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Warum wollen Sie ein Islamzentrum am Stachus?

Warum wollen Sie ein Islamzentrum am Stachus?

München - Es ist mehr als nur eine Vision: Der Penzberger Imam Benjamin Idriz (38) plant ein "Zentrum für Islam in Europa München" – kurz "Zem". Die tz sprach mit ihm.

© Bodmer/Schlaf

Imam Benjamin Idriz (38) plant in München ein Islam-Zentrum mit Moschee. Der Mazedonier will die Religion mit europäischen Werten und dem Grundgesetz vereinen. Als Vorbild gilt sein modernes Gemeindezentrum in Penzberg südlich der Stadt. Als favorisierter Standort für das Islam-Zentrum gilt das Gelände an der Herzog-Wilhelm-Straße am Stachus

Der gebürtige Mazedonier will ein Zentrum mit Moschee, Museum und Bibliothek schaffen und darin auch Imame in deutscher Sprache ausbilden – in einem europäischen Islam, der auf dem Grundgesetz basiert, ohne Einfluss islamischer Länder.

Die Politik unterstützt das Projekt, genau wie Ex-Landtagspräsident und Chef des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück (CSU). Die tz sprach mit dem Imam über mögliche Geldgeber in den Emiraten und den Verfassungsschutz.

Herr Imam Idriz, der Standort in der Herzog-Wilhelm-Straße am Stachus gilt als Favorit für Ihr Islam-Zentrum. Was halten Sie davon?

Imam Benjamin Idriz: Der Standort gefällt mir besonders, weil wir wirklich ein Viereck der Religionen in München erreichen können – mit Frauenkirche, evangelischer Matthäuskirche am Sendlinger Tor und Synagoge. Damit kann die Stadt ein Zeichen setzen, dass der Dialog funktioniert. Wir versteifen uns aber nicht auf diesen Ort.

Soll die Moschee so modern aussehen wie die in Penzberg?

Idriz: Wir können einen attraktiveren, moderneren Baustil entwerfen. Damit wollen wir sagen, dass ein europäischer Stil für Moscheen möglich und wünschenswert ist. Im Europa des 21. Jahrhundert müssen wir nicht die orientalischen Länder kopieren. Falls wir uns gemeinsam mit der Stadt für ein Minarett entscheiden, wird es filigran sein, ästhetisch und modern.

Für Ihre Pläne brauchen Sie 20 bis 30 Millionen Euro und hoffen auf die Vereinigten Arabischen Emirate.

Idriz: Ich habe große Hoffnung aus den Vorgesprächen im Konsulat mitgebracht. Wir haben ein positives Signal bekommen.

Sie stehen für einen europäischen, demokratischen Islam. Wie passt das mit einem Geldgeber in den Emiraten zusammen? Die gelten als autoritäre Regime mit Scharia und Zensur.

Idriz: Viele deutsche Touristen und Unternehmer erleben die Emirate als sehr weltoffenes Land mit einem gemäßigten Islam im Vergleich zu anderen Ländern am Golf. Eine Spende wäre nicht mit Einfluss verbunden. Wir haben das Beispiel Penzberg: Der Emir von Scharjah hat unsere Moschee mitfinanziert, ohne dass er von uns etwas verlangt hat. Sein einziger Wunsch war, dass wir so integrativ und dialogfreundlich bleiben.

Ein Motiv für eine Spende könnte sein, dass München als Hauptstadt der Araber in Europa gilt. Wenn die Touristen ihre Moschee besuchen, könnten die den arabischen Islam verlangen – und nicht Ihren demokratischen?

Idriz: Nein, nein. Die Zuständigen sind sehr gut über unser Islam-Verständnis informiert und begrüßen es. Wir haben jetzt schon in Penzberg viele Touristen aus den Emiraten, die in Murnau oder Garmisch in Behandlung sind. Die sind sehr zufrieden.

In München scheiterte die türkisch geprägte Moschee in Sendling. Warum braucht München Ihr Zentrum?

Idriz: Wir wollen eine gelungene Integration der Muslime in Deutschland. Das Projekt ist ein Angebot. Davon profitiert unsere ganze Gesellschaft. Ängste werden abgebaut und eine Brücke zwischen Menschen geschlagen. Das wird ein offenes Haus.

Manche befürchten, dass so ein Bau die Unterschiede gerade zementiert. Wird darin Deutsch gesprochen?

Idriz: Deutsch wird die Hauptsprache. Dem Trägerverein gehören Menschen aus sieben Nationen an, die einzige gemeinsame Sprache ist Deutsch. Das Projekt unterscheidet sich von früheren, dass es sich mit Deutschland identifiziert, in Sachen Grundgesetz, Gleichberechtigung und Rechtsstaat – und auch mit der Sprache.

Nichtsdestotrotz haben Sie Ärger mit dem Verfassungsschutz. Am Donnerstag erscheint ein neuer Bericht. Tauchen Sie darin noch auf?

Idriz: Ich würde das bedauern. Innenminister Joachim Herrmann hat mir signalisiert, dass wir aus dem Bericht rauskommen, wenn es keine neuen Erkenntnisse gibt. Wir schützen mit unserer Arbeit aktiv die Verfassung.

Sie haben keinen Kontakt mehr zu Fundamentalisten?

Idriz: Mein letztes Telefonat mit dem Vorsitzenden der Islamischen Gemeinde Deutschlands war 2008. Und ein Gespräch beweist nicht, dass ich mit ihm im selben Boot sitze. Auch CSU-Politiker treten mit den gleichen Personen in Kontakt: Europaministerin Emilia Müller war 2006 in einer Konferenz mit ihm. Wird Frau Müller jetzt Islamismus vorgeworfen? Nein. Und der Integrationsbeauftragte Martin Neumeyer war 2009 Gastredner im Namen der Staatsregierung bei Milli Görüs. Ist es nicht eine Art Doppelmoral, wenn die Politik mich beschuldigt und die anderen nicht? Wenn wir Integration wollen, müssen wir mit allen Menschen reden. Das ist meine Aufgabe als Imam, um sie für Deutschland zu überzeugen.

Interview: David Costanzo

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