Isar-Drama: Abschiedsfeier mit Willy Michl für den ertrunkenen Vater Karl D.

Isar-Drama: Willy Michl trauert um toten Freund

814.06.10|MünchenFacebook
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München - Karl D. wollte seinen Sohn aus der Isar retten und kam dabei selbst ums Leben. Am Montag fand die ergreifende Abschiedsfeier mit seinem Freund Willy Michl statt.

© Mell

„Er war ein toller Mensch, ein liebevoller Ehemann und Vater“, sagte Willy Michl über seinen toten Freund Karl D.

Ein Herz aus brennenden Kerzen, der Sarg geschmückt mit einem rot-weißen Blumenkranz. Schluchzen. Unendliche Trauer. Um den Ehemann, den Vater, den Sohn, den Freund. „Wo war sein Glück, das er hier und jetzt gebraucht hätte?“, fragte am Montag eine kräftige Stimme. Die Stimme gehörte Willy Michl, dem Isar-Indianer. Er hielt die Trauer­rede für seinen Freund Karl D. Am Sonntag vor einer Woche war er gestorben. In der wilden Isar, die er so sehr liebte. Er wollte seinen Sohn Kevin an der Marienklause aus der Wasserwalze retten – und bezahlte mit seinem Leben. Er wurde nur 42 Jahre alt. Gut hundert Angehörige und Freunde waren am Montagmittag in die Aussegnungshalle im Krematorium am Ostfriedhof gekommen. Sie wollten sich von ihrem Karli, wie sie ihn nannten, verabschieden.

Vater will Sohn aus Isar retten und stirbt

In der ersten Reihe saß seine Frau Fabricia. Immer wieder schlug sie ihre Hände vor das Gesicht, ließ ihren Tränen freien Lauf. Die Brasilianerin steht nun ganz allein im Leben. Mit zwei kleinen Kindern. Ein drittes, einen Buben, trägt sie unter ihrem Herzen. In wenigen Wochen wird er zur Welt kommen. „Er wird seinen Vater in diesem Leben nicht kennenlernen“, sagte Willy Michl, der die Trauerrede stellvertretend für Karls Freunde vortrug.

Sie erinnerten sich an Karli als einen Menschen, für den es „keine halben Sachen“ gab. So habe er sich vor zehn Jahren selbstständig im Holz-und Bautenschutz gemacht, als sein Arbeitgeber pleite ging. „Er hat immer gekämpft.“ Auch zwei schwere Arbeitsunfälle habe er mit viel Kraft weggesteckt. Und sie erinnerten sich an Karl, der die Natur liebte. Schon als Kind sei er oft an der Isar gewesen, habe dort mit seinen Freunden viel Zeit verbracht. Besonders mochte er die Corneliusbrücke. Jenen Ort, an dem der Münchner tot geborgen worden war. Karl D.s Freunde fanden auch Worte für die Retter des kleinen Kevin. „Unser tiefer Dank gilt all jenen, die Karls Sohn gerettet haben.“

Theodoro Friesen, Pastor der brasilianischen Gemeinde München, richtete zum Schluss tröstende Worte an Karls Ehefrau und seine Familie. „Wir sind nicht bei einer Trauerfeier – es ist ein Freudenfest für Karl. Er hat es geschafft zu Gottes ewigem Frieden.“

Für seine Ehefrau und seine drei Kinder muss das Leben weitergehen – ohne geliebten Mann, ohne liebevollen Vater. Karls Freun­de helfen, so gut es geht. Sie sammeln Spenden, um die Familie zu unterstützen, die jetzt ohne jedes Einkommen dasteht. Spendenkonto Karl D., Kontonummer 66 83 22 549, BLZ 70020270, HypoVereinsbank.

J. Mell

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