Vagen/München - Vor einer Woche stürzte sich eine Münchnerin aus einem Heißluftballon 500 Meter in die Tiefe. Mit dieser Verzweiflungstat wollte sie auf ihre mysteriöse Krankheit aufmerksam machen, die unerklärliche Fasern aus der Haut wachsen lässt. In ihrem Abschiedsbrief schreibt Monika B.: „Mein Tod soll nicht umsonst sein.“

Samstag vor einer Woche in Egling (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen): Die Münchnerin Monika B. springt aus einem Ballon 500 Meter in die Tiefe.
In den USA wurden in den vergangenen Jahren 16 000 bis 18 000 Morgellons-Kranke registriert. Hauptsächlich an der Küste (Texas, Florida) treten dort die Beschwerden auf.
„Ähnlich ist es auch in Deutschland“, so Dr. Nicolaus. Er habe schon einige Patienten aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern oder Holland gehabt. Problem für den Mediziner: Viele Ärzte haben noch nie von „Morgellons“ gehört. Lediglich in den USA werde momentan an mehreren Universitäten wie in Oklahoma geforscht. Erster positiver Schritt: Centers of Diseases Control and Prevention (vergleichbar mit dem Robert-Koch-Institut in Deutschland) haben die Faserkrankheit anerkannt. Doch die Wissenschaft steckt in punkto „Morgellons“ noch in den Kinderschuhen. „Die Patienten brauchen Durchhaltevermögen, was angesichts der Schmerzen oft nicht möglich ist“, so Dr. Nicolaus.
Bis die Ursache und ein probates Mittel gegen die Faserkrankheit gefunden seien, bleibe den Medizinern nur die Bekämpfung der einzelnen Symptome. Dies geschehe mit Antibiotika, Antimykotika, Antiviral und auch mit Entwurmungsmitteln. Monika B. konnte so lange nicht mehr warten. Für sie brachten unzählige Krankenhausaufenthalte und eine monatelange Psychotherapie im Klinikum München-Ost keine Linderung. Für sie das Schlimmste laut Rust: „Dass niemand die Krankheit kannte, geschweige denn ernst genommen hat.“ Der 73-Jährige bereitet momentan die Feuerbestattung für den 25. August vor und widmet sich jetzt dem letzten Willen der 55-Jährigen: „Morgellons bekanntmachen, damit andere Erkrankte Hoffnung erhalten und nicht so verzweifeln wie Monika B.“
Silvia Mischi
Die Krankheitsbeschreibung von Morgellons liest sich wie eine Passage aus einem schlechten Science fiction-Roman: Plötzlich wachsen Menschen zelluloseartige winzige Fasern aus der Haut, die aber angeblich mühelos einen Fingernagel durchstechen können sollen. Die Morgellons-Krankheit ist die Bezeichnung für ein Krankheitsbild, das in Medizinerkreisen äußerst kontrovers diskutiert wird. Was wirklich dahinter steckt, kann bislang niemand sagen. Im Internet kursieren die wildesten Vermutungen und Beschreibungen. Die Befallenen fühlen ein Kribbeln unter der Haut, als ob winzig kleine Insekten dort bohrten. Es gibt keine festgelegte Diagnose und schon gar keine Abhilfe. Viele Ärzte glauben, die Patienten müssten sich das alles einbilden, als seien es Wahnvorstellungen. Die Fasern, welche sich im Körper der Betroffenen bilden und durch offene Wunden in der Haut austreten, seien wie lebendige Gebilde, berichten Betroffene. Sie fänden morgens bunte Fasern auf ihrem Bettlaken. „Das Zeug kommt wie Würmer aus meinen Augen. Es ist die Hölle“, schreibt eine Betroffene im Internet. Die Fasern seien wie biegsames Plastik und mehrere Millimeter lang.



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