Grach um Tram in München - Oberbürgermeister Christian Ude zweifelt an Bekenntnis der CSU

Der große Tram-Krach

120.01.10|München|44 KommentareFacebook
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München - SPD und Grüne zoffen sich seit Jahrzehnten regelmäßig mit der CSU, sobald sich die Möglichkeit einer neuen Linie am Horizont zeigt. Am Mittwoch gab es eine Grundsatzdiskussion.

Die Grundsatzentscheidung für die Tram-Westtangente hat am Mittwoch eine Grundsatzdiskussion über die Haltung der Fraktionen zum Verkehrsmittel Straßenbahn hervorgerufen.

Erwartungsgemäß, denn SPD und Grüne zoffen sich seit Jahrzehnten regelmäßig mit der CSU, sobald sich die Möglichkeit einer neuen Linie am Horizont zeigt. Auch über Gleisanlagen in der Fürsten­rieder Straße – Teil der gestern beschlossenen Trasse – wurde im Rathaus schon in den 90er- Jahren ausführlich gestritten.

Die CSU blieb beim strikten Nein zu dieser Linie: Sie behindere den Kfz-Verkehr. Über die Hoffnung, durch die Tram werde die trennende Wirkung der Straßen gemildert, amüsierte sich Planungssprecher Walter Zöller. Er betonte allerdings, seine Fraktion halte die Straßenbahn grundsätzlich durchaus für ein sinnvolles Verkehrsmittel: „Aber nicht überall.“ Die neun Kilometer lange Trasse vom Romanplatz bis zur Aidenbachstraße „stößt bei der Bevölkerung auf breiteste Ablehnung“, so Zöller, der in seiner 38-jährigen Stadtratszeit auch schon eine Tram abgebaut hat – um die U1 zu ermöglichen. „Wir sind die größten Verfechter der U-Bahn.“

Die neue Trambahnlinie 23

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Die abgebaute Tram war die 17er, woran OB Christian Ude genüsslich erinnerte. Rot-Grün habe sie wieder zum Leben erweckt. „Die CSU war immer gegen das nächste Projekt“, so Ude, der ihre Bekenntnisse zur Tram nicht mehr glaubt. Lediglich bei der Linie Effnerplatz – St. Emmeram sei die Partei „nach jahrelangem Trommelfeuer“ in der „allerletzten Schlussphase“ dafür gewesen. Gegen die Linie 23 habe der Schwabinger CSU-Landtagsabgeordnete Ludwig Spaenle einen „Glaubenskrieg“ geführt. Dass Walter Zöller jetzt gegen die Westtangente und zugleich gegen die Elektrotram durch den Englischen Garten zu Felde zieht, sei nur durch „Ideologie“ zu erklären: Bei der Park­tram seien die sachlichen Gegenargumente (z. B. Oberleitungen) weggefallen.

Die CSU verwahrte sich gegen Udes Anschuldigung. Stadtrat Robert Brannekämper aus Bogenhausen bezweifelte im Gegenzug die Aussage in der Beschlussvorlage, „dass durch die Tram eine stadträumliche Verbesserung erreicht werden kann.“ Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher forderte CSU, FDP und FW auf zu bedenken, dass „in sechs Jahren eine ganz andere Situation“ beim Kfz-Verkehr eintreten werde.

FDP-Stadtratin Christa Stock stellte die Kostenfrage, zu der dem Planer der Stadtwerke Gunnar Heipp noch keine Angabe zu entlocken waren. Er gab zu, dass es „eine Menge kritischer Post gegeben hat“. Aber: „Dies ist ja keine fertige Planung.“ Heipp ist sicher, dass die Gesamtleistungsfähigkeit der Straßen, auf der die Tram fahren wird, erhöhen werde. Und: Klar könne man, wie von Zöller als Belustigung ins Spiel gebracht, von St. Emmeram bis zum Ratzingerplatz eine Linie fahren lassen: „Aber dass einer die ganze Strecke mit der Tram fährt, ist Blödsinn.“

tz

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