Gerrahd Polt poltert gegen die Kirche

Polt poltert gegen die Kirche

1329.07.10|München|17 Kommentare
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München - Makler, Miethaie, Zollbeamte – und Papst: Gerhard Polt schlüpft mit Vorliebe in die Haut ignoranter, latent bösartiger Zeitgenossen oder auch in die eines Heiligen, des geistlichen Oberhaupts.

© dpa

Gerhard Polt.

So geschehen bei der Verleihung des Bayerischen Kabarettpreises, der am vergangenen Montagabend im Hofgartenkabarett in Aschaffenburg aufgezeichnet wurde und am Freitag im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt wird. Statt einer Dankesrede für seinen Ehrenpreis, sprach Polt drei Minuten lang mit heller, näselnder Stimme im Duktus von Papst Benedikt XVI. im italienisch-lateinischem-Kauderwelsch über – ja, über was eigentlich?

Jedenfalls, so war aus den verständlichen Stichworten Polts herauszuhören, über die Skandale („Scandaloso“) und Höllenkrise („la crisi infernale“), die in den vergangenen Monaten die katholischen Freunde („amici cattolici“) der Kirche beschäftigte. Polts Darbietung mit gespicktem Latein und Italienisch forderte im Theatersaal Lachsalve um Lachsalve. Eine kurzer Exkurs aus Gerhard Polts Rede zu den Themen:

Regensburger Domspatzen:

Den Bubenchor bezeichnete Polt als „que dolce, innocente bambini Domspatzere di Regensburg“ (die süßen, unschuldigen Kinder, die Domspatzen von Regensburg“. Irgendwann fielen wieder Wortfetzen wie „clerici diavolo, satanico“ und eben auch „inflagranti“. Somit wurde klar, dass Polt die Missbrauchsfälle von Geistlichen auf die Regensburger Domspatzen ansprach.

Bischöfin Margot Käßmann:

Da fing Polt von der „Käßmania“ an, die eine „epidemia mortale“ mit sich gebracht hatte und zählte schlichtweg einige alkoholische Getränke mit italienisch klingenden Namen auf wie: „Grappe, Aqua Vitae, Chianti, Spumante…“ 

Grüße aus Rom:

Seine Rede beendete Polt mit den Worten – das auf deutsch: „Liebe Brüder, die ihr jetzt diese schwere Reise antreten müsst – in den Höllenschlund der ewigen Verdammnis, wünschen wir von Rom aus con tutto cuore (von ganzem Herzen): Toi, toi, toi.“

Ein Auftritt von Gerhard Polt, der wieder einmal bewiesen hat, warum seine Komik als Maßstab für deutsches Kabarett gilt. Nicht immer ist der Zeigefinger der Botschaftsübermittler. Generell macht sich Polt keine Illusionen über die Wirkung von Satire: „Ich resigniere, aber vital“, sagte er einmal.

Tina Layes

„Er ist unberechenbar“

Wenn ein Gerhard Polt „Danke“ sagt, sollte niemand eine Rede im üblichen Sinn erwarten. Das weiß auch Urban Priol (49), der die Preisverleihung im Hofgarten Kabarett Aschaffenburg moderierte. Er hatte sich schon vor der Sendung auf die polt’schen Dankesworte gefreut, wie er im tz-Interview verriet.

Herr Priol, Gerhard Polt ist immer für Überraschung gut – hatten Sie mit so einer Dankesrede gerechnet?

Urban Priol: Bei Gerhard Polt freue ich mich immer sehr und mit ganzem Herzen auf das, was er gerade macht. Ich war richtig begeistert von seinem Auftritt, die Sprechweise und der Inhalt waren einfach großartig.

Wie hat denn das Publikum auf die Papst-Persiflage reagiert?

Priol: Natürlich war es erstmal irritiert und hat sich gefragt: Was macht er jetzt da, und warum spricht er Latein? Aber Gerhard Polt hat den Ton unseres Papstes unwahrscheinlich gut getroffen, diesen leicht melancholischen Singsang, und wie er den Auftritt auf Latein durchgezogen hat – da haben die Leute schnell gecheckt, um was es geht. Und es hat ihnen recht gut gefallen.

Provokation, Tiefsinn, dieses bayerische Poltern – dafür ist Gerhard Polt bekannt. Was macht ihn Ihrer Meinung nach einzigartig?

Priol: Erstmal wären da seine Unberechenbarkeit, sein unheimliches Gefühl für Sprache und die Fähigkeit, blitzschnell alles aufzusaugen und das auch sofort zu verarbeiten. Wir haben uns schon im Zug getroffen, und es ist keine Sekunde langweilig mit ihm. Er geht auf die Bühne, steht da. Er ist ein Fels, der den ganzen Raum erfüllt – das ist einfach ganz toll.

Wie ist ein Herr Polt hinter der Bühne?

Priol: Er ist wie er ist. Das zeichnet ihn auch aus. Auf ihn zu treffen, ist immer eine große Freude.

Interview: EH

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