Die letzten Sekunden von Charlotte Böhringer

Die letzten Sekunden von Charlotte Böhringer

912.06.08|München|15 KommentareFacebook
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Ein Gutachter rekonstruiert den Tatort im Mordfall Charlotte Böhringer mit einem 3-D-Bild – und entlastet damit den Neffen.

1 Hier lag Charlotte Böhringer, das Blaue um sie herum ist Blut 2 Hier stand der Täter, als er die letzten fünf Schläge ausgeführt hat 3 Ein Mauerdeckenvorsprung, an dem die Blutspritzer waren, die für die Berechnung der Schlagrichtung wichtig sind 4 Die Flugrichtung der Blutspritzer. Sie zeigt dem Gutachter: Der Mörder hat mit rechts geschlagen 5 Die Eingangstür, durch die der Mörder kam 6 Die Treppe, die hoch ins Penthouse führt 7 Ein Abstelltisch unter dem Fenster

1 Hier lag Charlotte Böhringer, das Blaue um sie herum ist Blut 2 Hier stand der Täter, als er die letzten fünf Schläge ausgeführt hat 3 Ein Mauerdeckenvorsprung, an dem die Blutspritzer waren, die für die Berechnung der Schlagrichtung wichtig sind 4 Die Flugrichtung der Blutspritzer. Sie zeigt dem Gutachter: Der Mörder hat mit rechts geschlagen 5 Die Eingangstür, durch die der Mörder kam 6 Die Treppe, die hoch ins Penthouse führt 7 Ein Abstelltisch unter dem Fenster

Als die letzten fünf Schläge auf den Kopf von Charlotte Böhringer niedergehen, wehrt sich sie nicht mehr. Blutspuren belegen, dass die Parkhaus-Millionärin sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr groß bewegt haben kann. Davon ist Rechtsmediziner Georg Sasse überzeugt. Der Chef der Schweizer Firma „Digital Crime Scene Reconstruction“ (DSCR) hat anhand eines dreidimensionalen Tatortmodells die letzten Momente im Leben der Charlotte Böhringer rekonstruiert. Und damit deren wegen Mordes angeklagten Neffen Benedikt T. entlastet.

Benedikt T. soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft seine Tante am 15. Mai 2006 in deren Penthouse über der Parkgarage an der Baaderstraße erschlagen haben – aus Angst, enterbt zu werden. Fest stehe jedoch, sagte Sasse vor dem Schwurgericht, dass der Täter die letzten fünf Schläge mit der rechten Hand geführt hat. Der Angeklagte ist aber Linkshänder. Daraufhin stellte Verteidiger Peter Witting erneut den Antrag, seinen Mandanten endlich aus der Untersuchungshaft zu entlassen.

Am 14. Mai hatten Sasses Mitarbeiter im Auftrag der Verteidigung den Tatort gescannt, fotografiert und gefilmt. Bereits eine Woche später hatten sie die 3 D-Bilder ausgewertet, mit denen sich je nach Spurenlage sogar ein Verbrechen digital nachspielen lassen könnte. 9.500 Schweizer Franken hat die Rekonstruktion gekostet. Das Gericht hatte diese Methode nicht in Auftrag geben wollen, aber immerhin zugestimmt, den Gutachter anzuhören.

Doch bei der Vernehmung wurde der Gutachter dann vom Vorsitzenden Richter Manfred Götzl attackiert. Für Benedikt T.s Anwalt Witting zeigte diese ungewöhnlich raue Behandlung einmal mehr, wie befangen die 1. Strafkammer hier sei. Die Kammer sei nicht bereit, ein Gutachten auch mal hinzunehmen.

Vorsitzender Richter Götzl hatte vor allem moniert, dass der Schweizer Rechtsmediziner bei einer früheren Aussage vor dem Schwurgericht erläutert hatte, er könne keine Beweise, sondern nur Wahrscheinlichkeiten liefern. „Ich habe mich vorsichtig ausgedrückt, weil ich den Tatort und die Spuren nicht kannte“, erklärte Sasse. Jetzt, wo er wisse, wie gut und wie viele der Spuren erhalten seien, gehe er mit Sicherheit davon aus, dass der Täter die rechte Hand benutzt habe.

Der Prozess dauert an.

Quelle: tz

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