Filmfest: Ticket-Chaos und etwas Glanz

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    • 29.06.12
    • München
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Der Spaß kam mit Starbuck

Filmfest: Ticket-Chaos und etwas Glanz

München - Was den Eröffnungsabend der 30. Jubiläumsfilmfestspiele betrifft, so darf man feststellen – großer Glanz ist zum Auftakt noch nicht über das Münchner Filmfest gekommen.

© dpa

Die Helden des Eröffnungsfilms „Starbuck“: die kanadischen Schauspieler Patrick Huard (r) und Julie Le Breton sowie der kanadische Regisseur Ken Scott

Erwartungen an mehr Glamour, wie es die neue Filmfestchefin Diana Iljine angekündigt hatte, sind ja immer relativ: Ist es die Anzahl der Stars, die über den roten Teppich stöckeln? Ist es der äußere Rahmen? Sind es die ­Partys? Nun, was den Eröffnungsabend der 30. Jubiläumsfilmfestspiele betrifft, so darf man feststellen – großer Glanz ist zum Auftakt noch nicht über das Münchner Filmfest gekommen.

Da standen schweißgebadete und genervte Gäste in langen Schlangen im Mathäser und begehrten Einlass, wie Schauspieler Michael Mendl, der mit Sohn Adrian extra aus Berlin angereist war, und wie viele andere erst mal zu hören bekam: „Es gibt für Sie keine Karte mehr.“ Mit langer Diskussion kam zumindest er völlig durchnässt voran, andere geladene Gäste gaben entnervt auf. Ticket-Chaos wegen Über­buchung.

Charmant aber war, dass die neue Filmfestchefin ­Diana Iljine jeden der Filmfestgäste persönlich auf dem roten Teppich begrüßte, während ihr Vorgänger Andreas Ströhl sich immer als letzter in den Kinosaal geschmuggelt hatte.

Und trotzdem: Was den äußeren Rahmen betrifft – ein Blick der Münchner nach Berlin wäre lohnenswert gewesen, wo den roten Teppich Blumen zieren, wo es zur Eröffnung einen ­launigen Moderator, ein wenig Musik und ein bisschen Show gibt.

In München durften sich die 1200 Gäste vor dem Eröffnungsfilm Starbuck erst einmal an drei sperrigen Reden erfrischen: Da setzte die neue Filmfestchefin das Kino und das Festival in Relation zur Milchstraße und kam zu dem Schluss, dass uns Filme helfen, unseren Platz in der Welt zu finden. Da räumte OB ­Christian Ude ein, nach 20 Filmfesteröffnungsansprachen Ideen-Findungsprobleme für die 21. gehabt zu haben und zitierte einen Entwurf des Münchner Kulturreferats aus dem Jahr 1978, das eine Eröffnung des Münchner Filmfestes in einem großen Münchner Biergarten vorsah (was in der Tat lustiger gewesen wäre); und da sprach ein Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle viele schnelle Worte bar jeglicher Botschaft.

Wenigstens der Eröffnungsfilm des kanadischen Regisseurs Ken Scott war lustig. Ein Film von einem ehemaligen Samenspender, der sich plötzlich mit 533 leiblichen Söhnen und Töchtern konfrontiert sieht ...

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„Ich bin wirklich wahnsinnig aufgeregt, den Film zum ersten Mal mit Publikum zu sehen“, sagte Ken Scott noch auf dem roten Teppich. „Ich hoffe, dass die Leute den Humor mögen. Der Film ist wirklich sehr lustig, aber gleichzeitig auch sehr emotional.“ Begleitet wurde Scott von den Hauptdarstellern Julie ­LeBreton und Patrick Huard, den Filmkenner den kanadischen Bully Herbig nennen.

Und es waren noch viel mehr Stars da, wie die französische Schauspielerin ­Julie Delpy (siehe Interview links), die auf dem Filmfest ihren neuen Film Familientreffen mit Hindernissen vorstellt und sich freute, wieder mal in der Heimat ihres Lebensgefährten, des Filmkomponisten Marc Streitenfeld (Ein gutes Jahr) zu sein, der in München aufgewachsen ist und mit Julie Delpy abwechselnd in Paris und Los Angeles lebt. Allerdings blieb er, wie auch ihr gemeinsamer dreijähriger Sohn Leo, wegen einer Erkältung dem roten Teppich fern ...

Dafür war Hollywoodstar Udo Kier da, der die Hommage an Rainer Werner Fassbinder anlässlich des 30. Todestages des Münchner ­Regisseurs begleitet. Er und Fassbinder hatten sich schon als Jugendliche in einer Kölner Kneipe kennengelernt, lebten später in einer Kommune in München und drehten fünf Filme zusammen. Auch Fassbinders Ex-Frau, die Schauspielerin und Sängerin Ingrid Caven, kam zur Eröffnung und freute sich sichtlich, Udo Kier zu treffen.

Mit Götz Otto und Steffen Wink trafen sich auch zwei alte Freunde auf dem roten Teppich. Demnächst stehen die beiden mit The King’s Speech zusammen auf der Theaterbühne, aber vorher heißt es noch, auf dem Filmfest Kontakte zu pflegen: „Für einen Freischaffenden wie mich ist das wie eine Messe“, sagte Wink.

Und auch Manuela Stehr ist als neue Filmwirtschaftspräsidentin der SPIO im Terminstress. „Vorher war ich erst zwei Mal auf dem Münchner Filmfest, aber dieses Mal bleibe ich die ganze Woche und erlebe die ganze Bandbreite – inklusive Meetings. Ich liebe die Stimmung rund um den Bayerischen Hof – das ist ein bisschen wie beim Filmball.“

Und dort, im Hotel Bayerischer Hof, wurde die Eröffnung mit einer Party gefeiert – getreu Fassbinders Motto „Schlafen kann ich, wenn ich tot bin“.

Mit dabei u.a. der legendäre Musikproduzent und Filmkomponist ­Giorgio Moroder, die Schauspieler und Filmemacher Hans Steinbichler, Heinrich Schafmeister, Isolde Barth, Katja und Nina Eichinger, Jo Baier, ­Johann von Bülow, Jule Ronstedt, Xaver Schwarzenberger und Prof. Susanne ­Porsche, Elisabeth Wicki-Endriss, Max Wiedemann, Carin C. Tietze, der Filmfest-Gründer Eberhard Hauff, Vanessa Jung, Rosalie Thomass, Aylin Tezel sowie Model Barbara Meier.

Ann-Catherin Karg & Ulrike Schmidt

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