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Freie Fahrt für S-Bahn-Baby - Thomas S. als Geburtshelfer

Freie Fahrt für S-Bahn-Baby - Thomas S. als Geburtshelfer

Leo ist erst zwei Tage alt, 51 Zentimeter groß und 2700 Gramm leicht – und schon ein echter Münchner Promi.

Auf Leos Privileg dürften alle Babys neidisch sein.

© dpa

Auf Leos Privileg dürften alle Babys neidisch sein.

Denn Klein-Leo, das Baby, das am Montag in der S-Bahn in Pasing das Licht der Welt erblickte, ist ab sofort Super-VIP bei der Deutschen Bahn. Leo darf für immer und „uneingeschränkt“ alle S-Bahn-Linien nutzen. Gratis natürlich. S-Bahn-Chef Michael Wuth sagte dazu am Mittwoch: „Ich möchte, dass Leo von Anfang an ein treuer Fahrgast wird.“

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Bahn-Mitarbeiter Thomas S. (20)© KruseBahn-Mitarbeiter Thomas S. (20)

Eigentlich hätten auch noch ein andere Münchner eine dicke Belohnung verdient. Ein Mann, der ganz bescheiden sagt: „Ich wollte doch nur helfen.“ Denn Thomas S. (20) ist der stille Held der turbulenten Geburt. Ein S-Bahn-Servicemitarbeiter, der durch die Scheibe im Abteil bemerkte, „wie sich vor mir eine Frau krümmte und sich den Schweiß von der Stirn wischte“.

Es ist exakt 21.07 Uhr. Die S 8 fährt in den Bahnhof Pasing ein. Thomas S. ist auf dem Weg zur Spätschicht. Und er zögert nicht lange. Erst spricht er die Hochschwangere an, erfährt, dass sie auf dem Weg ins Rotkreuz-Krankenhaus in Nymphenburg ist, „weil‘s mit der S-Bahn schneller geht als mit dem Taxi“. Er erfährt auch, dass Klein-Leo erst in zwei Wochen zur Welt kommen soll.

Leo will aber schon jetzt raus. Seine Mama kann vor Schmerzen kaum noch sprechen. Durch die Lautsprecher heißt es bereits: „Zurücktreten bitte.“ Thomas S. bekommt es mit der Angst zu tun. Er fürchtet, „dass die Frau in der vollen S-Bahn und ohne Hilfe ihr Kind zur Welt bringen muss“. Er versucht sie zu beruhigen – und handelt blitzschnell. „Wir waren zum Glück im ersten Abteil hinter dem Lokführer. Ich hab‘ wie wild gegen die Scheibe zum Führerhaus geklopft und gerufen: Hier ist eine Frau, die kriegt gleich ein Kind.“ Der Lokführer reagiert sofort, hält den Zug an, ruft den Notarzt, öffnet die Türen und bittet alle Fahrgäste „wegen eines Notarzteinsatzes in die nächste S-Bahn auf Gleis 5 umzusteigen“.

„Da hat keiner blöd gegafft. Alle sind schnell aus der Bahn raus“, sagt Thomas S. erleichtert. Inzwischen sind bereits die Kollegen vom Bahnschutz angerückt, riegeln das Abteil ab, versuchen Schulter an Schulter einen lebendigen Schutzwall zu bilden, eine Mini-Intimsphäre für die Gebärende. Auch Thomas reiht sich ein. Dann geht alles ganz schnell. Leo ist da! Mit dem ersten Schrei eilen auch schon Sanitäter und Notarzt herbei. „Ich hab‘ den Kleinen dann wenig später gesehen, wie er in einer Schutzfolie gewickelt im Arm der Mama lag“, berichtet der Held von der S 8.

Inzwischen hat er Klein-Leo schon im Krankenhaus besucht. Mehr will er nicht verraten. Er bleibt so besonnen und pflichtbewusst wie bei Leos Geburt. Danach ist er übrigens in den nächsten Zug gestiegen und hat seinen Dienst angetreten. Pünktlich.

det./ dix.

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Quelle: tz

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