München - Der Radl-Sheriff mit der roten Narrenkappe soll künftig in Münchens Innenstadt für Recht und Ordnung sorgen. Doch der Straßen-Clown hat noch nicht mal eine Genehmigung.

© Welte
„Radlsicherheitsjoker“ Martin S. hat noch keine Lizenz.
Er hat eine rote Narrenkappe auf, in der ein Helm integriert ist, eine Trillerpfeife im Mund und eine große rote Papp-Hand als Anhalte-Kelle: Der Radlsicherheitsjoker, der in den nächsten beiden Jahren Münchens Radler auf Verstöße gegen das Verkehrsrecht aufmerksam machen soll. Dabei hat der Straßen-Clown noch nicht einmal selbst eine Genehmigung.
Die Rathaus-Opposition glaubt nicht daran, dass der Joker sticht: „Wer nimmt denn einen Verkehrsclown zur Überwachung des Radverkehrs ernst?“, fragt CSU-Rathaus-Chef Josef Schmid. Er hält die gesamte Vier-Millionen-Kampagne zur Radlverkehrsförderung, deren Bestandteil der Joker ist, für Geldverschwendung. „Es weiß doch jeder, dass Radln gesund ist und die Umwelt schont.“ Durch die Nutzung von Synergien, etwa durch Übernahme bestehender Broschüren oder Sponsoren, hätte man die Kampgange günstiger gestalten können, so Schmid.
Selbst der Chef der Münchner Grünen, Nikolaus Hoenning, hält nicht viel von der Aktion: „Statt das Geld in eine sündhaft teure Marketing-Aktion zu stecken, sollte man dafür sorgen, dass der Radler öfter Vorfahrt hat in der Stadt.“ Den Verkehrsclown hält er für einen Schnapsidee: „Ich glaube nicht, dass besonders viele Leute anhalten, wenn der sich ihnen in den Weg stellt.“
Der verantwortliche Bürgermeister Hep Monatzeder – selbst ein Grüner – verteidigt seinen Radl-Joker: „Wir müssen mit neuen Ansätzen versuchen, die Leute vernünftiger zu machen. Oder ist es ihnen lieber, wenn ich einen Polizisten hinstelle, der für Recht und Ordnung sorgt?“ Die Frage, ob der Joker nicht den Tatbestand der Nötigung erfüllen könnte, beantwortet Monatzeder so: „Das ist eine typisch deutsche Frage.“ Und die teure Radl-Kampagne? „Wir wollen ein Produkt verkaufen. Sie fragen doch beim Autokauf auch nicht, was die PR-Kampagne dafür gekostet hat.“
Johannes Welte



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