1007.07.08|München|37 Kommentare
Artikel drucken|Artikel empfehlen|Schrift a / A
München - Die Affäre um die Trinkgelder bei der Münchner Müllabfuhr ruft jetzt den Personalrat auf den Plan.

© Kruse
Über 700 Männer des städtischen Abfallwirtschaftbetriebes (AWM) leeren in München täglich die Tonnen. 26 von ihnen haben jetzt mächtig Ärger am Hals.
Hier werde mit Kanonen auf Spatzen geschossen, ärgert sich der Vorsitzende des Personalrates Georg Miller.
Wie berichtet, hat der Korruptionsbeauftragte des Abfallwirtschaftsbetriebes der Landehauptstadt, Peter Palatzky, Anzeige gegen einen Vorarbeiter erstattet, weil er über die Trinkgelder, die die Müllwerker traditionell vor Weihnachten von den Münchnern bekommen, nicht akribisch Buch geführt hat. Der Vorarbeiter hatte nur die Gesamtsumme angegeben.
Weitere 25 Vorarbeiter müssen mit dienstrechtlichen Konsequenzen rechnen, weil sie nicht alle Namen der Spender angeben konnten. Hintergrund war eine Dienstanweisung des Oberbürgermeisters. Es hieß, die Müllwerker müssten die Summen sowie die Namen und Adressen der Spender notieren.
Damit sollte der Versuchung entgegengetreten werden, dass sich Bürger von der Müllabfuhr Gefälligkeiten erhoffen. Personalrat Miller kann das nicht nachvollziehen: „Die Müllabfuhr hat bisher immer freundlich, zuverlässig und korrekt gearbeitet.“ Er verwahrt sich gegen den Verdacht, einzelne Besatzungen von Müllfahrzeugen hätten sich bestechen lassen. „Dem Personalrat sind aus den letzten Jahren keine Fälle bekannt, in denen Mitarbeiter des Einsammeldienstes Müll gegen Trinkgeld mitgenommen hätten.“
Der Vorarbeiter, der eine Strafanzeige bekommen habe, werde nun für seine Ehrlichkeit bestraft. „Da muss man mit dem Mann ein ernstes Wort reden, aber die Staatsanwaltschaft einzuschalten, halte ich schon für reichlich übertrieben“, sagt Miller. „Es kam zudem oftmals vor, dass in den Mülltonnendeckeln Umschläge mit dem Trinkgeld klebten, das die Hausgemeinschaften eingesammelt haben. Miller: „Wie soll man das dann zuordnen?“ Zudem seien die Müllwerker keine gelernten Buchhalter.
Johannes Welte
Quelle: tz