„Ein Akt der Barbarei“

„Ein Akt der Barbarei“

030.01.09|München|1 Kommentar
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Die Überlegungen für den Bau eines neuen hochmodernen Konzertsaals im Münchner Marstall schlagen weiter hohe Wellen.

Der Marstall und der geplante Anbau – falls er jemals kommt. Der Marstall soll u. a. einen Konzertsaal für rund 1800 Besucher erhalten.

© tz

Der Marstall und der geplante Anbau – falls er jemals kommt. Der Marstall soll u. a. einen Konzertsaal für rund 1800 Besucher erhalten.

Die Bayerische Akademie der Schönen Künste warnt in einem offenen Brief eindringlich vor einer Realisierung des auch von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) befürworteten Projekts. Die Umbaupläne mit einem Anbau über die ganze Längsseite des Marstalls wären „ein Akt der Barbarei“, schrieb Akademie-Präsident Dieter Borchmeyer.

„Der von Leo von Klenze entworfene Marstall ist einer der bedeutendsten Bauten dieses großen Architekten, der München wie kein anderer geprägt hat“, betonte Borchmeyer. „Es ist vollkommen unverständlich und inakzeptabel, dass ein architektonisches Juwel ruiniert werden soll, um einen Konzertsaal zu gewinnen, dessen Sinn und Notwendigkeit für München umstritten ist, der aber auf keinen Fall um den Preis der Zerstörung eines herausragenden Baudenkmals verwirklicht werden darf.“ Der klassizistische Marstall würde durch einen Anbau zu einem Zwitter verunstaltet, die Verantwortlichen seien deshalb aufgerufen, „die Planung zu einem Konzertsaal in dieser Form und an diesem Ort nicht weiter zu verfolgen“.

Die BR-Symphoniker sehen das naturgemäß anders. „Offenbar ist Herr Borchmeyer noch nie um den Marstall herumgegangen“, sagt Peter Meisel, Pressesprecher des Orchesters. „Die Rückseite des Gebäudes ist erbarmungswürdig, da stehen Müllcontainer herum, und sie wird als Parkplatz genutzt.“

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit dem Chefdirigenten Mariss Jansons hofft auf eine Verwirklichung des umstrittenen Projekts, weil es bisher keine feste eigene Bleibe in der Musikstadt München hat – und das als mit Abstand bestes Orchester der Stadt. Allerdings hat auch Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) Vorbehalte gegen einen neuen Konzertsaal geäußert. „Ich stehe dem skeptisch gegenüber, wenn in München Überkapazitäten entstehen sollten, die alle miteinander höchst defizitär sind“, hatte Ude dem Münchner Merkur gesagt und damit die Interessen der städtischen Münchner Philharmoniker verteidigt. „Wir sollten eine gemeinsame Anstrengung unternehmen, so dass die Philharmonie nach einer Renovierung für beide Klangkörper hergerichtet werden kann, die dann auch gleichberechtigten Zugang zu den Terminen haben.“ Gleichberechtigter Zugang – da haben die BR-Symphoniker allerdings ihre Zweifel und befürchten eine Benachteiligung gegenüber dem Stadt-Orchester.

Ude kann sich für die akustisch inakzepable Philharmonie „einen hohen zweistelligen bis sogar dreistelligen Millionenbetrag“ vorstellen. Voraussetzung: klare vorherige Absprachen in Sachen Marstall. Wird auf ihn verzichtet, entsteht eine so gut wie neue Philharmonie mit reduzierter Sitzplatz-Zahl (rund 2000 statt derzeit ca. 2400).

Seehofer hatte nach einem Gespräch mit Jansons zugesagt, dass er sich für den neuen Konzertsaal einsetzen wolle. „Aber so was braucht ein paar Jahre“, hatte er eingeschränkt. Kurz zuvor hatte sich Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) dagegen wegen der ungeklärten Finanzierung – von bis zu 150 Millionen Euro ist die Rede – noch skeptisch zu einem neuen Konzertsaal geäußert und gesagt: „Man kann so viele Dinge machen, aber auch das Geld ist endlich.“

Quelle: tz

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