Lufthansa: Flugreise München – Chile in knapp 15 Stunden bewältigt

So schafften wir den Rekordflug

008.02.10|MünchenFacebook
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München - So lange war noch keine Lufthansa-Maschine in der Luft: 15 Stunden von München nach Santiago de Chile – ohne Zwischenstopp!

Vier Piloten und mehr als 170 Passagiere haben diesen Rekord jetzt in dem 75 Meter langen Airbus 340-600 aufgestellt – dem längsten Passagierflugzeug der Welt. Einer der Piloten ist Kapitän Martin Hoell (50) aus Ingolstadt: „Mir war erst gar nicht bewusst, dass dieser Flug der längste der Lufthansa-Geschichte werden sollte“, erzählt der Kapitän. Erst zwei Stunden vor Abflug hat er es erfahren. „Ich habe mich natürlich sehr gefreut, so einen seltenen Flug durchführen zu dürfen.“

Im tz-Interview erzählt Martin Hoell von dem Abenteuer, das kurz vor Mitternacht in München begann und nach 14 Stunden und 43 Minuten in Chiles Hauptstadt endete:

Herr Hoell, 12 500 Kilometer in fast 15 Stunden – wie ist das zu schaffen?

Martin Hoell: Wir waren vier Piloten an Bord. Im Cockpit gab es also einen Wechsel. Je zwei Piloten haben das Flugzeug gesteuert, während sich die anderen ausruhen konnten. Fliegen ist immer Teamarbeit von Pilot und Co-Pilot.

Konnten Sie sich denn in den Pausen überhaupt richtig ausruhen?

Hoell: In der Maschine haben wir zum Glück eine kleine Kabine, in der wir schlafen können.

Wie bereitet man sich auf so einen Flug vor?

Hoell: Mit dem Co-Piloten im sogenannten Briefing: Hier werden Flugroute und Wetterdaten noch einmal genau studiert, andere Details besprochen, wie die Angaben über die Menge an Kerosin und das Gesamtgewicht der Maschine.

Das sind die sichersten Fluglinien der Welt

In Hochgeschwindigkeit einmal quer über den Globus – lässt sich der Ausblick da genießen?

Hoell: Da geht es uns nicht viel anders als den Passagieren, außer dass wir das Glück haben, vorne aus dem Flugzeug zu schauen. Die Welt von oben zu sehen hat etwas Faszinierendes. Das Fliegen packt uns Piloten immer wieder aufs Neue.

Sie mussten viele Staaten überfliegen. Was hat Sie am meisten beeindruckt?

Hoell: Ohne Zweifel der Blick auf den argentinischen Aconcagua. Der Berg ist mit 7000 Metern der Höchste der südlichen Welthalbkugel.

Nachts im Münchner Winter starten und morgens in der Sonne Südamerikas landen – eine Zeitreise?

Hoell: Ja, das kann man so sagen. Vor allem, weil der Flug sehr lange durch die Nacht ging. Hell wurde es erst über Brasilien. Beim Abflug hatten wir Minustemperaturen, in Santiago de Chile knapp 30 Grad. Da freut man sich natürlich.

Sie haben als Pilot sehr viel Verantwortung. Wie werden Sie damit fertig?

Hoell: Hier spielt unsere Ausbildung und das ständige Training eine wichtige Rolle. Viermal im Jahr ­trainieren wir in einem Simulator die unterschiedlichsten Flug­situationen. Gutes Training ist die Voraussetzung, um dem Druck standhalten zu können.

Welchen Rekord wollen Sie als nächstes brechen?

Hoell: Wir werden sehen. Jetzt bin ich erstmal glücklich über den tollen Flug von München nach Chile.

Kurioses zwischen Himmel und Erde

Um 10.38 Uhr Ortszeit landeten Martin Hoell und seine Pilotenkollegen in der südamerikanischen Metropole Santiago de Chile. Sie haben gerade den internen Rekord der deutschen Kranich-Airline vom 25. November 1994 gebrochen: Der Flug von Frankfurt am Main nach Honolulu auf Hawaii war bis dahin die größte Non-Stopp-Distanz der Lufthansa. International halten übrigens immer noch die Singapore Airlines den Rekord: Im Jahr 2004 flog ein Airbus 16 668 Kilometer von Singapur nach New York in 18 Stunden!

Mirko Capozzi

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