den Vormittag verbrachte die Kleine auf dem Spielplatz und bei der Oma. Um 10.20 Uhr telefoniert sie mit ihrer Mami: „Ich komme bald“, sagte sie zum Abschied. Es war ein Abschied für immer.

Ihre Freundin begleitete sie bis zur U-Bahnstation Innsbrucker Ring. Die Kripo erfuhr später, dass sie tatsächlich im Alpenhotel war. Doch Mutter und Tochter müssen sich knapp verpasst haben.

Bis zum späten Nachmittag wurde Michaela im Viertel um die Josephsburg von einem Lehrer und anderen Kindern mehrfach gesehen. Einer Nachbarin fiel auf, dass sich das kleine Mädchen besonders hübsch angezogen hatte: weißer Faltenrock, ein neues weißes T-Shirt mit Kuschelbär-Aufdruck, schwarze Ballerina-Schuhe und blaue Strickjacke.

Gegen Abend wird ein Mädchen im weißen Faltenrock in Begleitung eines Mannes an einem Kiosk an der Wittelsbacherbrücke gesehen. Noch später sah ein Zeuge, wie dieses Kind mit einem Mann (ca. 30 Jahre alt, 1,85 Meter groß, schlank mit dunkelblondem, dichten Haar) über den Zaun ins dicht bewachsene Gelände unterhalb an der Braunauer Eisenbahnbrücke (Glockenbachviertel) steigt....

29 Tage später – am Mittag des 14. Juni – findet ein Arbeiter des E-Werks die stark verweste Leiche von Michaela in genau diesem, von Unkraut überwucherten Gelände. Die Achtjährige wurde offenbar noch am Abend ihres Verschwindens vergewaltigt und mit ihrem eigenen Baumwollhöschen erdrosselt. „Sie müssen jetzt stark sein, Frau ­Eisch....“, sagte der Kriminalbeamte.

Helga Eisch war und blieb stark. Sie arbeitete, sie kaufte ein, sie traf Freunde. Jeden Tag staubte sie Michaelas Plüschtier-Sammlung ab und saugte den Teppich des Kinderzimmers. Sie brachte sogar ein Lächeln zustande, wenn sie den anderen Kindern am Spielplatz zuwinkte. Nur Trost und innere Ruhe – das fand sie nie mehr. Sieben Jahre nach dem Tod ihres Mickymäuschens starb Helga Eisch im Herbst 1992 an einem Asthma-Anfall. Sie wurde nur 35 Jahre alt.

Wo ist das rote Schlüssel-Etui?

Bevor die Mutter früh morgens das Haus verließ, legte sie stets ein rotes Lederetui mit fünf Mark und dem Haustürschlüssel auf Michaelas Frühstückstisch. Das kleine Mädchen hatte ihn auch am Tag seines Verschwindens bei sich. Doch dieses rote Leder-Etui samt dem Zeiss-Ikon-Schlüssel (Registrierungs-Nummer 352665) ist am Tatort nicht mehr gefunden worden. Die beiden Gegenstände könnten sich also noch heute im Besitz des Mörders befinden.

Hinweise nimmt die Münchner Mordkommission unter Tel. 089/2910-0 entgegen.

Das geschah am 17. Mai 1985

Wenn es nicht gerade der Hochzeitstag war – wer könnte heute noch sagen, wo er in den Tagen um den 17. Mai 1985 war? Einige Anhaltspunkte: An jenem Freitag, an dem Michaela Eisch verschwand, war es in München sonnig und warm. Die Münchner diskutierten nach einem Kircheneinsturz und Beschädigung der Wieskirche über ein Verbot für Tiefflüge. Roy Black wurde an jenem Tag zu 10 000 Mark Strafe wegen einer Alkoholfahrt (2,58 Promille) verdonnert.

In Bonn war am 13. Mai Mildred Scheel gestorben. Die Fernseh-Nation dachte über ein würdiges Ende für Dallas-Darling Bobby Ewing nach. In der ARD lief an diesem Abend die Arzt-Schnulze Dr. Holl und im ZDF klärte Derrick einen „Unheimlichen Abgang“. Im Formel-1-Training in Monaco triumphierten Ayrton Senna und Riccardo Patrese. Dieter Hoeneß verlängerte seinen Vertrag beim FC Bayern.

Quelle: tz

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