Hilfe, ich wohne an der Leopoldstraße!

Die EM raubt Julia W. den Schlaf: „Langsam ist die Grenze erreicht“

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2316.06.08|München|41 KommentareFacebook
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Der Fußball-Gott war wieder einmal nicht auf ihrer Seite – und das, obwohl Julia W. den Tschechen so sehr die Daumen gedrückt hatte.

Schrecklich schöne EM: Die Fans feiern nachts auf der Leopoldstraße, Julia W. bangt um ihren Schlaf.

© Westermann

Schrecklich schöne EM: Die Fans feiern nachts auf der Leopoldstraße, Julia W. bangt um ihren Schlaf.

Durch drei Tore in der Schlussviertelstunde kickten sich die Türken am Sonntag nach einem 0:2-Rückstand doch noch ins Viertelfinale der Fußball-Europameisterschaft – und raubten der Nachrichtensprecherin (29) aus der Leopoldstraße den Schlaf.

Dabei ist Julia nicht einmal ein Fan der Tschechen. Sie möchte einfach mal wieder eine Nacht durchschlafen – und drückt immer dem Team die Daumen, dessen Fans weniger Lärm machen. Ihre persönliche Lärm-Liste: „Griechen und Türken sind eindeutig am lautesten.“ Immerhin droht von den Landsleuten des entthronten Europameisters in diesem Jahr keine Gefahr mehr. Dafür feiern die Türken eine Party nach der anderen: Erst der Last-Minute-Sieg gegen die Schweiz, jetzt die Aufholjagd vom Sonntag. Während sich Tausende begeisterter Fans auf der Leopoldstraße über den tollen Erfolg ihrer Fußballer freuten, wälzte sich Julia in ihrem Bett hin und her. Nach knapp zwei Wochen EM stellt sie fest: „Mein Schlafdefizit wird immer größer, die Augenringe werden immer tiefer.“ Ohne die eine oder andere Extra-Mütze Schlaf nach Feierabend geht bei ihr zur Zeit gar nichts.

Dabei ist Julia alles andere als eine Fußball-Hasserin: „Ich schaue so viele Spiele, wie es geht, habe vor zwei Jahren selbst WM-Partys gefeiert und gönne jedem seine Siegesfeier. Aber langsam ist die Grenze erreicht.“ Am Sonntag hatte sie nach dem Spiel vier Stunden lang das Gefühl, in einem Fußballstadion zu sein – und nicht in ihrer Wohnung. „Ich lag mal wieder schlaflos im Bett und malte mir den Tod eines Trommlers in allen möglichen Farben aus“, erzählt sie.

So wie ihr geht es zurzeit vielen Anwohnern in der Leopoldstraße, in der Sonnenstraße und an der Münchner Freiheit. Die Fans jubeln, pfeifen und schreien bis in den frühen Morgen hinein – die Anwohner fühlen sich beim Aufwachen wie gerädert. Julia W. freut sich trotzdem auf das Viertelfinale. Die Türkei spielt am Freitag gegen Kroatien. Und wenn die Mannschaft wieder gewinnt, sagt Julia, sollen sie feiern, so viel sie wollen – denn sie kann am Samstag ausschlafen.

fla

Quelle: tz

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