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Das Geheimnis der Ampeln:So errechnen sie eine Grünphase

Ampel-Geheimnis: So errechnen Sie eine Grünphase

München - In München sorgen rund 1100 Ampeln dafür, dass der Verkehr gesteuert wird. Wir lüften das Geheimnis, nach welchen Prinzipien Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer dabei Grün sehen.

Die Mutter aller Ampeln, sie war eine launische Leuchte. Als erste Lichtzeichenanlage der Welt wurde sie in London aufgestellt, am 10. Dezember 1868 vor dem House of Parliament. Kurze Zeit darauf explodierte die mit Gaslicht entflammte Lampe und - so berichten Quellen - verletzte den Polizisten, der sie bediente. Es sollte 44 Jahre dauern, bis man den nächsten Versuch mit den teuflischen Lichtern wagte.

Heute blinken etwa 1100 von ihnen in München. Die Explosions-Gefahr hat man inzwischen im Griff, denn das Gas wurde mit der Glühbirne und schließlich der LED-Technik ersetzt. Eine Ampel-Anlage an einer normalen Kreuzung kostet grob geschätzt 100 000 Euro. Ihre alten 220-Volt-Birnen werden alle zehn Monate ausgewechselt. Alle 30 Jahre wird die komplette Ampel erneuert. Die neuen Anlagen sind mit LED-Lampen ausgerüstet, die Strom sparen und länger halten. Meist montieren die Arbeiter zusätzlich einen akustischen Signalgeber für Menschen mit Sehbehinderung.

Bei allen technischen Neuerungen ist das Prinzip freilich seit 100 Jahren gleich geblieben: Grünes Licht gibt den Weg frei. Für wie lange, das ist bei allen Ampeln unterschiedlich. Pauschale Grünzeiten gibt es nicht, auch nicht bei Fußgängerampeln. Immer wieder rufen verärgerte Passanten beim Kreisverwaltungsreferat an und beklagen sich, die Grünphasen seien zu kurz, um die Straße zu queren. Eine Nachfrage zeigt: Das ist Absicht. Und es steckt System dahinter.

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Der für Signallampen zuständige Fachmann beim KVR, Christof Warislohner, erklärt das System: Wie lange eine Fußgängerampel Grün zeigt, ist vor allem eine Frage der Straßenbreite. Die Stadt geht davon aus, dass sich die Münchner im Schnitt mit 1,2 Metern pro Sekunde vom Fleck bewegen. Die Grünphase soll mindestens so lange dauern, dass man die Mitte der gegenüberliegenden Fahrbahn erreicht - also etwa drei Viertel der Straße überqueren kann. Die Intervalle sind folglich gar nicht darauf ausgelegt, die ganze Straße bei Grün hinter sich zu bringen.

Springt die Ampel auf Rot, muss man nicht befürchten, sofort überfahren zu werden. Dann nämlich beginnt die „Schutzzeit“, die in der Regel sogar länger währt als die Grünphase (siehe Modellrechnung im Kasten). Auch wenn ein Passant die Straße erst in der letzten Sekunde der Grünphase betritt, muss er noch ausreichend Zeit haben, den gegenüberliegenden Bordstein zu erreichen. Es muss also niemand umkehren und in Sicherheit hechten, nur weil die Ampel errötet.

Wie immer im Leben gibt es auch hier Ausnahmen: Wird die Straße von einer Verkehrsinsel geteilt, ist die Schutzzeit kürzer - denn man kann sich bei Rot ja auf die Insel retten. Überquert man die Kreuzung in der gleichen Richtung, in der auch der Hauptverkehr fließt, sind die Grünphasen meist deutlich länger. An Schulen oder Altenheimen können die Zeiten ebenfalls verlängert werden.

Die Stadt experimentierte hier und da mit neuen Technologien, um den Ampeln Verstand einzuflößen. Infrarot-Kameras oder Radar-Anlagen können messen, wie viele Passanten die Straße queren - und ihnen wenn nötig mehr Zeit geben. Im Rahmen eines Forschungs-Projekts testete man auch Transponder für Gehbehinderte, die die Grünphasen verlängern. Technisch ist vieles möglich, die Kosten aber sind so hoch, dass sich keine Stadt diesen Luxus leistet.

Einen speziellen Kniff gibt es aber doch: Feuerwehrwachen können die Ampeln in ihrer direkten Umgebung von ihrer Leitstelle aus ansteuern. Rückt die Truppe aus, schalten die Lichter auf ihrer Route auf Grün. Anwohner profitieren vor allem nachts davon, weil die Sirenen dann stumm bleiben können. Vom Krach explodierender Ampeln bleiben sie bekanntlich auch verschont.

Thomas Schmidt

So berechnet man seine Grün-Phase

Wie lange eine Fußgänger-Ampel in München mindestens grünes Licht zeigt, kann man selbst ausrechnen. Ausnahmen ausgeschlossen, funktioniert das in der Regel so: Die Stadt rechnet mit einer durchschnittlichen Gehgeschwindigkeit von 1,2 Metern pro Sekunde. Die Ampel zeigt (mindestens) so lange Grün, dass man in diesem Tempo die Mitte der gegenüberliegenden Fahrspur erreicht. Verfügt die Straße über vier Spuren, von der jede etwa drei Meter breit ist, ergibt sich folgende Rechnung: Die Straße ist 12 Meter breit. Die Grünphase muss ausreichen, um bei einem Tempo von 1,2 Metern pro Sekunde 9 Meter überqueren zu können. 9 geteilt durch 1,2 ergibt 7,5. Die Stadt rundet dann prinzipiell auf. Zu diesen 8 Sekunden grünes Licht kommt dann die „Schutzzeit“ bei roter Ampel hinzu, während der der Verkehr weiter warten muss. Diese muss lang genug sein, dass man die gesamte Strecke – in unserer Rechnung 12 Meter – überqueren kann. 12 geteilt durch 1,2 ergibt 10 Sekunden Schutzzeit. Insgesamt hat man also 18 Sekunden Zeit, eine 12 Meter breite Straße zu überqueren.

tom

Rubriklistenbild: © dpa

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