München - Wann immer Saif al-Arab Gaddafi Ärger mit der Münchner Polizei hat, kommt er um Ärger herum: Der 29-Jährige ist der Sohn des Herrschers Muammar al-Gaddafi. Und auf seinen Papa kann er sich auch fern der Heimat verlassen.

© Babirad
Student Saif al-Arab Gaddafi im Münchner In-Lokal Lenbach
Für Saif al-Arab kaufte Libyens Staatschef erst die Villa des Ex-HRE-Managers Georg Funke. Doch die war dem Sohnemann nach einem Umbau dann doch zu klein, weshalb er vom Bayerischen Hof nach Waldperlach umzog.
„Uns interessiert nicht, was in der Schweiz läuft“, erklärte am Montag die Staatsanwaltschaft auf tz-Anfrage. Immerhin habe sie auch mehrere Razzien durchgeführt. Doch wenn keine Beweise gefunden werden, könne es auch kein Gerichtsverfahren geben. Das Polizeipräsidium teilte indes mit: „Es gab immer wieder auch Gespräche mit Vertretern der Libyschen Botschaft.“ Die tz schildert das dunkle Leben des Gaddafi-Sohns:
Gaddafi gibt Gas: Teure Autos nennt der zweitjüngste Gaddafi-Sohn sein eigen: darunter einen Hummer, einen Cadillac Escalade, einen Jeep und einen Bentley Continental GT. Münchner Verkehrspolizisten konnten ihn damit oft genug erleben: Vier Mal stoppten sie Saif al-Arab und nach einer Zwangs-Blutentnahme musste er seinen Lappen wegen Alkohols am Steuer zeitweise abgeben. Einen Ferrari 430 beschlagnahmte die Polizei 2007, weil der Sportwagen mit 110,5 Dezibel viel zu laut röhrte.
Mordplan aus Rache? Ein bosnischer Freund Gaddafis erzählte den Behörden, als er selbst in dessen Visier geriet, vom Jähzorn Saids: Ihn habe er beauftragt, Rache an dem 4004-Türsteher zu nehmen. 100 000 Euro sei dem Libyer ein Mord wert gewesen, ein abgehacktes Bein die Hälfte, berichtet die SZ. Doch ein offizielles Protokoll dieser Aussage gab es nicht. Auch hier beendete die Staatsanwaltschaft den Fall – „mangels detaillierter Angaben“.
Waffen in Waldperlach: Der Bosnier bestätigte auch andere Aussagen, dass der Gaddafi-Sohn ein kleines Waffenlager unterhält – unter anderem mit einem Revolver und einem Sturmgewehr G35. Doch nach Razzien in Gaddafis Suite im Bayerischen Hof wie auch in der Waldperlacher Villa musste die Polizei erfolglos wieder abziehen. Der Student führte die Beamten wohl an der Nase herum.
Schmuggel mit dem Auto: Im März 2007 hatte das Auswärtige Amt einen Antrag Libyens verweigert, den Gaddafi-Sohn auf die Liste der akkreditierten Diplomaten zu setzten. Prompt erklärte Libyen einen deutschen Diplomaten der Botschaft in Tripolis für unerwünscht und Saif al-Arab fuhr weiter mit Diplomaten-Kennzeichen. Genau dieses Auto diente laut dem Chef eines Security-Unternehmens auch als
Versteck für Gaddafis Waffen: Denn bei den Razzien trauten sich die Beamten nicht an das angebliche Diplomaten-Auto heran. Erst nach einer Anfrage in Berlin erfuhr Bayerns Justizministerium von dem illegalen „CC“-Schild auf dem Wagen. Immerhin: Die Sonderkennzeichen musste Gaddafi abschrauben lassen. Doch Gaddafis Waffen waren derweil schon längst in einem Pariser Hotel: Sein Sicherheitschef sagte aus, dass mit dem BMW 760Li nicht nur die Waffen, sondern auch Munition und 200 Imitate von Rolex-Uhren außer Landes geschmuggelt wurden. Über diesen Coup habe Gaddafi herzlich gelacht, berichtet der Spiegel und zitiert einen Polizei-Ermittler: „Irgendwann schaltet sich der Bundesnachrichtendienst ein, dann ist für uns Schluss.“
Abendessen mit dem Polizei-Chef: Eine Spuck-Attacke auf einen Polizisten und die vielen Razzien weckten dann doch das schlechte Gewissen des Diktatoren-Sohns: Im August rief Saif al-Arab Gaddafi bei Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer an und bat ihn für den 28. zum Dinner mit seinem Rechtsanwalt und seinen Sekretären in den Bayerischen Hof. Die unappetitliche Geschichte wurde nach dem Luxus-Essen „diplomatisch abgewischt“, zitiert die SZ einen Beamten. Aus Schmidbauers Sicht war das Treffen ein voller Erfolg: Schließlich habe er dem Libyer klarmachen können, dass für ihn in Deutschland keine anderen Gesetze gelten. Am vergangenen Wochenende teilte die Münchner Staatsanwaltschaft schließlich mit, dass ein Verfahren wegen Waffenschmuggels gegen Gaddafi eingestellt wurde – aus Mangel an Beweisen. Immerhin gilt Gaddafi seitdem bei den Münchner Strafverfolgern als brav.
was.



Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.